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Hertha ist wie Heimat

Berlin - ick liebe dir. Die Berliner Jungs: Nico Beyer.

Berlin - Diese Geschichte beginnt im Jahr 2004, an einem sonnigen Frühlingstag im April bei der jährlichen Ostersichtung Hertha BSCs auf dem Olympiagelände. Ihren vorläufigen Höhepunkt findet sie im September 2015 im Olympiastadion beim Heimsieg von Hertha BSC gegen den 1. FC Köln. Es ist die Story des damals Achtjährigen, noch lange nicht 1,89m großen, Innenverteidigers Nico Beyer, der sofort alle Blicke der anwesenden Trainer und Scouts auf sich zog. So kam es, wie es nicht anders kommen konnte: Nico Beyer durchlief seit 2006 sämtliche Jugendmannschaften von Hertha BSC und führte in der vergangenen Spielzeit die U19 der Blau-Weißen als Kapitän ins DFB-Junioren-Pokalfinale. Im Finale erzielte er in der 51. Minute mit einem Kopfball den 1:0 Siegtreffer. Nach der Partie sagte der Matchwinner: „Es ist mein größter Traum, für Hertha im Olympiastadion zu spielen.“ Dieser Traum rückt nun näher und näher. Am 22.09.2015 berief Pál Dárdai den jungen Innenverteidiger erstmals in seinen Profi-Kader. Mit der Nummer 38 auf dem Rücken nahm der gebürtige Berliner zum ersten Mal Platz auf der Reservebank der ersten Mannschaft.

herthabsc.de: Nico, wofür steht für dich Hertha BSC?
Nico Beyer: Hertha BSC steht ganz einfach für Berlin. Damit einhergehend ist es für mich eine Art Symbol, ist ein Stück weit meine Heimat. Außerdem steht der Verein für meine Kindheit. Schon als kleiner Junge besuchte ich die Spiele der Herthaner, mit vier oder fünf Jahren war ich das erste Mal im Stadion.

herthabsc.de: Und was bedeutet der Verein für dich?
Beyer: Viel. Ich habe mein bisheriges Leben sozusagen in, beziehungsweise mit, diesem Verein verbracht. Genauso habe ich jeden meiner persönlichen Fortschritte dem Verein zu verdanken. Deshalb ist Hertha BSC so wichtig für mich und bedeutet mir eine Menge.

herthabsc.de: Am 22.09.2015 standest du beim Heimsieg gegen den 1. FC Köln erstmals im Profi-Kader, noch dazu an deinem 19. Geburtstag.
Beyer: Nach außen hin wirkte ich an diesem Tag zwar anfangs noch locker, aber auch nur bis zu dem Moment, als wir dann in den Bus zum Stadion gestiegen sind. Ab diesem Zeitpunkt war ich sehr nervös, angespannt und aufgeregt. Aber auch glücklich! Ich habe mich riesig darauf gefreut. Das ist so ein Moment gewesen, den vergisst du einfach nicht mehr. Niemals.

herthabsc.de: Und nach Abpfiff?

Beyer: Nach dem Spiel dann, als wir alle vor der Ostkurve den Heimsieg gefeiert haben, dachte ich mir nur: Das will ich immer machen. Genau das. Da will ich immer sein. Dieser Moment hat mich schlichtweg überwältigt. Vor dieser Menschenmenge zu stehen, nicht darin, sondern davor, das war etwas ganz Besonderes.

herthabsc.de: Und was war das für ein Gefühl, das erste Mal das Profi-Trikot mit deiner eigenen Nummer 38 zu sehen?
Beyer: Stolz. Das war das vordergründige Gefühl. Ich war stolz auf mich, es geschafft zu haben und dass es ein Profi-Trikot von mir gibt. Dadurch ist schon mal ein kleiner Teil meines großen Traums wahr geworden.

herthabsc.de: Apropos Traum, wie sehen denn deine aktuellen sportlichen Ziele aus, langfristig wie auch auf die aktuelle Saison bezogen?
Beyer: Aktuell würde ich natürlich gerne öfter bei den Profis mittrainieren, am liebsten natürlich regelmäßig. Langfristig gesehen ist es mein Ziel, irgendwann in der Bundesliga und dann in einem europäischen Wettbewerb zu spielen.

herthabsc.de: Letzte Saison hast du über deine sportlichen Ziele gesagt, dass du gerne mit der U19 Meister oder DFB-Pokalsieger werden würdest – das hat ganz gut geklappt. Verrate uns, wie schaffst du es, deine Ziele zu erreichen?
Beyer: Wichtig ist, dass man fokussiert bleibt und zwar auf die Dinge, die man erreichen möchte. Dafür muss man außerdem gewillt sein, auch das Nötige zu tun. Im Training und danach. Sei es, dass man auf seinen Körper Acht gibt oder Extra-Schichten in dem Bereich schiebt, in dem man Defizite aufweist. Das ist das Mittel zum Erfolg.

herthabsc.de: Gibt es sonst einen Rat, den du jungen Fußballern mitgeben kannst?
Beyer: Ich bin ja selbst noch jung... Was ich eben bereits aufgelistet habe, sind genau die Dinge, die ich jedem mit auf den Weg geben würde. Da bin ich sicher nicht der Einzige, denn da ist was dran. Man merkt einfach, wenn man individuell trainiert, dass man besser und vor allem auch sicherer wird.

herthabsc.de: Du bist spätestens nach deiner Kadernominierung eine Art Vorbild für viele andere Nachwuchsspieler. Was denkst du, worin du auch tatsächlich vorbildlich bist?
Beyer: Puh, eine schwierige Frage. Vielleicht ein Stück weit in meiner Persönlichkeit. Ich bin nett und auch hilfsbereit. Ich gehöre zu den Spielern, die öfter noch etwas vom Spielfeld mitnehmen als andere. Manche interessiert es gar nicht, ob da was steht oder nicht – das ist bei mir anders. Außerdem bin ich auch ein ruhiger Spieler, der nicht auf alles, was im Spiel passiert oder von außen kommt, reagiert. Sei es der Schiedsrichter, der Gegner oder gegnerische Fans, die irgendetwas brüllen. Da die Ruhe zu bewahren, ist eine Eigenschaft, die von Nutzen sein kann.

herthabsc.de: Und wo siehst du noch Steigerungs- potenzial bei dir?
Beyer: Ich bin nicht perfekt. Daher kann ich  überall noch besser werden. Fußballerisch gibt es genug technische Feinheiten, die man immer noch weiter optimieren kann. Es gibt so viel. Wichtig ist hierbei vor allem der Wille, sich zu verbessern und den habe ich.

herthabsc.de: Für die U19 hast du als Abwehrspieler sogar fünfmal eingenetzt, zeichnet dich diese Torgefährlichkeit aus oder was hebt dich von anderen Spielern ab?
Beyer: Fünf Tore? Wirklich?! (lacht). Ja, kann sein. Aber ich denke, die Torgefährlichkeit ist es eher nicht. Jedoch braucht man Leute auf dem Platz, die positive Stimmung reinbringen und einfach präsent sind. Die, wenn es nicht gut läuft und etwas nicht gelingt, auch mal die anderen pushen. Das ist etwas, worin ich gut bin. Und natürlich, dass ich auch ab und zu mal gut abräume (lacht).

herthabsc.de: Du verfolgst die Spiele der Profis gerne auch von der Ostkurve aus. Wie viel Hertha-Fan steckt eigentlich heute noch in Nico Beyer, dem Hertha-Spieler mit der Nummer 38?
Beyer: Mein "Fan-Sein" hat nicht im Geringsten abgenommen. Es ist eher noch stärker geworden. Ich fahre auch auswärts mit, wenn ich nicht im Kader stehe und kein Spiel für die U23 bestreite. Die meisten Fans, die in der Ostkurve stehen, sind dort natürlich schon länger als ich beheimatet, einfach weil die meisten älter sind als ich. Aber davon abgesehen gibt es nicht viele, die länger dort stehen als ich. Ich bin immer noch ein Riesenfan von diesem Verein, der auch noch mein eigener ist. So einen Verein, den wechselt man nicht. Man hört nie auf ihn zu lieben. Das wird immer so bleiben.

herthabsc.de: Du verfolgst die Spiele, seitdem du vier Jahre alt bist. Was war das beste Spiel, das du bisher mit den Blau-Weißen erlebt hast?
Beyer: Ein Spiel, was ich nie vergessen werde, ist natürlich das Pokalfinale, das wir dieses Jahr mit der U19 bestritten und gewonnen haben. Auch wenn wir nicht optimal gespielt haben, vergisst man so eine unglaubliche Kulisse nicht. Das war einmalig. Außerdem gab es vor ein paar Jahren ein Bundesligaspiel gegen den FC Bayern München. Es war ein Heimspiel, das wir zwar verloren haben, aber die Stimmung war einfach überragend. Es war ein gefühlter Sieg für uns in der Ostkurve, weil man gesehen hat, dass die Mannschaft gekämpft hat und Moral zeigte. Dadurch war automatisch gute Laune auf den Rängen und das hat einfach Spaß gemacht. Nicht so viel Spaß wie auf dem Platz, aber fast.

herthabsc.de: Du bist gebürtiger Berliner. Was zeichnet die Bundeshauptstadt aus und was hebt sie von anderen Städten ab?
Beyer: Berlin ist sehr vielfältig. Das Stadtleben ist dadurch einzigartig. In Berlin ist immer etwas los, es gibt so viele Events und Möglichkeiten, das ist der Wahnsinn. Ich weiß, das gibt es in anderen Städten vielleicht auch, aber dieses Gefühl in Berlin zuhause zu sein, das gibt es eben in keiner anderen Stadt.

herthabsc.de: An welchen Orten in Berlin hältst du dich persönlich denn am liebsten auf?
Beyer: Puh, eigentlich bin ich sehr viel bei mir in der Gegend in Hellersdorf. Wenn ich Freizeit habe, verbringe ich diese am liebsten dort mit meinen Freunden.

herthabsc.de: Und hast du Tipps für Neuzugänge, die unsere Hauptstadt erst noch kennen lernen?
Beyer: Den Ku'damm muss man gesehen haben, weil es dort eigentlich jedes Geschäft gibt. Wirklich alles, was man braucht, da gehe ich auch am liebsten einkaufen. Außerdem den Alex natürlich mit dem Fernsehturm als Wahrzeichen Berlins. Empfehlen kann ich zusätzlich noch das Spreeufer am Hauptbahnhof, gerade im Sommer ist es dort auch sehr schön.

herthabsc.de: Vorletzte Frage: Was würdest du gerne über dich in der Zeitung lesen?
Beyer: Na, dass ich jetzt auch Bundesliga- Spiele gemacht habe. Das wäre schon schön.

herthabsc.de: Und was über Hertha BSC?
Beyer: Über Hertha BSC würde ich gerne irgendwann mal wieder lesen, dass wir nächste Saison in der Europa-League spielen.

(aw/City-Press,HerthaBSC)

Teams, 16.01.2018
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