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Gier nach mehr

Durch das 1:1 in Mönchengladbach bleibt Hertha BSC zum dritten Mal in Folge ungeschlagen, zwei Mal auswärts bei Europacup-Teilnehmern. Trainer und Spieler sehen eine Entwicklung, an der sie weiter arbeiten wollen.

Mönchengladbach/Berlin – Fast wirkte Matteó Guendouzi etwas verlegen, doch dann breitete sich ein großes Strahlen in seinem Gesicht aus. Lässig zuckte er mit den Schultern, als wäre nichts gewesen, ehe ihn seine Mitspieler einholten und in einer Jubeltraube begruben. Sekunden davor hatte der Lockenkopf seine Farben mit einem gefühlvollen Schlenzer ins Toreck in Führung geschossen (47.). "Wir haben den Ball am Strafraum erobert, Vladimir Darida hat dann ideal zurückgelegt und ich erwische ihn ideal", schildert der Franzose unaufgeregt die Sekunden, die an diesem Samstag (12.12.20) zur Schlüsselszene im Spiel der Blau-Weißen bei Borussia Mönchengladbach hätte werden können.

Behauptet und zur Wehr gesetzt

Der Konjunktiv verrät jedoch, dass es anders kam. Nach 93 intensiven Minuten leuchtete an diesem 11. Spieltag ein 1:1 auf der Anzeigetafel im Stadion. "Schade, dass es am Ende nicht zum Sieg gereicht hat, aber wir haben als Team gekämpft und bei einem starken Gegner einen verdienten Zähler eingefahren", schilderte der Torschütze der Berliner seine Sicht der Dinge. Doch der Reihe nach: Die erste Halbzeit am Niederrhein ist schnell erzählt. Viele Zweikämpfe, wenig klare Strafraumszenen zwischen zweier Teams, die sich auf Augenhöhe begegneten. Krzysztof Piątek für die Gäste (32.), Hannes Wolf (42.) für die Hausherren strahlten mit ihren Versuchen am ehesten Torgefahr aus. Sonst passierte kaum etwas. "Wir wollten Gladbach immer wieder unter Druck setzen. Das ist uns in der ersten Halbzeit teilweise sehr gut gelungen, nur nach den Balleroberungen hätten wir im Ballbesitz mehr machen müssen", fasste Bruno Labbadia den ersten Durchgang aus blau-weißer Perspektive treffend zusammen.

Gesagt...

"Bisher habe ich noch nicht gesehen, dass solche Tore seine Spezialität sind, aber wie er das gemacht hat, war klasse"

Bruno Labbadia über den Treffer von Matteó Guendouzi

Es folgte nach Wiederanpfiff der bereits beschriebene Kunstschuss Guendouzis, der auch seinen Coach ein wenig überraschte. "Bisher habe ich noch nicht gesehen, dass solche Tore seine Spezialität sind, aber wie er das gemacht hat, war klasse", sagte der 54-Jährige, der die Fähigkeiten seiner Nummer 8 hervorhob. "Matteò bringt dieses Gewinner-Gen mit. Er ist ein sehr, sehr guter Fußballer mit einem guten Raumgefühl und einer guten Technik. Damit ist er sehr wertvoll für uns." Wie seine Mitspieler setzte sich der Franzose nach seinem Premierentor gegen den Achtelfinalisten der UEFA Champions League kampfbetont, aber auch spielerisch zur Wehr. "Wir standen gut, haben gemeinsam verteidigt und versucht, nach vorne unsere Aktionen zu setzen. Auch wenn Gladbach mehr Ballbesitz hatte, kamen wir so zu unseren Chancen", sagte Niklas Stark. Die 'Alte Dame' musste in dieser Phase eigentlich nur einmal tief durchpusten, als Dedryvk Boyata einen Lupfer von Patrick Herrmann noch von der Linie (62.) kratzte. Vier Zeigerumdrehungen später hatte Dodi Lukébakio nach mustergültiger Vorarbeit von Stark und Peter Pekarík sogar den zweiten Treffer auf dem Fuß. "Ein guter Abschluss, den Sippel sensationell hält", befand Labbadia. Andernfalls wären drei Punkte greifbar gewesen. 

Statt 2:0 hieß es nach dem Ausgleich der Borussen von Breel Embolo allerdings 1:1 (70.), die Hausherren witterten ihre Chance. "Die Gladbacher hatten in der zweiten Hälfte 20 Minuten, in denen sie sehr gut waren. Wir haben in dieser Phase zu passiv agiert und uns zu weit reindrängen lassen", monierte Alexander Schwolow, der vor Beginn der Schlussphase ein ums andere Mal in den Mittelpunkt rückte, dabei aber stets auf dem Posten war. "Hertha hat in vielen Situationen gut verteidigt. Mit langen Bällen wollte unser Gegner zudem schnell umschalten, damit hat er uns ein paar Mal erwischt", attestierte Ex-Berliner Valentino Lazaro seiner alten Mannschaft einen gelungenen Auftritt. Gemeinsam verteidigten die Spreeathener das Ergebnis – und setzten vor Abpfiff durch einen eben solchen langen Pass beinahe noch den entscheidenden Punch. Joker Daishawn Redan zielte mit einem seiner ersten Ballkontakte allerdings links am Gehäuse vorbei (85.).

Blau-weißer Aufwärtstrend

In der Bewertung des Unentschiedens herrschte im Lager der Blau-Weißen abschließend Einigkeit. "Wir haben eine Partie gesehen, die wir gewinnen, aber auch hätten verlieren können. Man hat gemerkt, dass beide Mannschaften gewinnen wollten. Daher geht das Ergebnis in Ordnung", sprach Labbadia über das dritte Remis der laufenden Runde und das dritte Spiel in Folge ohne Niederlage. Zufrieden ist der Fußballlehrer auch mit den sichtbaren Fortschritten seiner Schützlinge auf dem Rasen. Die Automatismen greifen immer besser, ein Aufwärtstrend zeichnet sich ab. Der Fußballlehrer drückte es so aus: "In der vergangenen Woche haben wir ein sehr wichtiges Spiel gewonnen, davor bei einer Top-Mannschaft in Leverkusen einen Punkt geholt und nun auch wieder. Das ist in Ordnung, heißt aber nicht, dass wir uns damit begnügen. Wir wollen gerne noch mehr, aber es ist auf jeden Fall eine gute Entwicklung."

Möglichkeiten, um die nächsten Schritte zu gehen, haben die Blau-Weißen in diesem Jahr noch zwei. Bereits am Dienstag (15.12.20, 20:30 Uhr) gastiert Mainz 05 im Olympiastadion, ehe der Jahresabschluss am Sonntag (20.12.20, 15:30 Uhr) beim SC Freiburg steigt. Das passende Schlusswort gehörte Niklas Stark. "Wir rechnen uns dort etwas aus, wissen aber natürlich, dass wir auf unangenehme Gegner treffen. In diesen Partien wollen wir den Punktgewinn vergolden – dann können wir in Ruhe Weihnachten feiern!"

(fw/dpa)

Profis, 13.12.2020
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