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Offene Fragen

Nach dem geglückten Jahresauftakt versäumen die Herthaner beim Aufsteiger in Bielefeld nachzulegen. Die Leistung in Halbzeit zwei hinterlässt bei Trainer und Spielern Fragezeichen.

Bielefeld/Berlin – Als Schiedsrichter Guido Winkmann am Sonntagabend (10.01.21) nach 95 Minuten das Berliner Gastspiel auf der Alm beendete, gingen die Köpfe bei der 'Alten Dame' geschlossen nach unten. Omar Alderete starrte hockend mit leerem Blick auf den Rasen, Deyovaisio Zeefuik sank zu Boden und Mattéo Guendouzi suchte schnellen Schrittes das Weite. Das äußere Erscheinungsbild der ganz in rot gekleideten Spreeathener symbolisierte die Stimmungslage ohne Kompromisse: Nach der 0:1 (0:0)-Niederlage bei Arminia Bielefeld war die Enttäuschung beim Hauptstadtclub riesengroß. "Für uns war diese Niederlage überhaupt nicht zu erwarten. Für so eine Leistung gab es gar keine Anzeichen. Wir hatten eine sehr gute Trainingswoche. Allgemein liefen die vergangenen zwei, drei Wochen mit dem Schalke-Spiel sehr gut. Das ist ein Rückschlag für uns", suchte Trainer Bruno Labbadia nach Erklärungen für den zuvor gezeigten Auftritt seiner Schützlinge.

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Rubrik 08.01.2021
DSC Arminia Bielefeld - Hertha BSC

Erste Halbzeit ordentlich, Leistungsabfall in Hälfte zwei 

Im Gegensatz zur bis dato letzten Auswärtsniederlage in Freiburg, wo die Blau-Weißen nach einem ganz schwachen ersten Abschnitt erst in Halbzeit zwei ins Spiel fanden, kamen die Labbadia-Schützlinge in Ostwestfalen gut in die Partie. Jhon Córdoba besaß bereits in der Anfangsphase zwei aussichtsreiche Abschlussmöglichkeiten, traf in beiden Situationen den Ball jedoch nicht richtig (7., 10.). In der Folge fehlten zwar Durchschlagskraft und Struktur im letzten Drittel, lediglich Dodi Lukébakio (31.) und Maximilian Mittelstädt (40.) verzeichneten Torschüsse. Doch weil die Elf von der Spree defensiv nichts zuließ und Referee Winkmann nach Ansicht der Videobilder einen Zweikampf von Niklas Stark und Fabian Klos nicht als Strafstoß wertete (39.), ging es torlos in die Kabine. "In der ersten Halbzeit waren wir ganz ordentlich dabei. Aber wir hätten uns mehr Chancen erspielen müssen, dazu haben wir einige Aktionen nicht richtig zu Ende gespielt", resümierte Offensivkraft Lukébakio die ersten 45 Minuten.

Wollten die Herthaner in der zweiten Hälfte eigentlich genau an diesem Punkt anknüpfen, sich weitere Tormöglichkeiten erarbeiten und somit die eigenen Siegchancen erhöhen, fanden die Hauptstädter nach Wiederanpfiff gar nicht mehr in die Begegnung. "Dass es zur Pause 0:0 stand, war kein Beinbruch für uns. Wir wussten, dass wir Arminia weiter beackern müssen. Aber leider ist es in der zweiten Halbzeit noch weniger geworden", gestand auch Coach Labbadia ein. Der Fußballlehrer musste von der Seitenlinie mit ansehen, wie seine Akteure gegen immer aktiver und gefährlicher werdende Hausherren zunehmend unter Druck gerieten. Sergio Córdova traf den Außenpfosten (48.), Ritsu Dōan zwang Alexander Schwolow zu einer Parade (56.). "In der zweiten Halbzeit war Bielefeld besser, da kam viel zu wenig von uns", räumte auch Lukébakio ein. In ihrer besten Phase erzielten die Gastgeber in Person von Reinhold Yabo, der 3922 Tage auf sein erstes Bundesliga-Tor warten musste, den 1:0-Führungstreffer (64.).  Beinahe gelang den Schwarz-Weiß-Blauen gar der Doppelschlag: Dōan scheiterte nach ansehnlichem Solo am linken Innenpfosten (70.). "Wir haben immer wieder nachgesetzt und uns viele zweite Bälle erobert, das war entscheidend", beschrieb DSC-Übungsleiter Uwe Neuhaus das Erfolgsrezept.

Gesagt...

"Dass es zur Pause 0:0 stand, war kein Beinbruch für uns. Aber leider ist es in der zweiten Halbzeit noch weniger geworden"

Bruno Labbadia

DSC glaubt an den Sieg, Piątek trifft zum vermeintlichen 1:1

Angetrieben von ihrer lautstarken Ersatzbank glaubten die Bielefelder von Minute zu Minute immer mehr an den vierten Saisonsieg und den Sprung auf Platz 15. Die Herthaner hingegen versuchten sich in der Schlussphase gegen die Niederlage zu stemmen - beinahe mit Erfolg: Krzysztof Piątek, der den zur Halbzeit eingewechselten und nur 19 Minuten später verletzungsbedingt ausgeschiedenen Jessic Ngankam ersetzte, traf im Anschluss an einen Eckball zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich (84.). Dieses Erfolgserlebnis machte Winkmann im Zusammenspiel mit dem VAR aber zunichte und erkannte das Tor aufgrund eines Handspiels des Polen nicht an (86.). In der sechsminütigen Nachspielzeit sorgten Piątek und Guendouzi vor dem Kasten der Ostwestfalen nochmal für Gefahr (90.+2, 90.+6). An der siebten Saisonniederlage änderten diese Bemühungen allerdings nichts mehr, sodass die Spieler mit den eingangs erwähnten Emotionen den Bielefelder Rasen verließen.

Nach diesen aussagekräftigen Szenen folgten knallharte Analysen vor den Mikrofonen. "Arminia hat in den entscheidenden Situationen den Kampf mehr angenommen als wir. Wenn wir Gegenwehr bekommen, müssen wir besser mit ihr umgehen", sagte etwa Vize-Kapitän Stark. Eigengewächs Maximilian Mittelstädt pflichtete dem 25-Jährigen selbstkritisch bei: "Wir haben den Kampf nicht richtig angenommen, der Gegner wollte den Sieg mehr. Für so einen Auftritt gibt es bei unseren Ansprüchen keine Ausreden, das ist schwer zu erklären!" Allzu viel Zeit für die Ursachenforschung bleibt der 'Alten Dame' jedoch nicht. Bereits am Samstag (16.01.21, 15:30 Uhr) steht das nächste Auswärtsspiel bei einem Vertreter aus dem unteren Tabellendrittel an. Mit den zwei Ex-Herthanern Ondrej Duda und Marius Wolf wartet der 1. FC Köln auf die Blau-Weißen. "Die Kölner stehen nochmal ein ganzes Stück schlechter da als wir und brauchen die Punkte. Das wird genauso ein Spiel wie in Bielefeld", blickte Labbadia auf die kommende Aufgabe. Statt gefrustet und geknickt wollen der 54-Jährige und seine Schützlinge beim 'Effzeh' den Platz mit positiveren Gefühlen verlassen. 

(sj/City-Press)

Profis, 11.01.2021
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