Bild: citypress

Ein Moment der Unordnung

Gegen den SV Werder Bremen zeigte Hertha BSC am Samstagabend (16.02.19) eine hochkonzentrierte Leistung. Ehe eine Szene das Spiel kippen ließ und die Berliner ein "Ei" kassierten, wie Selke das Tor zum 1:1 im Nachgang nannte.

Berlin – Im Olympiastadion lief bereits die Nachspielzeit, als die Herthaner am Samstagabend (16.02.19) gegen den SV Werder Bremen erstmals die Ordnung verloren. Auf Höhe der Mittellinie bekamen die Blau-Weißen einen Einwurf zugesprochen, der Bremer Davy Klaassen hielt den Ball fest und beschwerte sich lautstark bei Schiedsrichter Sören Storks. Wenige Augenblicke später kabbelten sich Spieler und Betreuer beider Mannschaften, das Ende vom Lied war, dass sowohl Klaassen als auch Vedad Ibišević – wohlgemerkt als Ersatzspieler – die Gelbe Karte sahen. Im Grunde war die Szene banal – und doch mochte man nachher glauben, dass die Berliner dadurch aus dem Konzept gebracht wurden. Denn nur etwa eine Minute später kam Fabian Lustenberger kurz vorm Sechzehner gegen Joshua Sargent zu spät in den Zweikampf, den fälligen Freistoß versenkte Claudio Pizarro durch die Mauer hindurch zum 1:1-Endstand. "Das ist unfassbar bitter und fühlt sich an wie eine Niederlage. Wir haben eine tolle erste Halbzeit gespielt und auch im zweiten Durchgang über weite Strecken unfassbar gut verteidigt, bis wir dann in der Nachspielzeit so ein Ei kassieren. Das ist einfach nur schade", meinte ein ernüchterter Davie Selke in der Mixed Zone.

Schuss in die Geschichtsbücher: Pizarro trifft in der 96. Minute zum 1:1.

Kein Vorwurf an die Mannschaft

Aus Sicht des Angreifers war der späte Ausgleich doppelt bitter. Schließlich war Selke so kurz davor, gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber zum Helden des Abends zu avancieren – gerade mal eine Woche, nachdem Herthas Nummer 27 schon in Mönchengladbach brilliert hatte. Gegen Werder knüpfte der 24-Jährige nahtlos an seiner Vorstellung gegen die Fohlen an: Erst scheiterte er zwar noch am Pfosten (21.), wenige Minuten später erzielte er dann aber die verdiente 1:0-Führung (25.), die bis in die Nachspielzeit Bestand hatte. "Wir sind mit einem guten Plan in das Spiel gegangen, haben die Bremer überrascht und in der ersten Halbzeit richtig hoch verteidigt", meinte Cheftrainer Pál Dárdai. "Aber wir hätten eben mit einem 2:0 oder 3:0 in die Pause gehen müssen. Bremen hatte keine richtige Torchance." Tatsächlich hatten alle Berliner den Torschrei in der 38. Minute ein zweites Mal auf den Lippen, als Ondrej Duda mit einem schnittigen Freistoß am Querbalken scheiterte. "Es gibt Tage, da springt der Ball von der Latte ins Tor – und es gibt Tage, da springt der Ball vom Aluminium zwei Mal zurück ins Spielfeld. Ich kann meiner Mannschaft wirklich keinen großen Vorwurf machen", bilanzierte Dárdai.

Der zweite Treffer blieb für die Blau-Weißen aus und dennoch schien es lange Zeit, als würde sich die Dárdai-Elf die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lassen. Im zweiten Durchgang erhöhten die Bremer zwar ihre Offensivbemühungen, kamen aber nur allzu selten gefährlich in die Hälfte der Herthaner. "Die Leistung meiner Mannschaft war nicht gerade berauschend. Hertha hätte gut und gerne mit einem 2:0 oder 3:0 in die Pause gehen können. Dass wir in der letzten Minute noch zum Ausgleich gekommen sind, ist auf jeden Fall glücklich für uns", verstand es so auch Bremens Trainer Florian Kohfeldt, den Punktgewinn seiner Mannschaft realistisch zu bewerten.

Gesagt...

"Alle wollten sich reinschmeißen. Karim und Tino fälschen den Ball ab – und dadurch geht er rein. Das ist einfach Pech."

Pál Dárdai

Hertha im Pech - Pizarro schießt sich in die Geschichtsbücher

So war es am Ende – wie so oft im Fußball – eine Standardsituation, die dem SV Werder in buchstäblich letzter Sekunde den Gleichstand bescherte. Ein geschichtsträchtiges Tor war es noch dazu. Schließlich stieg Pizarro dadurch mit 40 Jahren und 136 Tagen zum ältesten Torschützen der Bundesliga-Geschichte auf. "Es war nicht abgesprochen, dass Claudio diesen Freistoß schießt. Man hat aber grundsätzlich ein gutes Gefühl, wenn er 18 Meter vor dem gegnerischen Tor den Ball am Fuß hat. Und schließlich hat er den Freistoß ja auch reingemacht", scherzte Kohfeldt auf der Pressekonferenz. Dárdai betrachtete das Ganze logischerweise aus einem anderen Blickwinkel: "Normalerweise hätte die Mauer stehenbleiben müssen. Wenn man sich das aber nochmal anschaut, sieht man, dass sich alle in den Ball reinschmeißen wollten. Karim und Tino fälschen den Ball ab – und dadurch geht er rein. Das ist einfach Pech", so der Ungar. Außerdem betonte der Trainer des Hauptstadtclubs, wie jung sein Team immer noch sei und dass es demzufolge völlig normal sei, dass hier und da Lerneffekte einsetzen würden. Einzig monierte Dárdai, dass seine Schützlinge in entscheidenden Momenten nicht clever genug waren.

Sollte es den Herthanern am kommenden Samstag (16.02.19, 15:30 Uhr) in München gelingen, ähnlich konzentriert zu verteidigen wie gegen die Bremer, stehen die Chancen gut, dass die 'Alte Dame' auch im dritten Bundesliga-Spiel in Folge gegen den FC Bayern zu Null spielt. Zumindest dann, wenn sie in der Nachspielzeit jene Situationen vermeiden, die sie aus dem Konzept bringen und das Spiel kippen lassen könnten.

(af/City-Press)

Profis, 17.02.2019
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