Bild: Citypress

Ein erfüllter Wunsch zum Abschied

Beim Saisonfinale in Mönchengladbach stand vor allem der Abschied von Per Skjelbred im Vordergrund – dessen Wunsch nach einem Abschiedseinsatz noch in Erfüllung ging.

Berlin - Er hatte noch diesen einen Wunsch: Bevor es am Sonntag (28.06.20) zurück nach Norwegen geht, wollte Per Skjelbred beim Saisonfinale bei Borussia Mönchengladbach unbedingt noch einmal mit seinen Jungs auf dem Platz stehen. Nachdem der Norweger im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt vor zwei Wochen mit einer Wadenverletzung ausgewechselt werden musste und daraufhin die folgenden zwei Partien verpasste, geriet diese Mission ernsthaft in Gefahr. Doch Herthas Nummer 3 tat in den zurückliegenden Tagen alles, um am 34. Spieltag beim UEFA Champions League-Aspiranten antreten zu können – und er tat es: Zur zweiten Halbzeit wechselte Bruno Labbadia den 33-Jährigen ein, der somit noch zu seinem 197. Einsatz mit der blau-weißen Fahne auf der Brust kam – auch wenn dieser nach einer halben Stunde schon wieder beendet war und Skjelbred angeschlagen das Feld verlassen musste.

Bei seiner Auswechslung übergab Per Skjelbred (re.) die Kapitänsbinde an Vedad Ibisevic.

So stand der Blondschopf nach den 92 Minuten ohne Schuhe und mit einer bandagierten Wade sowie einem getapeten Sprunggelenk vor den Fernsehkameras. "Mein letztes Spiel – und das auswärts, ohne Zuschauer – das war schon schwierig und komisch. Aber es war schön, noch ein letztes Mal mit den Jungs unterwegs gewesen zu sein. Das war für mich das Wichtigste", untermauerte der Rechtsfuß in einem kurzweiligen Plausch mit 'Sky'-Reporter Ecki Heuser, zu dem sich auch noch Vedad Ibisevic gesellte. Dieser unterhaltsame Talk symbolisierte auf einen Blick die Werte, für die der Mittelfeldmotor sieben Jahre lang an der Spree stand: sympathisch, bodenständig und nahbar – ein Profi zum Anfassen! "Ich habe das Tor für ihn geschossen, denn er ist ein guter Freund geworden und einfach ein super Typ", bestätigte auch Kapitän Ibisevic den tadellosen Ruf Skjelbreds innerhalb der Mannschaft. Apropos Kapitän: Die Binde des Spielführers durfte der gebürtige Trondheimer nach seiner Einwechslung ein letztes Mal überstreifen, obwohl Vizekapitän Niklas Stark auf dem Platz stand – eine nette Geste des Dankes und der Wertschätzung.

Mehr Energie im zweiten Abschnitt 

Da passt es nur zu gut ins Bild, dass die Herthaner im Gastspiel bei der 'Fohlenelf' ihre beste Phase erwischten, als Skjelbred ins Spiel kam. Nach einer fehlerhaften ersten Halbzeit – "Da waren wir mit dem 0:1 gut bedient", wusste auch Labbadia richtig einzuschätzen –, stabilisierten sich die Blau-Weißen im zweiten Abschnitt und hatten durch die eingewechselten Mathew Leckie (55.) und Arne Maier (73.) beste Gelegenheiten, um den frühen Führungstreffer durch Jonas Hofmann (7.) zu egalisieren. "In der zweiten Halbzeit haben wir mehr Energie auf den Platz bekommen, und ich hatte das Gefühl, dass hier wirklich etwas drin ist", bescheinigte der Fußballehrer seiner Elf, bei der Startelfdebütant Dennis Smarsch im blau-weißen Gehäuse stand – da Rune Jarstein aufgrund der anstehenden Geburt seines dritten Kindes in Berlin geblieben war –, eine ordentliche zweite Hälfte.

Gesagt...

"Wir werden in Berlin noch gemütlich etwas essen und gehen früh ins Bett. Früh morgens."

Vedad Ibisevic

Doch es kam so, wie es an einem solchen Tag kommen musste: Skjelbred verließ nach 76 Minuten die Bühne Bundesliga und im nächsten Wimpernschlag erhöhte der auffällige Breel Embolo für die Hausherren (78.). "Dann haben wir aber ein ganz blödes 0:2 kassiert. Das war zu einfach und sehr schade", bedauerte Labbadia. Zwar verkürzte der ebenfalls eingewechselte Ibisevic mit seinem 45. Bundesliga-Treffer für Hertha BSC, mit dem er das 25. Auswärtstor der laufenden Saison erzielte und somit den Vereinsrekord aus den Spielzeiten 1969/70 und 2004/05 egalisierte, noch auf 1:2 – an der Niederlage änderte der Treffer nach schöner Vorlage von Jessic Ngankam aber nichts mehr. 

Gemeinsames Frühstück am Sonntag  

So mussten sich die Blau-Weißen im neunten Duell nach dem Re-Start zum vierten Mal geschlagen geben (vier Siege, ein Remis). Mit somit 41 Zählern beendeten die Hauptstädter die 57. Bundesliga-Spielzeit auf dem zehnten Tabellenplatz. Dieses Abschneiden – aber vor allem die Abschiede von Skjelbred, Marko Grujic und Alexander Esswein, die ebenso in Gladbach ihre Abschiedsvorstellung hatten, aber auch die von Thomas Kraft, Marius Wolf und Salomon Kalou - wurden am Samstagabend gebührend gefeiert. "Wir werden in Berlin noch gemütlich etwas essen und gehen früh ins Bett. Früh morgens", gab der 'Vedator' mit einem Schmunzeln Einblicke in die blau-weiße Abendgestaltung. Wie ausgelassen der Saisonabschluss tatsächlich zelebriert wurde, ist nicht überliefert – jedoch versammeln sich die Herthaner am Sonntagmorgen (28.06.20) zum gemeinsamen Frühstück, ehe die Akteure dann endgültig in den Sommerurlaub aufbrechen. Im Hinterkopf, dass Per Skjelbred seinen Wunsch nach einer Abschiedsvorstellung am Samstagnachmittag erfreulicherweise noch erfüllen konnte.

(sj/City-Press)

Profis, 28.06.2020
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