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Eine Hälfte

Nach einer guten ersten Halbzeit kassierten die Herthaner gegen Dortmund und einen starken Erling Haaland zu einfache Gegentore.

Berlin - Bekanntlich dauern Spiele in Deutschlands höchster Spielklasse zweimal 45 Minuten. Plus Nachspielzeit. Am Samstagabend (21.11.20) wäre allen Herthanern nicht wenig daran gelegen gewesen, bereits nach der Hälfte gänzlich abzupfeifen: Nach einem starken ersten Durchgang gingen die Schützlinge von Trainer Bruno Labbadia mit einer nicht unverdienten 1:0-Führung gegen Borussia Dortmund in die Kabine. Matheus Cunha hatte die Blau-Weißen in der 33. Spielminute gegen den UEFA Champions League-Teilnehmer mit einem wuchtigen Distanzschuss ins untere Eck in Führung geschossen. "Wir haben sehr gut ins Spiel gefunden und Dortmund zu wenig Möglichkeiten kommen lassen. Wir haben selbst gut umgeschaltet, uns sehr gute Chancen herausgespielt", befand auch Maximilian Mittelstädt im Anschluss an die Partie. Die Gäste schraubten jedoch in der Folge bereits am Tempo - unmittelbar vor dem Pausenpfiff besaß Erling Haaland eine Riesenmöglichkeit zum Ausgleich, vergab allerdings.

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Rubrik 20.11.2020
Hertha BSC - Borussia Dortmund

Das sollte sich nach dem Seitenwechsel zu Herthas Nachteil ändern. Schon in der 47. Minute war Haaland zur Stelle und egalisierte den Spielstand. "Die erste Hälfte war von unserer Seite sehr ordentlich. Wir hatten uns nach der Führung zur Pause vorgenommen, genau so weiter zu machen, haben dann aber viel zu schnell das Gegentor kassiert", konstatierte Peter Pekarík, der selbst nur Sekunden nach dem Treffer die Gelegenheit zur erneuten Führung hatte, nach schöner Vorarbeit von Mattéo Guendouzi aber an Borussias Schlussmann Roman Bürki scheiterte. Fast im Gegenzug war wieder Dortmunds Norweger zur Stelle und ließ ratlose Spreeathener zurück. "Die Frage ist, wie uns das nach einer guten ersten Hälfte passieren konnte. Wir haben das erste und zweite Gegentor viel zu schnell und leicht bekommen. Die Leistung in der zweiten Halbzeit war einfach nicht gut. Haaland ist natürlich ein überragender Spieler, aber wir hätten es besser machen müssen", bilanzierte auch Vladimír Darida.

Haaland nicht zu stoppen

Die Hauptstädter probierten weiter, zurück ins Spiel zu kommen, doch die schnellen Gegentore waren ein Wirkungstreffer für die jungen Herthaner. "Der Doppelschlag war auch für die Psyche brutal, ganz besonders, wenn man so eine erste Halbzeit gespielt hat, bei der man mindestens ebenwürdig war", so Labbadia später. "Das tut jeder Mannschaft weh, uns besonders in der Entwicklung, in der wir uns befinden." Dennoch hatten die Berliner ihre Chancen: Wieder war es Pekarík, der nach einer punktgenauen Flanke von Marvin Plattenhardt am zweiten Pfosten aussichtsreich zum Kopfball kam, der Ball aber noch leicht von seinem Gegenspieler abgefälscht am Tor vorbei ging (52.). Die Gäste wiederum bestraften nun jede Unaufmerksamkeit direkt. Nach einer guten Stunde landete ein Pass von Plattenhardt statt bei Omar Alderete beim lauernden Haaland, der auch dieses Mal Alexander Schwolow keine Abwehrchance ließ. Knapp zehn Minuten später erhöhten die Schwarz-Gelben sogar auf 4:1 - im Sitzen beförderte Raphaël Guerreiro den Ball aus Nahdistanz in die Maschen (70.).

Gesagt...

"Die Fehler, die wir gemacht haben, dürfen wir nicht wiederholen."

Vladimír Darida

Kurz flackerte noch einmal so etwas wie Hoffnung auf: Nach Foul an Guendouzi im Strafraum verkürzte Cunha per Elfmeter auf 2:4 (79.). Doch fast vom Anstoßpunkt weg, sorgte ein weiteres Mal Dortmunds Nummer 9 für den alten Abstand und unterm Strich für den Endstand (80.). "Haaland hat sein Spiel für sein Alter schon fast perfektioniert. Die Laufwege sind klasse und man spürt in jeder Sekunde, dass er unbedingt ein Tor machen möchte. Gepaart mit seinem Tempo und einer Mannschaft, die ihn optimal einsetzen kann, ist das schon außergewöhnlich", zollte schließlich auch Labbadia dem Gegner und seinem vierfachen Torschützen Respekt. Bei der Elf von der Spree herrschte im Vergleich der beiden Hälften viel Enttäuschung, wie Pekarík beschied: "Wir haben es Dortmund viel zu leicht gemacht. Das ist wirklich schade, denn es wäre mehr möglich gewesen." Am Ende blieb eine einfache Erkenntnis, um nicht nur gegen Top-Teams wie Dortmund, die Punkte einzufahren. "Die Fehler, die wir gemacht haben, dürfen wir nicht wiederholen", fasste es Darida so einfach wie treffend zusammen. In den nächsten Spielen gegen Leverkusen, Union und Mönchengladbach werden je zwei gute Halbzeiten wichtig sein.

(war/City-Press)

Profis, 22.11.2020
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