Bild: Herthabsc

"...weil ich die Entwicklung der Jungs sehe!"

Trainer Bruno Labbadia nahm sich am Mittwoch (11.11.20) Zeit für eine Medienrunde und sprach über die Talentförderung bei Hertha BSC sowie die Struktur und Achse seiner Mannschaft.

Berlin – Die dritte Länderspielpause der laufenden Saison ist im vollen Gange. Während die ersten internationalen Vergleiche mit blau-weißer Beteiligung am Mittwochabend (11.11.20) steigen, absolvierte der verkleinerte Kader der 'Alten Dame' die ersten drei Trainingseinheiten der 46. Kalenderwoche auf dem Schenckendorffplatz – zur vollsten Zufriedenheit des Chefs. "Wir haben schon einiges gemacht, die ersten beiden Tage liefen sehr gut. Die Jungs arbeiten sehr konzentriert", lobte Bruno Labbadia die Leistung der zwölf Akteure, die ihm aktuell zur Verfügung stehen. In einer virtuellen Medienrunde sprach der Fußballlehrer mit den Berliner Journalistinnen und Journalisten über die Talentförderung bei Hertha BSC, die Entwicklung der eigenen Achse und über den Zeitpunkt der Rückkehr von Lucas Tousart und Jordan Torunarigha. herthabsc.de hat die Aussagen des Übungsleiters zusammengefasst.

Bruno Labbadia über... 

…die ersten beiden Trainingseinheiten in dieser Woche: Die waren bisher wirklich gut. Wir haben schon einiges gemacht, am Mittwochmorgen auch früh angefangen mit einem Stabi-Training aber auch einer Videoanalyse. Wir haben den Jungs gute Szenen vom Positionsspiel aus dem Augsburg-Spiel gezeigt. Daran haben wir in der anschließenden Einheit auf dem Platz direkt wieder angesetzt und trainiert. Das lief an den beiden bisherigen Tagen sehr gut. Prinzipiell arbeiten wir natürlich am liebsten immer mit der gesamten Mannschaft, aber wir nutzen diese Zeit, in der wir sehr individuell und spezifisch trainieren können. Wir haben Gelegenheit, um auf einzelne Dinge einzugehen. Die Jungs wissen, dass sie ein freies Wochenende bekommen – mit solchen Dingen bin ich auch immer sehr offen. Da freuen sie sich natürlich drauf, aber bisher arbeiten sie sehr konzentriert.

…das Hertha-Duell zwischen Vladimír Darida und Niklas Stark am Mittwochabend: Auch wenn man als Vereinstrainer zu jedem Zeitpunkt seine gesamte Mannschaft zusammenhalten möchte, verstehe ich aber auch jeden, der die Nationalmannschaft als etwas Besonderes sieht. Das unterstütze ich auch total. Was Vladi betrifft, er hat in der vergangenen Länderspielpause auch alle drei Partien bestritten und ist ein Vielspieler. Gegen Deutschland zu spielen, ist auch immer etwas Spezielles. Ich kann mir vorstellen, dass er motiviert ist und ich freue mich auch auf das Spiel. Die Tschechen verfügen über einen guten Kader, auch wenn man die einzelnen Spieler manchmal gar nicht kennt. Ich schätze die Mentalität der tschechischen Akteure sehr. Deswegen gucke ich bei so einem Spiel sehr, sehr gerne zu – und gönne Vladi auch einiges.

…die Talentförderung bei Hertha BSC: Mir als Trainer macht es Spaß, junge Talente aus dem eigenen Nachwuchs in den Profibereich zu bringen und dort zu etablieren. Ich habe auch einen persönlichen Anreiz daran. Heutzutage ist der Schritt für einen Trainer und den Spieler gar nicht mehr so einfach, weil da unglaublich viele Faktoren mit einfließen. Deswegen freut es mich immer wieder, wenn ich so klare Kerle reinbekomme. Beispielsweise bei Márton Dárdai hat es mich sehr gefreut – aber sein Bundesliga-Debüt war jetzt nur der kleine Anfang. Der weitere Weg wird noch ein Stück dauern. Ich hoffe, dass die Spieler eine gewisse Geduld mitbringen. Dennoch habe ich persönlich auch kein Problem, einen 17- oder 18-Jährigen von jetzt auf gleich ins kalte Wasser zu schmeißen. Umso besser die Strukturen in einer Mannschaft funktionieren, desto einfacher ist es einen jungen Spieler mal für eine Halbzeit oder sogar von Beginn an reinzuwerfen. Da müssen wir uns noch ein bisschen finden. Allgemein finde ich es einen guten Ansatz von Hertha BSC, immer weiter nach jungen, talentierten Spielern zu schauen. Unabhängig von den eigenen Finanzen wünscht sich das jeder Verein. Wir haben uns am Anfang der Saison bewusst für vier sehr junge Spieler entschieden, mit denen arbeiten wir intensiv. Da merkt man jeden Tag bestimmte Entwicklungen, manchmal auch, dass es einen Schritt zurückgeht, weil die Adaption auch etwas länger dauert. Aber ich wünsche mir, dass die Spieler merken, dass wir mit ihnen arbeiten und sie fördern wollen. Das ist wichtig.

Strahlende Augen: Márton Dárdai (li.) nach seinem Bundesliga-Debüt mit Trainer Bruno Labbadia.

…die Entwicklung der neuen Achse bzw. einer neuen Struktur in der Mannschaft: Wir haben gehofft, dass es zum Saisonanfang etwas schneller gehen könnte, waren aber darauf vorbereitet, dass die Entwicklung etwas dauern kann. Eine Achse ist eine der wichtigsten Punkte innerhalb einer Mannschaft. Von den bisherigen sieben Bundesliga-Spielen waren fünfeinhalb Partien gut – aber die Ergebnisse haben nicht so gestimmt. Da müssen wir hinkommen. Das fing mit dem Pokalspiel an und endete in dem Bruch nach der Länderspielpause vor dem Stuttgart-Spiel. Diese Entwicklung wird noch eine Zeit lang andauern. Was mir aber derzeit viel Freude bereitet, ist die Souveränität im Spiel mit dem Ball – wie wir es in Augsburg gezeigt haben. Wir haben viel an unserem Positionsspiel und der Art und Weise, wie wir Fußball spielen wollen, gearbeitet. Das haben wir schon in der zweiten Halbzeit gegen Wolfsburg bestens gezeigt, aber wichtig ist nun mal, dass die Ergebnisse stimmen. In diesem Prozess, in dem wir stecken, müssen wir uns stetig verbessern und versuchen, noch bessere Ergebnisse abzuliefern. Das wird noch einiges an Arbeit bedeuten, aber da habe ich total Lust drauf – weil ich die Entwicklung der Jungs sehe, die zweifelsohne stimmt. Wir arbeiten daran, Entwicklungsschritte zu zementieren und alles zu verfestigen. Die Spieler haben Lust darauf und die Erfolgserlebnisse bringen uns weiter, weil sie dann merken, dass es funktioniert. Glaube und Überzeugung braucht man einfach für das Spiel.

…einen erneuten Bruch nach der Länderspielpause: In den ersten zwei Länderspielpausen haben wir einiges mitgenommen – beispielsweise mit Spielern in häuslicher Quarantäne. Das hat schon richtig reingehauen und der Vorbereitung auf das anstehende Spiel einen kompletten Bruch gegeben. Da fehlte uns dann auch die nötige Energie im Spiel. Da hoffe ich natürlich, dass das dieses Mal nicht wieder der Fall sein wird. Wir versuchen, mit den Spielern, die wir hier zur Verfügung haben, das Optimale herauszuholen. Darüber hinaus wünschen wir uns natürlich, dass unsere Nationalspieler zu Einsatzminuten kommen und verletzungsfrei zurückkehren.

…den Zeitplan bei Jordan Torunarigha und Lucas Tousart: Bei Jordan müssen wir aktuell noch den nächsten Corona-Test abwarten und schauen, ob er dann gegebenenfalls schon wieder einsteigen kann. Lucas war die vergangenen Wochen in der Reha und ist am Mittwoch auf dem Gelände, um sich einen abschließenden Test zu unterziehen. Bei einem möglichen Go der Ärzte kann er dann schon wieder individuell auf dem Platz trainieren. 

(sj/HerthaBSC,imago)

Profis, 12.11.2020
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