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Zwillingsbrüder als Vorbilder

Hajime Hosogai erklärt wie er zum Fußball gekommen ist und spricht über Japan, Hertha & die WM.

Berlin - Cheftrainer Jos Luhukay kannte ihn bereits aus seiner in Augsburg, die Hertha-Fans kennen ihn seit Beginn dieser Saison - Hajime Hosogai. Der Japaner stand bis zum vergangenen Spieltag jedes Bundesligaspiel in der Startelf der Blau-Weißen und die meisten seiner Partien absolvierte der Mittelfeldspieler auch über die vollen 90 Minuten. Der 27-Jährige ist ein entscheidender Mann im zentralen, defensiven Mittelfeld für das System von Cheftrainer Luhukay.

Hosogai selbst ist bescheiden, stellt den Erfolg Mannschaft immer in den Vordergrund und wirkt neben dem Platz eher zurückhaltend und schüchtern. Innerhalb des Teams genießt der Japaner aufgrund seiner Leistungen eine hohe Wertschätzung und hat sich schnell an die Gegebenheiten in der Hauptstadt gewöhnt. Im Interview erklärt Hosogai wie er überhaupt auf die Idee kam, Fußball zu spielen. Außerdem spricht die Nummer 7 der Herthaner über seine Heimat, den japanischen Fußball und die WM im Sommer in Brasilien.

Hajime Hosogai im Duell mit Stuttgarts Boka.

herthabsc.de: Haji, seit ein paar Jahrem boomt der japanische Fußball und viele deiner Landsleute haben auch den Weg in die Bundesliga gefunden. Wie bist Du eigentlich zum Fußball gekommen?
Hajime Hosogai
: Ich habe mit 7 Jahren angefangen, da wurde die J-League gerade gegründet und der Fußball in Japan professionalisiert. Ich habe zwei ältere Brüder, die haben Fußball gespielt, das wollte ich dann auch. Sowieso wollte ich alles, was die beiden auch hatten (lacht).

herthabsc.de: Zum Beispiel?
Hosogai
: Das ging soweit, dass ich von unserer Mutter selbst am Geburtstag meiner Brüder einen kleinen Kuchen bekommen habe, weil ich sonst traurig war und geweint habe.

herthabsc.de: Kommen wir zurück zum Fußball. Du bist ein Vollprofi, der Trainer muss dich manchmal sogar bremsen. Warum?
Hosogai
: Ich bin sehr ehrgeizig und der Meinung, dass man sich immer verbessern kann. Wenn es einem Profi an irgendwas fehlt, muss man das ergänzen können. Ich bin technisch nicht so begabt, deshalb muss ich andere Qualitäten an den Tag legen. Dazu gehört viel Training und Fleiß. Ein Beispiel: Ich bin nicht der größte, also muss ich höher springen als die anderen. Und das muss man trainieren.

herthabsc.de: Du hattest in Japan vier deutsche Trainer (Buchwald, Engels, Osieck, Finke). Haben Sie dir bereits in deiner Heimat die deutschen Tugenden wie Disziplin, Leidenschaft und Kampfgeist mit auf den Weg gegeben?
Hosogai
: Ich habe damals nie gedacht, dass ich irgendwann mal in Deutschland spiele. Im Nachhinein war es Schicksal, dass ich so früh mit Deutschland verbunden war. Besonders die Gewinner-Mentalität ist in Japan - besonders im Training - nicht so stark ausgeprägt. Das haben alle diese Trainer vorgelebt. Ich habe so schon früh gute Erfahrungen gesammelt. Ich freue mich, dass alles so gekommen ist, wie es ist.

herthabsc.de: Apropos Trainer: Welche Rolle spielt der aktuelle Trainer Jos Luhukay in deiner Karriere?
Hosogai
: Ich bin Jos Luhukay sehr dankbar. Er hat mich damals nach Augsburg geholt und war auch am Wechsel zu Hertha BSC entscheidend beteiligt. Ich versuche seine Wertschätzung gegenüber meiner Person mit guten Leistungen zurück zu zahlen.

Hajime Hosogai.

herthabsc.de: Viele Japaner haben in den letzten Jahren immer mehr den Weg in die Bundesliga gefunden. Wo liegen die größten Unterschiede zwischen der J-League und der Bundesliga?
Hosogai
: In Deutschland wird schneller nach vorne gespielt, das Tempo ist so viel höher. In Japan gibt es mehr überflüssige Pässe, da wird noch zu oft quer gespielt. Ich spiele auch gerne schnell nach vorne, daher passt mein Stil ganz gut nach Deutschland.

herthabsc.de: Zu welchen Landsleuten aus der Bundesliga hast Du Kontakt?
Hosogai
: Richtig gut verstehe ich mich mit Shinji Kagawa, wir schreiben uns regelmäßig auch wenn er nicht mehr in der Bundesliga spielt. Mit den Kollegen aus der Bundesliga haben wir bei ‚Line’ eine Gruppe und halten uns dort auf dem Laufenden.

herthabsc.de: Den Japanern wird nachgesagt, dass sie nicht fürs Tore schießen geboren wurden. Du hast in 74-Bundesligaspielen auch erst drei Tore erzielt. Woran liegt das?
Hosogai
: Es ist nicht schön, nicht an Toren direkt beteiligt zu sein, aber es ist eine große Herausforderung, das zu ändern. Meine Hauptaufgabe ist die Stabilität in der Defensive, aber trotzdem würde ich mich über weitere Torbeteiligungen nicht wehren (lacht).

herthabsc.de: Im Sommer findet die WM in Brasilien statt. Japan ist u.a. in einer Gruppe mit Kolumbien. Kommt es zum Duell Hosogai vs. Ramos?
Hosogai
: Die WM wäre ein Traum für mich und ich würde mich sehr freuen, wenn ich auf Adrian treffen würde. Das würde auch bedeuten, dass wir beide nominiert werden.

herthabsc.de: Hat sich dein Nationaltrainer bei dir über Adrian schon erkundigt?
Hosogai
: Ja. Adrian ist ein großartiger Spieler. Seine Leistungen werden auch in Japan aufmerksam verfolgt.

Teams, 16.01.2018
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