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Die Torgefahr

Davie Selke weist als Herthaner eine beeindruckende Quote auf. Rechtzeitig zum Duell mit RasenBallsport Leipzig ist der Angreifer wieder fit, viel über seinen Ex-Club reden möchte er jedoch nicht.

Berlin – Davie Selke winkt ab und schüttelt mit dem Kopf. "Nein, nein, zu diesem Thema habe ich doch alles schon erzählt", sagt der Angreifer frech grinsend. Dass in diesen Tagen vermehrt Fragen zu seiner sportlichen Vergangenheit kommen würden, damit hatte der Herthaner gerechnet. Schließlich gastiert der 24-Jährige am Samstag mit Hertha BSC bei seinem Ex-Verein RasenBallsport Leipzig, wo er zwischen 2015 und 2017 spielte, ehe er sich dem Hauptstadtclub anschloss. Bekannt ist, dass im Fußball nun einmal gerne Geschichten über Duelle mit dem alten Arbeitgeber erzählt werden. Das ist bei Selke und den Leipzigern nicht anders - und für reichlich Gesprächsstoff hat der Blau-Weiße selbst gesorgt.

Ein Rückblick: Gleich bei seiner ersten Rückkehr an alte Wirkungsstätte im Dezember 2017 avancierte Selke, der bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen wurde, zum Matchwinner. Beim 3:2-Sieg der Berliner traf der damalige Sommer-Neuzugang doppelt. "Das war ein intensives und packendes Spiel. Frühes Tor, früher Platzverweis, 3:0-Führung, Chancen auf mehr Treffer und am Ende wurde es nochmal eng", erinnert sich der ehemalige U21-Nationalspieler an das Aufeinandertreffen eine Woche vor Weihnachten. Doch damit endet sein persönlicher Rückklick in die Vergangenheit. "Das Spiel liegt lange zurück und hat für die Partie am Samstag keine Bedeutung mehr. Es gibt keine alten Rechnungen oder ähnliches, die es zu begleichen gibt. Hertha spielt bei Leipzig und es geht um drei Punkte für uns", stellt Berlins Nummer 27 fest.

In jedem zweiten Spiel am Tor beteiligt

Vergangen sind seit der beschriebenen Begegnung exakt 467 Tage. In dieser Zeit hat sich Selke – trotz schwieriger Phasen inklusive komplizierten Verletzungen – seinen Platz im Team von Trainer Pál Dárdai erkämpft. Sogar mehr als das: Im Spiel der Herthaner ist der ehemalige Junioren-Nationalspieler ein wichtiges Puzzlestück. Um seinen Stellenwert für die Mannschaft zu unterstreichen, hilft ein Blick auf die Statistik. Zwar schoss er 'nur' drei Bundesliga-Tore in der laufenden Saison, doch mit neun Vorlagen – seinem persönlichen Bestwert – sicherte er so manchen Punkt für seine Farben. "Wenn die Mannschaft am Ende gewinnt und ich meinen Teil dazu beigetragen habe, ist alles in Ordnung. Aber natürlich möchte ich so viele Tore wie möglich schießen. Deshalb bin ich mit meiner Ausbeute nur bedingt zufrieden", gewährt Selke einen Einblick in seine Gefühlswelt.

Gesagt...

"Die Tore haben gefehlt, aber ich habe mir Chancen erspielt, Treffer vorbereitet und wusste, dass der Knoten wieder platzen würde."

Davie Selke

Gezweifelt hat der selbstbewusste Torjäger auch nach den Begegnungen, in denen es nicht so rund lief, nicht. "Anfang des Jahres haben die Tore gefehlt, aber ich habe mir Chancen erspielt, Treffer vorbereitet und wusste, dass irgendwann der Knoten wieder platzen wird", verrät die Offensivkraft. Für Selbstzweifel gibt es auch keinen Grund: Mit insgesamt 13 Toren und 13 Assists in 50 Bundesliga-Partien für die 'Alte Dame' ist er im Schnitt etwa in jedem zweiten Spiel an einem Treffer seiner Mannschaft beteiligt. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, welche Konkurrenz Selke mit Vedad Ibišević im Angriff hat. "Vedad und ich wollen natürlich beide spielen und kämpfen extrem motiviert um unseren Platz. In der Hinrunde hat Vedo konstant getroffen, da war es für mich nach der Verletzung nicht so einfach, ins Team zu rücken. Aber am Ende sind wir Mannschaftssportler, unterstützen uns gegenseitig und freuen uns, wenn wir drei Punkte holen", so der 24-Jährige.

Rechtzeitig wieder einsatzbereit

Am Samstag fehlt Kapitän Ibišević ohnehin wegen seiner Rotsperre, Dárdai wird auf Selke bauen –  die Trainingswoche hat er überstanden. "Ich fühle mich gut und habe die Belastungen gut weggesteckt", sagt der gebürtige Schwabe, der wegen einer Muskelverletzung das Gastspiel in Freiburg verpasst hatte, gegen Dortmund aber bereits wieder in der Startelf stand und in der vergangenen Trainingswoche vorsichtshalber geschont wurde.

Sollte Selke am 27. Spieltag zum Einsatz kommen, wäre es sein 51. Ligaspiel für die Hauptstädter, für den Ex-Verein und kommenden Gegner wäre es dann – inklusive 2. Liga – eine Partie weniger. Pflichtspiele hat er unlängst ohnehin mehr für seinen aktuellen Arbeitgeber bestritten. Doch auch bei dieser Statistik winkt der Torjäger ab. "Darauf achte ich nicht. Wir wollen Samstag gewinnen und im besten Fall trage ich meinen Teil mit Toren und Vorlagen dazu bei", so Selke. Stoff für weitere Geschichten würde er damit auf jeden Fall liefern.

(fw/City-Press)

Profis, 29.03.2019
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