Bild: citypress

"Eine neue Form der Solidarität"

Theresa Hentschel-Boese (CSR) und Paul Keuter sprechen vor dem 'Herthaner helfen'-Spieltag über das Engagement des Clubs.

Berlin – Spargel stechen, Versorgungspakete packen und in Krankenhäuser bringen, Obst und Gemüse sortieren bei der Berliner Tafel – die Herthanerinnen und Herthaner übten sich in den vergangenen Monaten in neuen Arbeitsbereichen. Während der Fußball in den Stadien Deutschlands ruhte, sprangen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hertha BSC da ein, wo sie gebraucht wurden. Mit 'Herthaner helfen' gab und gibt es diverse Aktionen, mit denen der Verein sein Engagement an die aktuellen Schwierigkeiten angepasst hat. Von Spenden an den Corona-Nothilfefonds vom Deutschen Roten Kreuz durch den Verkauf von #NurNachDraußenGehnWirNicht-Shirts über Stoffspenden an die Mosaikwerkstätten, die Mund-Nasen-Schutze genäht haben, bis zu Spenden-Livestreams mit e-Sportler Elias Nerlich und Danke-Trikots für Pflegefachkräfte – die Aktionen, bei denen sich der Hauptstadtclub in diesen Tagen engagiert, sind vielfältig. Diese sollen zum Heimspiel gegen den FC Augsburg am Samstag (30.05.20, 15:30 Uhr) beleuchtet werden, zum 'Herthaner helfen'-Spieltag. Vor diesem sprach herthabsc.de mit Theresa Hentschel-Boese, Leiterin der Corporate Social Responsibility-Abteilung, und Paul Keuter, Mitglied der Geschäftsleitung des Hauptstadtclubs.

herthabsc.de: Am Samstag (30.05.20) findet mit der Partie gegen den FC Augsburg der 'Herthaner helfen'-Spieltag statt. Was hat es damit auf sich?
Keuter:
Ursprünglich sollte zu dieser Begegnung unser zweiter Vielfalts-Spieltag steigen. Die besonderen Umstände haben uns etwas umplanen lassen, der Gedanke bleibt der gleiche: Wir wollen rund um das Duell auf das aufmerksam machen, was uns am Herzen liegt: Die Vielfalt unserer Gesellschaft. Denn die gilt es gerade in schwierigen Zeiten zu bewahren. Gerade jetzt ist es unsere Aufgabe, unsere Sichtbarkeit zu nutzen – für Projekte in Berlin und natürlich auch für 'Herthaner helfen'. Wir haben als Verein in den vergangenen Wochen und Monaten großes Engagement gezeigt – und das in ganz vielen unterschiedlichen Bereichen. Außerdem wollen wir Initiativen unserer Fans in den Blick rücken. Als Beispiel möchte ich die Aktion 'Herthakneipe' nennen. Ich empfehle jedem Fan, sich mal mit anderen Herthanerinnen und Herthanern virtuell zu treffen und ein Bier zu trinken, um damit Berliner Kneipen zu retten. Wir können aufzeigen, dass im Umfeld unseres Clubs großartige Sachen und große Solidarität entstanden sind! Den Vielfalts-Spieltag in seiner eigentlichen Form wollen wir dann nachholen – wann immer es möglich ist.

herthabsc.de: Wo fand dieses Engagement seinen Ursprung und wie kamen die 'Herthaner helfen'-Aktionen zustande?
Hentschel-Boese:
Zunächst haben wir geschaut, welche digitale Unterstützung wir realisieren können. So ist zum Beispiel die 'Herthaner helfen'-Gruppe auf Facebook entstanden, in der sich unsere Fans miteinander verbinden konnten und können. Dadurch haben wir aber auch einen Eindruck davon gewonnen, wo die Not zu diesem Zeitpunkt am größten war. Im nächsten Schritt haben wir unsere Reichweite genutzt, um Berliner Einrichtungen und Projekte zu unterstützen und auf sie aufmerksam zu machen. Uns erreichten zudem viele Anfragen - in Absprache mit dem Deutschen Roten Kreuz haben wir zum Beispiel zur Blutspende aufgerufen. Der Wunsch, selbst mit anzupacken, war von Anfang an sehr stark. Natürlich mussten wir erstmal schauen, was in welcher Form durch die Vorgaben der Politik überhaupt realisierbar war. Zeitgleich haben wir den Austausch mit unseren Kooperationspartnern intensiviert.

Gesagt...

"Die Situation ist schwierig und wird es auch auf unbestimmte Zeit bleiben. Aber wir tun gut daran, die Themen mit viel Herzblut und positiven Emotionen anzunehmen."

Paul Keuter

herthabsc.de: Unterstützung und Hilfe wird gerade an allen Ecken und Enden benötigt. Welche Überlegungen haben bei der Entwicklung der Projekte eine Rolle gespielt?
Keuter:
Die Projekte, die wir unterstützen, zahlen auf die Werte ein, nach denen wir bei Hertha BSC leben und arbeiten: Vielfalt und Fortschritt. Uns haben sehr viele Anfragen erreicht. Es ist unser Anliegen, möglichst viele Menschen zu unterstützen, aber wir mussten unsere Hilfsmaßnahmen auch ein wenig kanalisieren. Wir haben in der CSR-Abteilung ein fähiges Team, das mit viel Leidenschaft und Empathie vorgeht und sich einsetzt. Empathie allein ist keine Garantie für Hilfe, aber mit Blick auf die Aktionen, die wir auf die Beine gestellt haben, das beste Werkzeug.
Hentschel-Boese:
Außerdem ist es uns wichtig, langfristig und nachhaltig zu unterstützen und so unsere Projekte und Kooperationen zu gestalten. Wir haben vor zwei Monaten damit angefangen, mit jeweils zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zwei Mal die Woche bei der Berliner Tafel mitzuarbeiten. In der Vorwoche waren auch das erste Mal Mitglieder von Fanclubs mit dabei. Die Bereitschaft unserer Fans, in diesen Zeiten mitanzupacken, ist groß. Darüber sind wir sehr glücklich. So können und wollen wir unsere Hilfe immer wieder weiterentwickeln und auf die jeweiligen Bedürfnisse anpassen.

herthabsc.de: Vor welche Herausforderungen für die geplanten CSR-Aktivitäten stellt die Pandemie den Verein? Wie disponiert ihr um?
Hentschel-Boese:
Natürlich hat die Corona-Pandemie auch bei uns einiges auf den Kopf gestellt. Wir wollten im Frühjahr mit einem Kita-Projekt starten, bei dem wir Berlins Kindergärten besuchen und ein kleines Programm mit den Kindern machen. Gleiches gilt für unsere geplanten Workshops an Schulen und unser Neugeborenen-Projekt. Wir müssen jetzt einfach schauen, wie sich die nächsten Monaten entwickeln und wie wir unsere Konzepte anpassen können. Die inklusive Online-Lesung mit Aktion Mensch war ein Paradebeispiel dafür, wie wir die Herausforderung der Kontaktbeschränkungen meistern können. Sie fand digital statt, Michael Preetz las zusammen mit Bundesliga-Spielern anderer Vereine Kindern vor.

herthabsc.de: Wie habt ihr das Engagement in dieser Zeit bisher erlebt? Was konntet ihr bisher lernen und nehmt mit?
Hentschel-Boese:
Bei uns Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die ohnehin schon vorhandene Bereitschaft, der Wille und die Lust, sich sozial zu engagieren, noch einmal größer geworden. Das war großartig zu spüren.
Keuter:
Bei aller Aufgeregtheit und Hysterie, mit der heutzutage Debatten ganz besonders in Krisen geführt werden, macht mir eines große Hoffnung: das Verhalten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Einsatz im Umfeld des Clubs sowie in der Gesellschaft. Denn da habe ich eine neue Form der Solidarität wahrgenommen und viele Menschen erlebt, die sich sehr intensiv kümmern und immer nach Lösungen suchen. Die Situation ist schwierig und wird es auch auf unbestimmte Zeit bleiben. Aber wir tun gut daran, die Themen mit viel Herzblut und positiven Emotionen anzunehmen. Energisch, aber besonnen und mit kühlem Kopf, so wie wir das bisher gemacht haben.

herthabsc.de: Was bedeutet das für Hertha BSC?
Keuter: Durch die Corona-Pandemie sind Werte, Moral und gesellschaftliche Verantwortung in den Fokus gerückt – wir müssen es schaffen, dass diese Themen dort auch nach der Krise bleiben. Sie müssen der Kern unseres Handelns sein und damit auch fester Bestandteil der Ausrichtung und Entwicklung von Hertha BSC. Wir müssen viele Dinge auf den Prüfstand stellen und entscheiden, nach welchen Werten wir in Zukunft leben und arbeiten möchten.

(lb,fw/City-Press)

Soziales, 29.05.2020
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