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"Jeder Tag wird wehtun"

Vor der Abreise ins erste Trainingslager nach Neuruppin spricht Per Skjelbred über die bisherige Vorbereitung, die Neuzugänge und die Weltmeisterschaft in Russland.

Berlin – Seinen Urlaub hat Per Skjelbred mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in der Karibik verbracht. Ein paar Wochen einfach Sonne tanken, abschalten und wenig Gedanken an den Fußball verschwenden. Doch seit Ende Juni ist Skjelbred wieder zurück in Berlin – und präsentiert sich seit Trainingsauftakt so, wie ihn die Hertha-Fans seit Jahren kennen: fleißig, motiviert und gut gelaunt. Der Norweger ist das, was viele als absoluten Musterprofi beschreiben. Nach zwei Wochen Vorbereitung hat herthabsc.de mit dem 31-Jährigen über die Qualen der Konditionsarbeit, die Neuzugänge und die Weltmeisterschaft in Russland gesprochen.

herthabsc.de: Per, zwei Wochen Vorbereitung liegen hinter euch. Wie schwer sind deine Beine?
Skjelbred: Den Beinen geht es eigentlich noch ganz gut (lacht). Sie sind zwar ein bisschen schwer, aber das Problem haben alle Spieler. Und das ist auch normal, denn wir sind schon viel unterwegs auf dem Platz. Es ist nicht meine erste Vorbereitung, deswegen weiß ich, was mich erwartet. Wichtig ist, dass die Mischung passt: Immer alles geben, aber dabei nicht überpacen, um keine Verletzung zu riskieren.

herthabsc.de: In einer Woche sieht das wahrscheinlich anders aus, wenn das Konditions- und Ausdauertrainingslager in Neuruppin hinter euch liegt. Freust du dich schon auf die Schufterei und die Übungen von Athletik-Trainer Henrik Kuchno?
Skjelbred: Jeder Tag in Neuruppin wird wehtun (schmunzelt). Wir Spieler müssen viel positive Energie für die Einheiten im Trainingslager mitbringen und dann einfach immer bis an die Schmerzgrenze gehen. Mehr können wir in diesen Tagen ohnehin nicht tun. Aber natürlich wissen wir, dass wir jetzt die Grundlagen für die ganze Saison legen. Auch wenn es keinen Spaß macht, diese Phase ist sehr wichtig. Die Neuzugänge und die Jungs, die Bad Saarow noch nicht erlebt haben, haben schon ein wenig Respekt vor Henriks Training. Für uns Ältere ist es lustig, sie damit ein wenig zu foppen. Aber am Ende leiden wir gemeinsam.

Gesagt...

"Es gibt eine Zeit ohne Henrik Kuchno und eine Zeit mit ihm. Mit Henrik ist alles professioneller geworden."

Per Skjelbred über die Arbeit mit Athletik-Trainer Henrik Kuchno

herthabsc.de: Mit Pascal Köpke, Javairo Dilrosun und Lukas Klünter gilt es, drei 'Zugezogene' ins Team zu integrieren. Dazu kommen einige Talente aus dem Nachwuchs. Welchen Eindruck hast du von den Neuen?
Skjelbred: Wir haben super Jungs dazubekommen! Bei den ganzen Lauf-, Kraft- und Sprintübungen ziehen sie gut mit, das spricht für sie. Und kicken können sie auch (grinst). Aber ganz wichtig ist außerdem, dass sie als Typen überragend sind – und das sind sie.

herthabsc.de: Seitdem du fest bei Hertha BSC spielst, gehst du in deine fünfte Sommer-Vorbereitung. Welche Unterschiede hast du in den vergangenen Jahren festgestellt?
Skjelbred: Es gibt eine Zeit ohne Henrik Kuchno und eine Zeit mit Henrik Kuchno – das sind zwei unterschiedliche Dinge. Mit Henrik ist alles professioneller geworden. Wir laufen mehr, wir laufen aber auch 'besser' und werten diese Läufe dann genau aus. Wir haben Vertrauen in die Sachen, die er trainieren lässt. Und in den vergangenen Jahren haben wir gesehen, dass das Training konditionell Früchte trägt. 

herthabsc.de: Eine Frage fernab von Hertha BSC: Bei der Weltmeisterschaft sind Mannschaften wie Spanien oder Deutschland mit ihrem Ballbesitzfußball weit unter den Erwartungen geblieben. Sind die Zeiten von Tiki-Taka vorbei?
Skjelbred: Spanien stand jahrelang für diesen Spielstil und war die Nummer 1 der Welt. Eigentlich haben die Spanier bei der WM auch gut angefangen, aber Russland hat ihr Spiel gut neutralisiert und ist dann mit dem nötigen Glück weitergekommen. Frankreich dagegen spielt mit sehr schnellen Außenbahnspielern und ist dadurch offensiv immer gefährlich – allerdings baut diese Spielweise auch auf eine sichere Defensive auf. Zu Deutschland und Marvin Plattenhardt möchte ich gar nicht viel sagen. Ich hoffe, dass er nach elf anstrengenden Monaten mit Fußball seinen Urlaub voll genießt und gut erholt zurückkommt.

(fw/City-Press)

Profis, 05.11.2018
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