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Eiskalt!

Beim 4:1 (2:0)-Auftaktsieg in Bremen überzeugten die Herthaner durch eine kompromisslose Effektivität vor dem gegnerischen Tor und eine konzentrierte Defensivleistung.

Bremen - Dass der Fußball ein schnelllebiger Sport ist, dürfte allen Liebhaberinnen und Liebhabern der runden Kugel schon seit längerem bekannt sein. Ein Beweis für die sich in kürzester Zeit veränderten Gegebenheiten und Auswirkungen stellte der Hauptstadtclub gleich zu Beginn der neuen Saison dar. Beherrschten individuelle Fehler in der Defensive und eine mangelnde Chancenverwertung in der Offensive noch das Pokalspiel in Braunschweig, war von diesen beiden Schwächen am Samstag (19.09.20) in Bremen gar nichts mehr zu sehen – und das nur acht Tage nach dem bitteren Ausscheiden beim Zweitligisten. So schnell kann es im Fußball gehen! "Ein Spiel wie in Braunschweig schleppt man ein wenig mit sich. Umso schöner, dass wir so gestartet sind und uns deutlich besser präsentieren konnten, auch und gerade in der Defensive", bestätigte Kapitän Niklas Stark die deutlich verbesserte Performance der Blau-Weißen.

Stellten sich die Schützlinge von Trainer Bruno Labbadia in Niedersachsen durch mehrere Ungeschicklichkeiten im Abwehrverbund noch selbst ein Bein, beeindruckten Dedryck Boyata, Jordan Torunarigha und Co. beim Bundesliga-Auftakt im hohen Norden durch eine höchstkonzentrierte Abwehrarbeit. Durch diese erstickten die Spreeathener die Offensivbemühungen der Grün-Weißen bereits früh im Keim und verhinderten Bremer Großchancen. Lediglich Hertha-Leihgabe Davie Selke gelang es, den blau-weißen Abwehrriegel zu knacken (69.). Dass dieser Treffer keine Auswirkungen auf das Resultat und den Auswärtsdreier hatte, lag an der zweiten Stärke an diesem Tag: der Chancenverwertung! Benötigte die 'Alte Dame' im Erstrundenspiel des DFB-Pokals noch 25 Abschlüsse für die vier Treffer, waren es dieses Mal lediglich 13 Chancen, die die Labbadia-Elf für erneut vier Buden nutzte. "Unsere Stürmer haben gute Qualitäten, mit ihnen können wir viel erreichen, aber es ist eine Mannschaftsleistung. Deren Qualitäten wären nichts, wenn wir sie nicht in Szene setzen würden. Wir haben zwar ein Gegentor kassiert, aber vier geschossen. Das zeigt, welche Qualität wir vorne haben", lobte Abwehrboss Boyata seine Teamkollegen im vorderen Drittel.

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Rubrik 19.09.2020
SV Werder Bremen - Hertha BSC

Piątek an die Latte – Pekarík und Lukébakio per Doppelschlag

In einer ausgeglichenen Anfangsphase besaßen die Berliner in Person von Krzysztof Piątek mit einem Kopfball-Lattentreffer die beste Möglichkeit (18.). Auf der Gegenseite meldeten sich die Hausherren durch Joshua Sargent in der Offensive zu Wort, dessen Versuch vom gut aufgelegten Alexander Schwolow entschärft wurde (31.). In dieser Phase deutete ziemlich viel auf eine torlose erste Halbzeit hin - doch dann schlugen die Hauptstädter eiskalt zu! Erst drückte Peter Pekarík mit seinem zweiten Tor im zweiten Pflichtspiel in 2020/21 eine mustergültige Hereingabe von Maximilian Mittelstädt zum 1:0 in die Maschen (42.), ehe Dodi Lukébakio nach einem schönen Zuspiel von Vladimir Darida das Spielgerät unter die Latte drosch (45.). Plötzlich führten die Herthaner mit 2:0 und ebneten durch diese brutale Effektivität den Weg zum Auswärtssieg. "Nach 20 Minuten war das Spiel sehr ausgeglichen, dann haben wir aber im richtigen Moment die zwei Tore geschossen - vor allem nach dem zurückgenommenen Elfmeter war das zweite Tor für den Kopf sehr wichtig", hob auch Coach Labbadia die Bedeutung dieses Doppelschlags binnen 180 Sekunden hervor. 

Im zweiten Abschnitt präsentierten sich die Hausherren offensiver, die Herthaner agierten in Defensive aber weiterhin souverän und hielten dem zunehmenden Druck stand - und bewiesen einmal mehr ihre Abschlussstärke vor dem gegnerischen Gehäuse. Darida schickte mit seiner zweiten Torvorlage den startenden Cunha auf die Reise, der auf 3:0 erhöhte (61.). Fast schon beängstigend war diese eiskalte Chancenverwertung. Zwar verkürzte Selke wie bereits erwähnt (69.), doch auch davon ließ sich der Hauptstadtclub nicht verunsichern. Nach mehreren Wechseln feierten gleich zwei Neuzugänge ihr Bundesliga-Debüt für die 'Alte Dame': Der erst am Dienstag (15.09.20) verpflichtete Jhon Córdoba und Deyovaisio Zeefuik betraten genauso wie Arne Maier und Mathew Leckie den Rasen. Und die Joker stachen: Leckie bediente Córdoba, der den umjubelten 4:1-Endstand markierte (90.), kurz zuvor verfehlte Herthas neue Nummer 15 noch (88.). "Die Mannschaft hat insgesamt ein gutes Spiel gemacht. Auf dem Weg können wir gerne weitergehen, da hätte ich nichts dagegen", bilanzierte Torwart Schwolow mit einem Schmunzeln im Gesicht den 'Dreier' an der Weser.  

"So war es ein gelungener Auftakt"

Mit diesem Erfolg blieben die Blau-Weißen zum achten Mal in Folge nach dem Wiederaufstieg in einem Bundesliga-Eröffnungsspiel ungeschlagen - und feierten dabei sogar den sechsten Sieg. Mit diesem 4:1 (2:0) triumphierten die Berliner außerdem das erste Mal seit 2006 wieder in Bremen und beendeten die lange Durststrecke gegen die Norddeutschen von 13 Partien in Folge ohne dreifachen Punktgewinn. "In Bremen ist es nie einfach, aber wir haben eine gute Mannschaftsleistung gezeigt. So war es ein gelungener Auftakt", resümierte Stark abschließend einen Fußball-Samstag nach dem Geschmack aller Herthanerinnen und Herthaner, der Lust auf mehr macht. Am kommenden Freitag (25.09.20, 20:30 Uhr) begrüßen die Spreeathener unter Flutlicht Eintracht Frankfurt zum ersten Heimspiel der neuen Saison im Olympiastadion. Greifen dort auch wieder die gute Defensivarbeit und die eiskalte Chancenverwertung, stehen die Chancen gut auf ein erneutes Erfolgserlebnis. Dass es jedoch auch anders kommen könnte, wäre im schnelllebigen Fußball keine allzu große Überraschung.

(sj/City-Press)

Profis, 20.09.2020
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