Bild: citypress

Blau-weißer Blackout

Gegen Köln erwischten die Herthaner am Samstag (22.02.20) einen rabenschwarzen Tag. Eine schmerzhafte Heimpleite war die Folge.

Berlin - Einer der schöneren Aspekte des Fußballs ist das Diskussionspotenzial, das die Spiele üblicherweise liefern. Nicht immer gibt es nur eine Sichtweise auf das Geschehen auf dem Rasen und den Verlauf einer Partie – nach dem Heimspiel von Hertha BSC gegen den 1. FC Köln am Samstag (22.02.20) waren die Meinungen der Blau-Weißen bei der Nachbesprechung in der Mixed-Zone jedoch eindeutig. "Es ist nicht zu erklären, jeder hat gesehen, dass das so absolut nicht geht - bei mir persönlich angefangen bis hin zur gesamten Mannschaft", redete Marius Wolf nicht lange um den heißen Brei herum. Die eigene Vorstellung gab den Herthanern Rätsel auf. "Wir hatten uns viel vorgenommen und wollten die drei Punkte unbedingt – mir ist klar, dass man das von außen nicht gesehen hat", sagte Niklas Stark, der ebenfalls klare Worte fand. "Es war einfach ein Scheißspiel und ein gebrauchter Tag." Auch Maximilian Mittelstädt fand es "schwierig, kurz nach so einem Spiel die richtigen Worte zu finden. Es ist einiges schiefgelaufen", konstatierte das Eigengewächs und betonte: "Das, was wir uns vorgenommen haben, haben wir nicht auf den Platz bekommen. So ein Spiel darf nicht vorkommen."

Von Anfang an liefen die Berliner an diesem Tag der Musik hinterher. In der 4. Spielminute setzte es die erste kalte Dusche, als Cordoba einen Umschaltmoment zur frühen Kölner Führung nutzte. Die Gäste blieben gefährlich, während die Hauptstädter sich um eine Antwort bemühten. Nach einer scharfen Eingabe von Mittelstädt musste FC-Keeper Horn erstmals eingreifen – das Netz zappelte wenig später jedoch wieder auf der anderen Seite. Wieder traf Cordoba nach einem schnellen Gegenstoß der Rheinländer (22.). "Gerade in der ersten Halbzeit waren wir nicht wach genug, wir haben nicht stattgefunden", bilanzierte ein zerknirschter Wolf. "Klar ist ein frühes Gegentor zusätzlich ungünstig, aber das darf nicht ausschlaggebend sein!" Doch es kam letztlich noch schlimmer, als die Kölner nach einem langen Ball auf Cordoba und dem folgenden Abschluss von Kainz noch vor der Pause zum dritten Tor kamen – Rune Jarstein kam zwar noch an den Abschluss heran, vermochte den Einschlag im eigenen Kasten aber nicht mehr verhindern (39.). Kurz vor dem erlösenden Pausenpfiff von Schiedsrichter Schlager kam es noch zu einer unschönen Szene, als Kölns Rafael Czichos nach einem unglücklichen Zusammenprall mit Marko Grujic verletzt mit einer Trage vom Platz getragen werden musste. Es war die letzte Situation einer Hertha-Hälfte zum Vergessen. 

Gesagt...

"Es ist nicht zu erklären, jeder hat gesehen, dass das so absolut nicht geht - bei mir persönlich angefangen bis hin zur gesamten Mannschaft!"

Marius Wolf

Chancen zum Anschluss bleiben ungenutzt – Köln kontert eiskalt

Nach dem Seitenwechsel war der Wille zur Wiedergutmachung bei den Profis der 'Alten Dame' spürbar. Doch Grujic (48., 49.) und Krzysztof Piątek (55.) verpassten den möglichen Anschlusstreffer ebenso wie der eingewechselte Dodi Lukébakio (58.). Stattdessen trafen nach 62 Minuten erneut die effektiven Gäste – Kainz schnürte ebenfalls einen Doppelpack und machte damit den Deckel auf die Begegnung. Den Schlusspunkt eines grausamen blau-weißen Nachmittages setzte Mark Uth, der einen Freistoß direkt verwandelte (70.). Pünktlich nach 90 Minuten pfiff der Unparteiische Daniel Schlager ab. "Wenn man so früh mit zwei oder drei Treffern hinten liegt, fängt es im Kopf an zu arbeiten", versuchte sich Niklas Stark an einer Erklärung des Geschehenen. "Und wenn man dann nicht den Anschlusstreffer macht, sondern das 0:4 kassiert, ist es schwer." Den Chancen zu einer Korrektur trauerte auch Wolf beim Austausch mit den Medienvertretern noch kurz hinterher. "In der zweiten Halbzeit hatten wir zu Beginn zwei Riesenchancen – steht es da 2:3, kann es vielleicht noch anders ausgehen, so ist es aber am Ende bitter", so die Nummer 30.

In einem herrschte im Berliner Lager anschließend Einigkeit. Der Blackout muss nun aufgearbeitet und der Blick dann schnell nach vorne gerichtet werden. "Wir müssen uns bei den Zuschauern entschuldigen", betonte Alexander Nouri. "Wir haben viele elementare Dinge vermissen lassen. Jetzt gilt es, dieses Spiel kritisch miteinander zu analysieren und dann wieder die Tugenden zu zeigen, die uns noch in der Vorwoche ausgezeichnet haben, um in Düsseldorf Punkte zu holen." Dort wartet bereits am Freitag (28.02.20, 20:30 Uhr) die nächste Bundesliga-Partie. "Wir müssen jetzt schnellstmöglich den Schalter umlegen, gut trainieren, die Fehler ansprechen und zu unseren Stärken zurückfinden", sagte Maximilian Mittelstädt. Einigkeit und Einsicht sind bekanntermaßen der erste Schritt zur Besserung – die Blau-Weißen werden in der Trainingswoche hart arbeiten, um im Rheinland einen besseren Auftritt abzuliefern und so vielleicht auch wieder mehr positives Diskussionspotenzial zu liefern, als an diesem gebrauchten Nachmittag. 

(kk/City-Press)

Profis, 24.02.2020
Newsletter
Social
Werbung