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Traurig, aber sinnvoll

Hertha BSC und Marius Gersbeck - der Weg wird zum Chemnitzer FC führen: Zuvor hat das Berliner Eigengewächs seinen Vertrag bei den Blau-Weißen verlängert.

Belek - Es ist eine Floskel, die Fußballer fast schon inflationär benutzen, wenn sie über ihren Verein reden. Häufig loben sie ihren Club dann über den grünen Klee hinaus, oft sprechen sie von einer 'Herzensangelegenheit'. Doch nicht allen Profis nimmt man diese Verbundenheit zu ihrem Arbeitgeber ab. Einer, dem man eine solche Aussage getrost glauben darf, ist Marius Gersbeck. Als Neunjähriger stieß der gebürtige Berliner 2004 zu Hertha BSC. Sein erster Besuch im Olympiastadion lag zu diesem Zeitpunkt bereits drei Jahre zurück. "Ich habe in all den Jahren so einiges erlebt - und das als Fan und als Spieler. Es gab Höhen und Tiefen, aber Hertha ist einfach mein Verein", sagt der Torwart. Der Junge aus der Kurve, eine Identifikationsfigur, ein Blau-Weißer durch und durch.  

Gesagt...

" Ich habe in all den Jahren so einiges erlebt - und das als Fan und Spieler. Hertha ist einfach mein Verein."

Marius Gersbeck

Nun trennen sich für einige Zeit die Wege von Gersbeck und Hertha BSC. Die endgültige Unterschrift von Marius Gersbeck beim Drittligisten steht zwar noch aus, aber bis 2017 will ihn der Hauptstadtclub an den Drittligisten Chemnitzer FC verleihen. Doch zuvor hat Hertha BSC den Vertrag des Eigengewächses bis 2018 verlängert. Zudem sicherten sich die Berliner eine Rückholoption am Saisonende. Denn eines steht fest: Gersbeck wird Hertha BSC und den Fans sehr fehlen, das sportliche Fortkommen aber ist der Grund für diesen Schritt - Gersbeck benötigt für seine sportliche Entwicklung permanente Spielpraxis auf höherem Niveau. "Jeder weiß, wie schwer mir dieser Schritt fällt. Für meine Entwicklung ist es aber der richtige. Aber natürlich verlasse ich Hertha nicht nur mit einem lachenden, sondern auch mit einem weinenden Auge", sagt der Schlussmann.

Bei den Himmelblauen erhofft er sich in den kommenden Monaten die Spielpraxis, die ihm in Berlin durch die starke Konkurrenz auf seiner Position niemand garantieren konnte. "Ich bin ein junger Spieler, der sich jetzt in Chemnitz zeigen möchte und auf seine Einsätze in Liga drei kommen will“, nennt Gersbeck seine eigenen Gründe für den Wechsel. Und freut sich jetzt schon auf seine Rückkehr: "Dass ich wiederkomme ist keine Frage - Hertha ist mein Verein." Dementsprechend emotional fiel auch am Abend vor dem Abflug der Abschied aus. Kurze Ansprache von Torwarttrainer Zsolt Petry beim Abendessen, Ansprache von Marius - und danach langer Applaus von allen Herthanern im Teamhotel. Man merkt: Alle gönnen es ihm, der Schritt ist traurig, aber sinnvoll.

Ein Abschied auf Zeit  

In Sachsen trifft das Berliner Eigengewächs auf einen seiner größten Förderer: Karsten Heine. Der 60-Jährige, der sich als langjähriger Trainer bei den Blau-Weißen verdient gemacht hat, ist seit Oktober 2013 verantwortlich für die Geschicke der Chemnitzer. "Ich habe bei Hertha sehr erfolgreich mit ihm zusammengearbeitet. Ich freue mich, dass wir uns wiedersehen. Er hat bei dieser Entscheidung eine große Rolle gespielt", sagt Gersbeck, der bereits am Mittwochmorgen nach Chemnitz gereist ist.

Die Verbindung nach Berlin wird trotzdem nicht abreißen. Das spürt man, wenn Gersbeck über Momente spricht, die ihm in all den Jahren in besonderer Erinnerung geblieben sind. "Ich werden den Kontakt zu den Jungs und zum Verein auf jeden Fall halten. Jetzt drücke ich eben nicht mehr so ganz als Spieler, dafür umso mehr als Fan die Daumen", sagt er schmunzelnd. Er nennt sein Bundesliga-Debüt im Dezember 2013 beim 2:1-Sieg bei Borussia Dortmund, er nennt den Gewinn der deutschen Meisterschaft mit der U17 2012. Er erzählt aber auch vom Derbysieg gegen Union Berlin in der Zweitligasaison 2012/13, den er als Fan erlebte. Oder der spontanen Siegesfeier nach dem Auswärtssieg beim FC St. Pauli in der gleichen Spielzeit, als ihn die Mannschaft in der Gästekurve erblickten und ihn auf den Rasen holten. Wer den Typen Gersbeck kennt, weiß, dass genau dieses Zusammenspiel aus Profifußballer und Fan ihn so authentisch und erfrischend macht. Hertha BSC - das wird wieder einmal deutlich - bleibt für Gersbeck etwas Besonderes.

(fw/City-Press)

Teams, 16.01.2018
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