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Nachwirkungen

Nach einer intensiven Englischen Woche müssen sich die Herthaner daheim gegen Mainz 05 geschlagen geben.

Berlin - Beim Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 war das bittere Pokal-Aus unter der Woche in Gelsenkirchen noch Thema. Vornehmlich neben dem Platz: Viele Anhänger auf der Tribüne solidarisierten sich mit Herthas Innenverteidiger Jordan Torunarigha, der sich auf Schalke rassistischen Beleidigungen ausgesetzt sah. Vieltausendfach wurde am Samstagnachmittag (08.02.20) Torunarighas Rückennummer 25 hochgehalten – und auch seine Teamkameraden setzen ein starkes Zeichen: Alle liefen mit einem schwarzen bzw. weißen Strich im Gesicht auf, um sich nochmals eindrücklich an die Seite des 22-Jährigen zu stellen. Arne Maier erklärte: "Man hat gesehen, was in Gelsenkirchen mit Jordan passiert ist. Es war eine schöne Aktion der Fans und wir als Mannschaft haben uns entschieden, den Strich ins Gesicht zu machen." Stürmer Krzysztof Piątek ergänzte: "Dass wir den Strich im Gesicht getragen haben, war ein Zeichen für Jordan, das uns allen wichtig war. Wir sind eine Mannschaft und müssen zusammenhalten, wie eine Familie."

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Rubrik 06.02.2020
Hertha BSC - FSV Mainz 05

Auf dem Rasen zeigte sich mit der Zeit noch eine weitere Nachwirkung aus dem Pokal-Duell. Trotz 120 Minuten in den Beinen – Mainz hatte unter der Woche unbeabsichtigt spielfrei – versuchten die Herthaner an die starken ersten 70 Minuten gegen die 'Knappen' anzuknüpfen, was anfänglich auch gelang. Die Blau-Weißen hatten das ganze Spiel über mehr Ballbesitz und setzten in der Anfangsphase auch die ersten Akzente, ohne sich dafür zu belohnen. Anders die Gäste aus Rheinhessen. Mit der ersten zwingenden Torchance ging Mainz durch Robin Quaison in Führung (17.). Daran hatte die Elf von Jürgen Klinsmann – besonders in der ersten Hälfte – zu knabbern. Die 'Alte Dame' probierte es dennoch immer weiter, fand gegen sehr diszipliniert verteidigende Mainzer aber zu selten die Lücke in der Abwehr. Gäste-Trainer Achim Beierlorzer verriet im Anschluss die Strategie der 'Nullfünfer': "Wir haben unser System verändert, wollten kompakt stehen, giftig anlaufen und den Spielaufbau stören, der uns im Pokalspiel von Hertha fasziniert hat. Die Jungs haben es sehr gut gemacht und wenig zugelassen."

Taktische Umstellungen für mehr Zugriff


Klinsmann und sein Trainerteam reagierten daher in der Pause selbst, stellten taktisch in der Defensive um und versuchten, durch die Hereinnahme von Dodi Lukébakio und Javairo Dilrosun mehr Druck über die Außenbahnen auszuüben. "In der zweiten Halbzeit haben wir auf eine Viererkette umgestellt und ein bisschen besser gespielt. Wir hatten mehr Ballbesitz und mehr Durchschlagskraft über die Außen. Dennoch haben leider der letzte Pass und die letzte Entschlossenheit gefehlt", befand Maximilian Mittelstädt enttäuscht. Der Hauptstadtclub bestimmte die Partie – nur vor dem Tor klappte es nicht. "Es war ein schwieriges Spiel, in der wir leider oft einen Schritt zu spät waren und zu langsam gespielt haben. Ich bin davon überzeugt, dass wir als Mannschaft besseren Fußball spielen können", suchte Piątek nach einer Erklärung.

Gesagt...

"Wir haben schnell gemerkt, dass die Köpfe schwer waren."

Cheftrainer Jürgen Klinsmann

Auf der anderen Seite brillierten die Gäste mit Effizienz und Kaltschnäuzigkeit. Wieder war es Quaison, der eine Unaufmerksamkeit in der Berliner Defensive zum 2:0 für die Mainzer ausnutzte (82.). Hoffnung keimte drei Minuten später dennoch nochmals auch, nachdem Dedryck Boyata nach einer Ecke verkürzte (85.). Doch den Berlinern war an diesem Nachmittag das Spielglück nicht hold. Erst musste Marius Wolf nach einer Ampelkarte vorzeitig zum Duschen (88.), dann zerstörte zum dritten Mal Quaison in der Nachspielzeit vom Elfmeterpunkt das allerletzte Fünkchen Hoffnung. "Wir haben schnell gemerkt, dass die Köpfe schwer waren. Die vergangenen Tage waren wohl für alle etwas zu viel. Das soll keine Ausrede sein, aber ich denke es ist menschlich, ich kann der Mannschaft daher keinen wirklichen Vorwurf machen", resümierte Trainer Klinsmann später auf der Pressekonferenz mit Blick auf den Abschluss der Englischen Woche.

"Mund abwischen und auf den nächsten Gegner konzentrieren"

Auch Arne Maier pflichtete seinem Trainer bei, richtete den Blick dann aber auch wieder nach vorne: "Man darf nicht vergessen, dass wir am Dienstag schon gespielt haben. Es ist keine Entschuldigung, wir haben auch nicht unser bestes Spiel gemacht. Jetzt heißt es Mund abwischen und auf den nächsten Gegner konzentrieren. Wir gucken nicht auf die Tabelle, schauen von Spiel zu Spiel und haken diese Partie schnell ab." Nach der intensiven sowie mental und physisch kräftezehrenden Woche verordnete das Trainerteam der Mannschaft zwei trainingsfreie Tage, um die Akkus wieder aufzuladen und dann ohne Nachwirkungen in die nächste Begegnung zu gehen. Am kommenden Samstag (15.02.20, 15:30 Uhr) wartet mit dem Gastspiel beim SC Paderborn ein weiteres wichtiges Duell auf die Blau-Weißen.

(war/City-Press)

Profis, 11.02.2020
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