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Auf den Punkt gelegt!

Hertha BSC. Fußball. Ansichten - heute mit Cheftrainer Pál Dárdai.

Berlin - In der Rubrik 'Auf den Punkt gelegt!' spricht herthabsc.de regelmäßig mit Club-Verantwortlichen über unseren Verein, den nationalen und internationalen Fußball oder Dinge, die uns abseits des Rasens beschäftigen. Das Interview mit Pál Dárdai führte Hertha-Redakteur Florian Waldkötter.

herthabsc.de: Pál, du hast das erste und das letzte Spiel des Jahres als Trainer gegen Mainz 05 bestritten. Hast du dir in den vergangenen Tagen darüber Gedanken gemacht?

Pál Dárdai: Nein, darüber habe ich nicht nachgedacht. Im Februar waren wir in einer völlig anderen Situation als dieses Mal. Anfang des Jahres hatte ich nur drei Tage Zeit, meine Mannschaft auf das Spiel einzustellen. Wir haben in Mainz glücklich gewonnen, das muss ich eingestehen. Vergangenes Wochenende waren wir über 90 Minuten dominant, haben ganz anderen Fußball gespielt und absolut verdient gewonnen.

herthabsc.de: Nicht nur die Spielweise, auch deine Kleidung hat sich zwischen den beiden Partien verändert…

Dárdai: Ich habe in den ersten Spielen Zivilkleidung getragen, das stimmt. Nach ein paar Wochen habe ich mir dann aber gesagt: Du bist ein junger Trainer und gehörst zu den Spielern. Aus diesem Grund trage ich seitdem Trainingsanzug. Wenn wir es irgendwann einmal schaffen, ganz, ganz weit oben zu spielen, würde ich aber auch andere Sachen tragen (lacht).

herthabsc.de: Zwischen den beiden Duellen gegen Mainz lagen mehr als zehn Monate. Wie hat sich der Trainer Pál Dárdai in dieser Zeit verändert?
Dárdai: Ich glaube nicht, dass ich mich großartig verändert habe. Ich habe nach wie vor ein ähnliches Leben wie vor einem Jahr, als ich noch U15-Trainer war. Ich fahre noch immer zum Olympiagelände, wo ich auf eine vertraute Umgebung und vertraute Menschen treffe. Natürlich habe ich inzwischen eine andere Aufgabe, eine andere Verantwortung, aber ich bin immer noch ein Teil der Hertha-Familie. Ich bin wieder in der Kabine, in der ich auch schon als Spieler immer war. Sie ist wie ein Wohnzimmer für mich.

herthabsc.de: An welche Höhepunkte denkst du, wenn du auf die vergangenen Monate blickst? 

Dárdai: Es ist ein Highlight für mich, wenn ich sehe, wie sich die Mannschaft in dieser Zeit entwickelt hat. Ich denke da an kein spezielles Spiel. Ich finde es einfach schön, wenn eine Entwicklung zu erkennen ist. Daran habe ich großen Spaß. Die Spieler haben einen unheimlichen Sprung gemacht. Um das zu erkennen, muss man nur auf die beiden Partien gegen Mainz blicken. Mein Trainerstab und ich haben das Ziel, das Maximale aus den Spielern herauszuholen - und das an jedem Tag, in jedem Training und in jedem Spiel. Ich schaue nicht immer auf die Tabelle, um gute Laune zu bekommen. Klar ist aber auch, dass ich mich über die Punktzahl freue.

herthabsc.de: Gibt es einen Spieler, der dich seit deinem Amtsantritt am meisten beeindruckt hat?
Dárdai: An erster Stelle steht für mich die Entwicklung der Mannschaft. Der Teamgeist ist mir heilig. Wenn die Gruppe funktioniert, kann sich jeder einzelne einfacher verbessern. Im Umkehrschluss profitiert davon auch wieder die Mannschaft. Aber wenn ich mich auf einen Spieler festlegen müsste, dann wäre es Per Skjelbred. Er ackert unheimlich für die Mannschaft und tut alles, um ihr zu helfen. Viele sehen nicht, wie wichtig er für uns ist. Trotzdem möchte ich sagen, dass jeder Spieler in den vergangenen Monaten voll durchgezogen hat. Jeder, auch wenn er nicht so oft spielt, hat einen Anteil am Erfolg.



herthabsc.de: Zehn Saisonsiege und mit 32 Punkten jetzt schon fast so viele wie in der gesamten Vorsaison: Wohin geht die Reise von Hertha BSC?

Dárdai: Es ist eine schöne Momentaufnahme und ein Lohn für unsere harte Arbeit. Aber wir dürfen nie zufrieden sein. Wir müssen immer weitermachen und dürfen nicht ein bisschen nachlassen. Wenn wir glauben, dass wir jetzt schon etwas erreicht haben, bekommen wir Probleme. In der Hinrunde hat vieles gut gepasst, aber das hilft uns in der Rückrunde nicht. Wir wollen gut starten und im Pokal weiterkommen. Mir ist wichtig, das wir unsere Spielweise weiter verinnerlichen. Unsere Automatismen müssen über einen längeren Zeitraum greifen. In der vergangenen Rückrunde haben die Gegner davon gesprochen, dass wir sehr kompakt stehen. Jetzt sprechen sie davon, dass wir auch guten Fußball spielen. Das ist wieder ein Schritt nach vorne. Aber erst wenn wir wieder unsere Leistung bestätigt haben, können wir über den nächsten Schritt sprechen.

herthabsc.de:
Was hat Hertha BSC in der Hinrunde so stark gemacht?

Dárdai: In der Vorsaison war unsere Fitness nicht in Ordnung, dadurch waren wir auch mental nicht immer auf der Höhe. Unsere ganze Körpersprache hat darunter gelitten. In der Vorbereitung haben wir sehr stark daran gearbeitet. Jetzt zeigen die Statistiken, dass wir viel laufen können. Die Fitness ist unsere Basis. Wenn die stimmt, ist alles ein bisschen einfacher. Außerdem haben wir für jede Begegnung einen Matchplan gehabt, der oft aufgegangen ist. Wir haben die Punkte nicht mit Glück geholt, sondern weil wir sie uns verdient haben.

Gesagt...

"Für einen Trainer ist es besser, die Qual der Wahl zu haben, als ohne Alternativen dazustehen."

Pál Dárdai

herthabsc.de: Im neuen Jahr kehren in Niklas Stark, Julian Schieber und Sami Allagui vermutlich drei Langzeitverletzte zurück. Peter Pekarik und Änis Ben-Hatira sind schon wieder im Teamtraining. Was erhoffst du dir von den Rückkehrern?

Dárdai: Ich freue mich, dass die Spieler zurückkommen und ich freue mich auf einen ehrlichen Konkurrenzkampf. Für einen Trainer ist es besser, die Qual der Wahl zu haben, als ohne Alternativen dazustehen. Natürlich muss ich die eine oder andere harte Entscheidung treffen, das war auch in der Hinrunde schon der Fall. Wenn jemand mit seiner Situation unzufrieden ist, und sich dem Konkurrenzkampf nicht stellen möchte, müssen wir das Gespräch suchen, um eine Lösung zu finden. Ich möchte nur Spieler im Team haben, die sich einfügen und alles für die Mannschaft machen - egal ob sie spielen oder nicht.

herthabsc.de: Am 3. Januar (14.30 Uhr) startet die Mannschaft die Vorbereitung auf die Rückrunde, die am 22. Januar mit dem Spiel gegen den FC Augsburg beginnt. Wie bereitest du deine Spieler auf die zweite Saisonhälfte vor?
Dárdai: Im Sommer war es eine Vorbereitung. Im Winter wird es eher ein Vorbereiten. Wir haben jetzt nicht so viel Zeit, um erst etwas für die Fitness, dann für das Ballgefühl und für die Taktik zu machen. Für uns geht es darum, die gute Form der Hinrunde mit in die Rückrunde zu nehmen. Deswegen haben wir im Trainingslager in Belek viele Testspiele organisiert. Wir werden dort viel mit dem Ball arbeiten, damit wir uns schnell wieder finden. Die Spieler sollen sich über die freien Tage regenerieren, aber sie haben auch einen individuellen Plan mitbekommen, um sich fit zu halten.

herthabsc.de: Du hast in den vergangenen Wochen schon erzählt, dass du auch über die Feiertage regelmäßig an Fußball denkst und auch mit deiner Familie viel darüber sprichst. Wie gelingt es dir, abzuschalten?

Dárdai: Nur weil wir über Fußball reden, heißt das nicht, dass ich nicht abschalten kann. Im Gegenteil: Mir macht es einfach Spaß, mit meiner Familie über Fußball zu reden. Aber natürlich achte ich darauf, dass ich mich in der Winterpause erholen kann. Das sollten wir alle tun: Kräfte sammeln, mental abschalten und dann mit großer Motivation in die Rückrunde gehen.

(fw/City-Press)

Teams, 16.01.2018
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