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Appell zur 'alten Schule'

Das 0:2 in Sinsheim am Sonntag (14.04.19) war die fünfte Pleite in Serie für den Hauptstadtclub. Cheftrainer Dárdai nahm dennoch positive Erkenntnisse mit. Routinier Skjelbred und Stürmer Selke appellierten an ihre Teamkollegen.

Sinsheim/Berlin – Der ein oder andere Herthaner war schon auf dem Weg in die Katakomben der Rhein-Neckar-Arena, als Teile der gut 1.000 mitgereisten Fans die Mannschaft nochmal zu sich riefen. Geschlossen stellten sich die Profis den Worten der mitgereisten Anhänger, die zwar unmissverständlich ihren Unmut über die fünfte Niederlage in Serie äußerten, das Team dann aber mit lauten, versöhnlichen "Ha, Ho, He!"-Rufen in die Kabine verabschiedeten. "Es ist klar, dass es für unsere Fans, die immer extra aus Berlin anreisen, eine schwierige Phase ist – für uns ist es das aber auch! Es ist nicht so, dass wir nach Hause fahren und glücklich sind", zeigte sich Davie Selke verständnisvoll. "Die Fans unterstützen uns bei jedem Spiel. Wenn sie uns in so einer Phase - nach einer Niederlage - etwas mit auf den Weg geben wollen, ist das völlig legitim. Dann müssen wir uns das als Mannschaft anhören", so der Stürmer weiter.

Geburtstagskind Stark muss passen – Klünter und Mittelstädt überzeugen

Für einen Herthaner hatte der Sonntag (14.04.19) dabei schon weit vor dem Anpfiff mit einer schlechten Nachricht begonnen: So musste sich Geburtstagskind Niklas Stark, der 24 Jahre alt wurde, vormittags krankmelden. Pál Dárdai war demzufolge gezwungen, seine Elf erneut umzubauen. Die Maßnahmen des Trainerteams griffen: Lukas Klünter rotierte, zum ersten Mal überhaupt in einem Pflichtspiel, in die Innenverteidigung und lieferte eine gute Leistung. Maximilian Mittelstädt spielte – wie von Dárdai in Aussicht gestellt – im zentralen Mittelfeld. "Für uns ist positiv, dass Lukas und Maxi gezeigt haben, dass sie auf diesem Niveau auf ungewohnten Positionen bestehen können", unterstrich der Cheftrainer hinterher die positiven Erkenntnisse, die er der Partie im Kraichgau abgewinnen konnte.

Gesagt...

"Wir lassen uns nicht hängen, sondern geben weiter Gas. Nur gemeinsam schaffen wir die Wende!"

Davie Selke

Die Hoffenheimer Angriffsmaschinerie konnten jedoch auch die beiden genannten Defensivspezialisten nicht stoppen. So ging die TSG in der 29. Spielminute durch einen Distanzschuss von Nadiem Amiri verdientermaßen in Führung, nachdem der Ball sieben Zeigerumdrehungen zuvor schon einmal im Kasten von Rune Jarstein gelegen hatte. Schiedsrichter Martin Petersen pfiff den regulären Treffer von Ishak Belfodil jedoch aufgrund einer vermeintlichen Abseitsposition zurück. Doch die 'Alte Dame' wehrte sich und näherte sich ihrerseits dem gegnerischen Tor an. Im ersten Durchgang verfehlte Mittelstädt das Gehäuse nur knapp und schoss ans Außennetz. Kurz darauf vereitelte Oliver Baumann den Ausgleich, indem er einen direkten Freistoß von Marvin Plattenhardt soeben noch aus der Torwartecke kratzte. Auch nach dem Seitenwechsel - in ihrer besten Phase des Spiels - schaffte es die Dárdai-Elf nicht, sich zu belohnen. "Wir haben uns gut reingebissen. Am Ende ist das aber ein verdienter Sieg für Hoffenheim. Wenn wir in unserer Druckphase in der zweiten Halbzeit den Ausgleich erzielt hätten, wäre das Spiel wahrscheinlich anders ausgegangen", analysierte Selke. Zu einem ähnlichen Schluss kam auch Klünter: "Ich hatte das Gefühl, dass hier etwas möglich gewesen wäre. Das zweite Gegentor hat uns aber das Genick gebrochen", meinte der Verteidiger. So war es gewissermaßen ausgleichende Gerechtigkeit, dass Reiss Nelsons Kopfballtor zum 2:0 aus Hoffenheimer Sicht zählte, obwohl es zunächst – wiederum aufgrund einer vermeintlichen Abseitsstellung – nicht gelten sollte.

Trendwende? "Geht nur über harte Arbeit!"

Die Blau-Weißen mussten also die fünfte Niederlage in Serie verkraften. Selke gab sich dennoch kämpferisch. "Wir lassen uns nicht hängen, sondern geben weiter Gas", sagte die Nummer 27, um später an alle Herthaner zu appellieren: "Nur gemeinsam schaffen wir die Wende!" Ein Rezept, wie das gelingen kann, verriet Routinier Per Skjelbred: "Das geht nur über harte Arbeit - die 'alte Schule'. Wir müssen die Extrameter machen, mehr reden und mehr zusammenhalten. Wenn man im Leben eine schlechte Phase hat, muss man zusammen kämpfen - so auch im Fußball. Fußball ist für uns alles. Wenn eine schlechte Phase kommt, bringt das keinen Spaß." Vielleicht gelingt jene Trendwende ja bereits am kommenden Ostersonntag (21.04.19, 18 Uhr), wenn die akut abstiegsbedrohten Hannoveraner im Berliner Olympiastadion zu Gast sind. Dann würde auch der Spaß zurückkehren - auf dem Rasen und auf den Rängen.

(af/imago)

Profis, 16.04.2019
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