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Stolz und Enttäuschung

Die Herthaner zwangen den FC Bayern in die Verlängerung, mussten sich am Ende aber geschlagen geben.

Berlin - Die Herthaner hatten alles gegeben. In einem Pokalfight vor beeindruckender Kulisse im ausverkauften Olympiastadion waren sie gerannt, hatten gegrätscht, hatten gekämpft. Als dann Kingsley Coman in der 8. Minute der Verlängerung eine artistische Bogenlampe von Robert Lewandowski zum bayrischen 3:2 über die Linie drückte, fehlten den Blau-Weißen die Körner, um das Ergebnis noch einmal zu egalisieren. "Es war ein guter Kampf von uns, aber nach dem 2:3 war es schwer, noch ein weiteres Mal zurückzukommen. Irgendwann werden dann eben auch die Beine schwer", musste Karim Rekik eingestehen. Die Gäste hatten ihr typisches Ballbesitzspiel aufgezogen und drückten die Herthaner über weite Strecken in die eigene Hälfte. Am Ende sprach die Statistik eine deutliche Sprache: 23:4 Torschüsse, 74 Prozent Ballbesitz, 53 Prozent gewonnener Zweikämpfe standen am Ende der 120 Minuten für den Rekord-Pokalsieger zu Buche.

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Rubrik 06.02.2019
Hertha BSC - Bayern München

"Wir haben gegen ein gutes Bayern München verloren. Wenn du gegen so eine Mannschaft nur 30 Prozent Ballbesitz hast, wird es schwer", resümierte Herthas Übungsleiter Pál Dárdai nach der Partie. In der entscheidenden Statistik - bei den Toren - hatten die Blau-Weißen jedoch lange Zeit für einen echten Pokal-Kampf gesorgt. Schon nach drei Minuten setzte Maximilian Mittelstädt von der Strafraumgrenze mit seinem Tor zum frühen 1:0 ein erstes Ausrufezeichen. Doch anders als im Bundesliga-Spiel der Hinrunde schlug der FC Bayern mit einem Flachschuss von Nationalspieler Serge Gnabry nur vier Minuten später zurück. "Hätten wir das 1:0 länger gehalten, wer weiß, was dann drin gewesen wäre", haderte Per Skjelbred, der den verletzten Arne Maier im defensiven Mittelfeld vertrat, verständlicherweise. Die Münchener verzeichneten viele Abschlüsse, doch die Hauptstädter wussten sich zu wehren - mit dem Remis ging es in die Pause.

Ein Joker sticht, einer fast


Zu den zweiten 45 Minuten hatten sich die Schützlinge von Trainer Pál Dárdai noch einmal einiges vorgenommen, doch erneut war es Gnabry, der am Ende eines cleveren Spielzugs die Führung der Gäste mit einem Flachschuss besorgte und den blau-weißen Ambitionen einen Dämpfer versetzte. Moral und Gegenwehr der Berliner waren jedoch ungebrochen. Dárdai bewies in der 64. Spielminute ein Goldenes Händchen: Drei Minuten nach seiner Einwechslung spekulierte Davie Selke bei einer Kopfball-Rückgabe von Mats Hummels genau richtig, spritzte dawischen und schob aus spitzem Winkel zum erneuten Ausgleich ein. Der Treffer beförderte die Blau-Weißen in die Verlängerung, dabei hätte um ein Haar ein weiterer Joker die Pokal-Sensation besiegelt: Lukas Klünter, der sein allererstes Spiel für die Herthaner im Olympiastadion bestritt, kurvte von der rechten Seite nach innen, scheiterte aber an Neuer-Vertreter Sven Ullreich.

In der Verlängerung machte dann Coman den eingangs beschriebenen Unterschied. Ex-Herthaner und Bayern-Trainer Niko Kovač sprach auf der Pressekonferenz kurz vor Mitternacht von einem verdienten Sieg. "Ich hätte mir gewünscht, dass wir keine 120 Minuten gebraucht hätten. Aber das war nunmal so." Ein bisschen schwang in der Aussage auch ein Kompliment für die Herthaner mit, das Pokal-Aus war dennoch besiegelt. "Der Trainer hat uns vor dem Spiel gesagt, dass wir alles in die Waagschale werfen sollen. Bayern hat einfach eine hohe individuelle Klasse, ist eine der besten Mannschaften der Welt. Wir haben uns über 120 Minuten wirklich gut geschlagen und darauf können wir stolz sein", zog Torschütze Mittelstädt noch ein positives Fazit und Niklas Stark ergänzte: "Wir haben ein gutes Spiel abgeliefert, unsere Mentalität und Laufbereitschaft füreinander war so, wie das in einer solchen Partie sein muss. Es stand eine richtige Mannschaft auf dem Platz – schade, dass es nicht gereicht hat." Am Wochenende steht bereits die nächste Gelegenheit an, sich wieder zu belohnen. Am Samstag (09.02.19, 15:30 Uhr) treten die Hauptstädter bei Borussia Mönchengladbach an.

(war/City-Press)

Profis, 07.02.2019
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