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"Wir wollen wachsen - und das nachhaltig!"

Zum Abschluss der Trainingslagers in Orlando spricht Michael Preetz über Jürgen Klinsmann und seine Vorstellungen, den Kader und mögliche Transfers sowie die Ambitionen der Blau-Weißen. 

Orlando - Es gehört inzwischen zum festen Bestandteil eines jedes Trainingslagers: die Auswertung. Nach intensiver, mehrtägiger Arbeit ziehen alle Beteiligten ein Fazit. Das ist bei Hertha BSC nicht anders. Am Donnerstag (09.01.20), dem Tag, an dem die Mannschaft abgeflogen ist, nahm sich auch Michael Preetz Zeit für die mitgereisten Journalisten. Doch statt vieler Auskünfte über die vergangenen Tage in Orlando musste der Geschäftsführer Fragen zum Thema Kaderplanung, Ambitionen und Stadionbau beantworten. Die wichtigsten Aussagen hat herthabsc.de zusammengefasst.

Michael Preetz über…

… Trainer Jürgen Klinsmann: Es gab Gründe, warum ich mich in den vergangenen Jahren immer wieder mit der Personalie Jürgen Klinsmann auseinandergesetzt habe. Ich bin der Ansicht, dass Berlin und Hertha BSC eine Persönlichkeit wie ihn brauchen, um sich weiterzuentwickeln. Das kann hochgradig Sinn machen, und jetzt ist diese Konstellation eingetreten und wir können gemeinsam am nächsten Schritt arbeiten. Wir haben bewusst jemanden gesucht, mit dem wir diesen Schritt nach vorne machen können.

… die Kadergröße und Planungen: Bestimmte Inhalte lassen sich im Training nur mit einer gewissen Gruppengröße fokussiert erarbeiten. Daher sehen wir an der ein oder anderen Stelle noch Bedarf zu reduzieren. Wenn ein neuer Trainer mit seinem Team kommt und neue Ideen mitbringt, ist das normal und es kann passieren, dass es zu Anpassungen kommt. Dieser Prozess läuft, Veränderungen bis Ende Januar sind nicht ausgeschlossen. Aber Verträge werden bei Hertha BSC eingehalten und jeder Spieler soll die Chance haben, sich zu zeigen – deshalb haben sind wir in der jetzigen Konstellation nach Florida gekommen. Die Jungs haben alle konzentriert gearbeitet und sind gut auf die Rückrunde vorbereitet – dennoch kann es sein, dass wir noch den ein oder anderen abgeben.

… gesteigerte Erwartungen durch den Einstieg von Partner Tennor:
Wir wollen wachsen, uns sportlich verbessern - und das nachhaltig. Wenn der finanzielle Rahmen größer wird, werden auch die Ziele größer, aber es geht nicht direkt darum, die Topclubs anzugreifen, sondern unsere neuen finanziellen Mittel so einzusetzen, dass wir uns in unserem Segment einen Vorteil erarbeiten. Wir müssen unsere Einnahmestruktur nach und nach verbessern, um uns langfristig auch mit größeren Clubs messen zu können. Wenn es um Zielvorgaben geht, möchte ich auch noch einmal deutlich machen: Wenn Lars Windhorst spricht, spricht er für TENNOR und sein Investment, wir sprechen nach wie vor für Hertha BSC. Was die Zielvorgaben angeht, die machen wir. Wir haben eine Zweier-Geschäftsführung, die verantwortlich ist. Dennoch stehen wir natürlich permanent im Austausch und arbeiten in eine Richtung. Da gibt es überhaupt keinen Dissens. Lars Windhorst will Dinge anschieben und ist dem Fußballvirus in kürzester Zeit genauso verfallen wie wir alle. Wir wollen alle gerne internationalen Fußball in Berlin erleben und haben das als klares Ziel, aber grundsätzlich ist es wichtig, große Ziele zu haben und dabei gleichzeitig realistisch zu bleiben. Aber wir machen die Vorgaben. Die Bundesliga ist recht unnachgiebig, und müssen wir uns jede Woche aufs Neue beweisen. 

Ondrej Duda: Er war gegen Frankfurt nicht im Kader, weil wir vor einer Lösung stehen. Ondrej fliegt mit uns zurück und wird dann weiterreisen, um Formalitäten mit einem anderen Verein zu klären. Wenn das alles klappt, ist es möglich, dass wir ihn bis zum Sommer verleihen – ohne Kaufoption. Es ist bei ihm ähnlich wie bei Eduard Löwen: Ihm drohte wenig Spielzeit bei uns, er muss aber spielen, und er will und soll auch spielen. Durch die Leihe haben wir jedoch die Hand drauf.

Gesagt...

"Wir wollen wachsen, uns sportlich verbessern - und das nachhaltig. Wenn der finanzielle Rahmen größer wird, werden auch die Ziele größer"

Michael Preetz

… Neuzugang Santiago Ascacibar: Wir haben eine Position identifiziert, auf der wir uns verstärken wollten, und dann über Spieler geredet, die uns dabei helfen könnten. Santiago ist so ein Spieler – er passt genau auf das Profil, das wir gesucht haben: Eine Alternative zu Per Skjelbred. Viele unserer zentralen Mittelfeldspieler sind eher Achter, deren Stärken im Spiel nach vorne liegen – gerade der Verlauf der Hinrunde hat gezeigt, dass wir noch eine reine Sechs brauchen. Santiago ist ein großer Kämpfer und hat eine großartige Mentalität. Hinzu kommt, dass er nach zweieinhalb Jahren in Deutschland sofort loslegen kann und kaum Eingewöhnungszeit benötigen wird. Er ist bereit, macht einen guten Eindruck und ist aus meiner Sicht ein Spieler, der von Anfang an helfen kann. Auch ohne weiteren Neuzugang könnten wir mit dem zentralen Mittelfeld, das wir jetzt haben, durchaus in die Rückrunde gehen, da alle Positionen gut und doppelt besetzt sind.

… weitere mögliche Transfers: Wir haben jetzt andere Möglichkeiten und in diesem Winter erstmals die Chance, diese auszuspielen. Wir schwimmen aber nicht im Geld, auch wenn dieser Eindruck teilweise vermittelt wird (schmunzelt). Ich kann jedem versichern, dass wir die Aspekte der Wirtschaftlichkeit bei einem Transfer aber weiterhin genau in Betracht ziehen werden. Wir sehen uns natürlich immer um, behalten den Markt im Auge und schauen, ob wir noch etwas umsetzen können. Ein möglicher Transfer muss jedoch zu unseren Anforderungen, unseren Ambitionen und unserem Geldbeutel passen. Wir haben aber nach wie vor unsere Jugend- und Akademiespieler im Blick, jeder hat die Chance, sich zu zeigen, denn wir wollen auch in Zukunft eigene Spieler in den Profibereich bringen. Aber klar ist: der Weg wird durch die neuen Möglichkeiten zukünftig wohl ein Stück länger.

… die Verletzung von Arne Maier im Test gegen Frankfurt: Ich hatte einen guten Blick auf die Szene, es sah von meiner Position so aus, als sei er in dem Moment nicht richtig unter Spannung gewesen. Die Situation hat mich an die ein oder andere Verletzung erinnert, die ich mir am Innenband zugezogen habe. Der Schock war bei Arne erst groß, aber in der Kabine war es zum Glück schon besser, und wir sind alle hoffnungsvoll, dass die Geschichte positiver ausgeht als es zunächst wirkte. Eine endgültige Diagnostik gibt es aber erst, wenn wir wieder in Berlin sind.

… die Situation von Niklas Stark: Für Niklas ist in den vergangenen Wochen die Situation entstanden, dass er nicht in der Startelf stand und seine Konkurrenten mit der Mannschaft Punkte geholt und die Null gehalten haben. Da ist aktuell etwas Geduld von seiner Seite gefordert. Wir wissen aber alle, was wir an ihm haben und dass Startformationen sich im Saisonverlauf immer wieder ändern. Zuletzt hat sich eine Elf herauskristallisiert, die sicher auch vor dem Rückrundenstart in der Pole Position ist – aber die anderen Jungs dahinter sind eng dran. Das gilt für Niklas, wie übrigens auch für Jordan Torunarigha. Wir brauchen ihre Qualität und diese Tiefe im Kader!

… die Zusammenarbeit mit Arne Friedrich: Wir haben gebündelte Kompetenzen, die jeder einzelne einbringt. Arne tut dies bereits jetzt in vielfältigen Bereichen, die er ja bereits erläutert hat – dennoch befinden wir uns noch im Anfangsstadium, finden uns aber in der täglichen Zusammenarbeit alle immer mehr. Leistung und Verbesserungen messbar zu machen, diese mit Spielern zu thematisieren und Ziele vorzugeben – das ist ein Kernaspekt von Arnes Arbeit und im Leistungssport hochgradig sinnvoll. Hinzu kommt, dass er auch als Spieler unglaublich viel Erfahrung gesammelt hat, die er auch in die Arbeit mit der Mannschaft einfließen lässt.

… die Ziele für die Rückserie:
Wir haben einen knackigen Auftakt vor der Brust und liegen hinter unseren eigenen Erwartungen. Wir haben in der Rückrunde das Ziel, besser abzuschneiden als in der Hinserie. 19 Punkte sind nicht zufriedenstellend. Es geht darum, die Saison zu einem Ende zu bringen, auf das wir im Sommer aufbauen können.

… die Stadiondiskussion: Wir haben die Erwartungen an 2020, dass sich in dieser Diskussion in diesem Jahr etwas verändern muss. Wir haben den Eindruck, dass einige Dinge in Bewegung gekommen sind und hoffen, dass in dieser für uns als Verein zentralen Frage in diesem Jahr einen Durchbruch zu erzielen. Wir stehen vor einem spannenden Jahr - nicht nur beim Thema Stadion!

(HerthaBSC/City-Press)

Profis, 10.01.2020
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