Bild: citypress

"Ich möchte mich als Mensch und Fußballer weiterentwickeln!"

Neuzugang Lucas Tousart spricht über seine ersten Tage bei Hertha BSC, persönliche Idole und die Bedeutung seiner Rückennummer.

Berlin – Mit einem breiten Lächeln und klaren Zielen saß Lucas Tousart am Donnerstag (30.07.20) im Medienraum von Hertha BSC. "Es tut mir Leid, dass ich mich noch nicht auf Deutsch mit euch unterhalten kann, aber das werde ich bald hoffentlich nachholen können", begrüßte der Mittelfeldspieler die Vertreterinnen und Vertreter der Presse auf Französisch. Mit der Hilfe einer Dolmetscherin beantwortete er im Anschluss die Fragen der Anwesenden. Dabei sprach der Neuzugang über…

… seinen ersten Eindruck von Berlin und seine Motivation nach der langen Pause: Ich freue mich sehr darauf, hier zu sein und die Stadt nach und nach kennenzulernen. Nachdem ich lange in Lyon gespielt habe und dort eine schöne Zeit hatte, ist es jetzt spannend, hier einen Neuanfang zu wagen! Hinter mir liegt eine komplizierte Zeit. Ich konnte wochenlang nur zu Hause bei mir im Garten trainieren und mich fithalten. Umso schöner ist es nun, wieder auf einem richtigen Platz zu stehen und Fußball spielen zu können. Ich liebe diesen Sport und bin froh, ihn wieder mit meinen Kollegen ausüben zu dürfen – das hat mir sehr gefehlt!

… Gründe für seinen Wechsel an die Spree und Ziele mit Hertha BSC: Ich hatte mit Lyon in den vergangenen Jahren die Chance, europäische Erfahrungen zu sammeln – das wäre aber im kommenden Jahr nicht mehr möglich gewesen. Daher fühlt es sich für mich wie der richtige Zeitpunkt an, um mich zu verändern, einen neuen Club, eine andere Liga und ein neues Land kennenzulernen und mich so als Mensch und als Fußballer weiterzuentwickeln. Mit der Mannschaft möchte ich ein gutes Jahr in der Bundesliga spielen, auf einer besseren Position als im Vorjahr und im Idealfall auf einem Platz abschließen, der uns die Qualifikation für Europa ermöglicht. Persönlich möchte ich möglichst viel Spielzeit sammeln und Freude auf dem Feld zu haben.

Gesagt...

"Ich konnte wochenlang nur zu Hause trainieren. Umso schöner ist es jetzt, wieder auf einem richtigen Platz zu stehen und Fußball spielen zu können. Das hat mir sehr gefehlt!"

Lucas Tousart

… seine Stärken und seine Lieblingsposition: Ich habe trotz meines jungen Alters in den französischen U-Nationalmannschaften und mit Olympique Lyon schon viel nationale und internationale Erfahrung sammeln können. Ich würde mich als intelligenten Spieler bezeichnen, meine Position erfordert im modernen Fußball viel strategisches Denken und Handlungsschnelligkeit. Dazu bin ich auch im physischen Bereich gut, erobere viele Bälle für mein Team und habe auf dem Feld im Zusammenspiel mit meinen Kollegen auf viele Situationen eine Antwort. Ich kann auf dem Platz sowohl auf der 8 als auch auf der 6 spielen und mich entsprechend anpassen, am wohlsten fühle ich mich aber im defensiven Mittelfeld.

… seinen Eindruck von der Bundesliga und Unterschiede zur Ligue 1: Es ist ein Wettbewerb mit vielen guten Teams, starkem Niveau und hoher Intensität. Ich denke, das kommt einem Spieler wie mir entgegen, und es ist als junger Spieler spannend, eine neue Liga kennenzulernen. Ich finde den Fußball, der in der Bundesliga gespielt wird, sehr interessant, zudem wird hier unglaublich akribisch und intensiv gearbeitet. Mit Lyon hatte ich schon die Chance, mich mit Hoffenheim und Leipzig zu messen, das waren spannende Duelle. Zudem herrscht für gewöhnlich auch eine tolle Stimmung in den Stadien – das ist für einen Spieler immer schön und ich hoffe, dass wir alle das bald wieder zusammen erleben können.

… einen journalistischen Vergleich mit Franck Ribéry und seine persönlichen fußballerischen Idole: Mich mit ihm zu vergleichen, finde ich etwas kompliziert, und das nicht nur, weil wir auf unterschiedlichen Positionen spielen (schmunzelt). Ribéry hat den FC Bayern und die Bundesliga über Jahre mitgeprägt, viele Tore erzielt und Titel gewonnen - ich bewundere ihn! Persönlich war es natürlich Zinédine Zidane, der mich und meine Generation in Frankreich geprägt hat. Ich hoffe allerdings, dass ich eines Tages schönere Erinnerungen ans Olympiastadion habe, als er (grinst; Anm. d. Red.: Zidane sah für eine Tätlichkeit in seinem letzten Spiel im WM Finale 2006 Rot). Andere, aktuelle Spieler, die mich beeinflusst und beeindruckt haben, sind Casemiro und Marco Verratti. 

… den Austausch mit Landsleuten, die schon in Deutschland spielen: Ich habe mich vor meinem Wechsel mit einigen Kollegen ausgetauscht, die schon in der Bundesliga aktiv sind – ich kenne die Leipziger Dayot Upamecano und Ibrahima Konaté und die Mainzer Moussa Niakhaté und Jean-Philippe Mateta von den U-Nationalmannschaften. Sie haben mir viel Gutes erzählt, die Liga bietet etlichen jungen französischen Spielern die Möglichkeit, den nächsten Schritt in ihren Karrieren zu machen.

Endlich in Berlin am Ball: Lucas Tousart beim Training auf dem Schenckendorffplatz.

… seinen ersten Eindruck von Bruno Labbadia: Wir haben uns schon einmal telefonisch ausgetauscht, als ich in Frankreich noch in häuslicher Quarantäne war, und dann auch nochmal gesprochen, als ich hier war, um eine Wohnung zu suchen. Man spürt, dass er sehr viel Erfahrung in der Bundesliga gesammelt und genaue Vorstellungen hat, wie seine Mannschaft Fußball spielen und sich auf dem Feld verhalten soll. Wir pflegen einen sehr guten Austausch und ich freue mich, unter ihm zu arbeiten.

… die Wichtigkeit des Deutschlernens und die Verständigung im Team: Zwar gibt es auf dem Feld eine universelle Fußballer-Sprache, aber natürlich ist es sehr wichtig für mich, schnell Deutsch zu lernen. Das ist das Mindeste, wenn man als Profi in ein anderes Land kommt. Es ist wichtig, sich mit den Kollegen austauschen und die Anweisungen des Trainerteams verstehen zu können. Ich werde daher zeitnah damit beginnen, die Sprache zu lernen! Aktuell helfen mir noch die anderen Jungs, mit denen ich mich auf Französisch und Englisch verständigen kann, was meine Integration erleichtert.

… den Traum von der französischen Nationalmannschaft: Natürlich träumt jeder französische Fußballer davon, einmal für die Équipe tricolore spielen zu dürfen. Aber im Moment ist das nicht meine Priorität, zumal die Konkurrenz auf meiner Position sehr groß ist. Ich konzentriere mich erst einmal darauf, bei Hertha anzukommen und hier gute Leistungen zu zeigen.

… die Bedeutung seiner Rückennnummer 29: Zuerst einmal ist das mein Geburtstag – der 29. April (grinst). Inzwischen hänge ich aber auch an der Nummer, da ich mit ihr in den vergangenen fünf Jahren auf dem Rücken den Sprung in den Profifußball geschafft habe.

… seine Wohnsituation und Hobbys: Meine Freundin begleitet mich. Wir sind sehr glücklich, eine schöne Wohnung im Zentrum in einem schönen Kiez gefunden zu haben. Wir haben uns bereits ein wenig eingelebt. Aktuell entdeckt sie die neue Umgebung noch meistens alleine, da ich ja hier auf dem Gelände zu tun habe. Wir freuen uns aber, das auch gemeinsam fortzusetzen, wenn es der Trainingsplan erlaubt. In meiner freien Zeit ruhe ich mich aber auch gerne zu Hause aus und bin einfach gerne mit meiner Freundin und meiner Familie zusammen. Zeit mit ihnen zu verbringen und so meine Akkus aufzuladen, ist mir extrem wichtig. Aktuell ist das natürlich etwas komplizierter, aber meine Eltern werden mich bald auch einmal hier in Berlin besuchen kommen, darauf freue ich mich schon sehr. Außerdem gehe ich in meiner Freizeit gerne ins Kino oder schaue Serien.

(kk/City-Press)

Profis, 30.07.2020
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