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"Die Saison positiv beenden"

Alexander Baumjohann im Interview über die Reha-Zeit, seine Rückkehr und das Braunschweig-Spiel.

Berlin - Er war der Pechvogel der Saison: Alexander Baumjohann, zu Beginn der Saison vom 1. FC Kaiserslautern gekommen, avancierte nach seiner Verpflichtung direkt zum Stammspieler und Leistungsträger im Team von Trainer Jos Luhukay. Doch am vierten Spieltag in Wolfsburg, unmittelbar vor dem Abpfiff, riss sich der offensive Mittelfeldspieler das Kreuzband. Über ein halbes Jahr fiel der 27-Jährige aus, arbeite hart und fleißig an seiner Rückkehr auf den Platz. Gegen seinen früheren Verein Schalke 04 war es dann endlich so weit. Baumjohann kam eine gute halbe Stunde vor Schluss für Sandro Wagner in die Partie und setzte gleich einige neue Impulse im Spiel seiner Mannschaft. Drei Einwechslungen kamen hinzu, im Spiel gegen Eintracht Braunschweig feierte der kreative Profi sein Startelf-Comeback.

Im Interview auf herthabsc.de spricht Baumjohann über die Zeit in der Reha, die Rückkehr auf den Platz, den 2:0-Sieg über Eintracht Braunschweig sowie die WM in Brasilien.

Wieder mit vollem Einsatz dabei - Alexander Baumjohann im Spiel gegen Eintracht Braunschweig.

herthabsc.de: Der Klassenerhalt ist unter Dach und Fach; das Saisonziel ist erreicht. Was überwiegt mehr? Die Zufriedenheit über das erreichte Ziel oder die Unzufriedenheit über die zweite Saisonhälfte?
Alexander Baumjohann:
Wenn uns vor der Saison jemand gesagt hätte, dass wir den Klassenerhalt so früh fix machen, hätten wir wohl alle unterschrieben. Nach der überragenden Hinrunde, die wir gespielt haben, hätten wir in der Rückrunde selbstverständlich gerne ein paar Punkte mehr geholt - gerade zu Hause vor unseren Fans. Nichtsdestotrotz können wir zufrieden sein. Wir sind Aufsteiger und müssen einen Schritt nach dem anderen machen. Wichtig wird für uns, dass wir uns in den nächsten Jahren weiter in der Bundesliga etablieren - dafür war diese Saison ein guter Anfang.

herthabsc.de: Auch du kehrst Schritt für Schritt wieder ins Spielgesehen zurück. Ist dein Ziel nach zuletzt vier Einwechslungen und deinem ersten Spiel in der Startelf möglichst viel zu spielen und der Mannschaft entscheidend zu helfen?
Baumjohann: Da setze ich mich gar nicht unter Druck. Ich habe ja auch immer wieder betont, dass es kaum einen Spieler auf der Welt gibt, der nach sechseinhalb Monaten Pause zurück kommt und gleich in Topform ist. Ich habe in meiner Rehaphase jeden Tag intensiv an meiner Verfassung gearbeitet, aber es ist dann natürlich doch etwas anderes wieder zum Training oder unter Wettkampfbedingungen auf dem Platz zu stehen. Mir tut jede Minute auf dem Platz gut, ich habe auch das Gefühl, dass es von Spiel zu Spiel besser wird und hoffe natürlich, dass ich in den restlichen Spielen noch so viel Einsatzzeit wie möglich bekomme.

herthabsc.de: In Augsburg stand auch Fabian Lustenberger wieder vor seinem Comeback. Wie hart trifft einen so ein kurzfristiger, erneuter Ausfall?
Baumjohann: Natürlich ist das sehr bitter, wenn man in der Reha so viel arbeitet, voll auf das Comeback fokussiert ist und dann kurz vorher wieder etwas passiert. Das ist dann doppelt ärgerlich. Aber da kann man niemandem einen Vorwurf machen, das hätte genauso gut im Training passieren können - er hat ja vorher schon lange ohne Probleme mit der Mannschaft trainiert. Das ist bitter für ihn, aber natürlich auch für uns - mehr wohl für ihn, weil dadurch möglicherweise sein Traum von der Weltmeisterschaft geplatzt ist, was wir ihm alle von Herzen gegönnt hätten.

herthabsc.de: Ein 2:0-Sieg gegen Braunschweig, dein Startelf-Comeback vor über 50.000 Zuschauern im Olympiastadion - würdest du den Spieltag als einen perfekten Tag einordnen?
Baumjohann: Es war eine riesen Erleichterung, dass wir den ersten Heimsieg im Jahr 2014 eingefahren haben - speziell für unsere Fans, die in den letzten Monaten zu Hause sehr gelitten haben. Wir sind als Mannschaft überglücklich über den Sieg und ich bin persönlich sehr dankbar dafür, dass ich 90 Minuten spielen durfte. Sicher hätte ich noch das eine oder andere Tor machen können, dann wäre es noch schöner gewesen, aber ich bin glücklich, dass wir die drei Punkte mitgenommen haben. Nun hoffe ich, dass wir in den letzten beiden Spielen auch noch Punkte holen werden.

Gegen Eintracht Braunschweig gelang Baumjohann beinahe sein erstes Tor für Hertha BSC.

herthabsc.de: Wie bewertest du die Situation mit den vergebenen Möglichkeiten? Denkt man in dem Moment, warum klappt es einfach nicht mit dem Torerfolg?
Baumjohann: In der ersten Halbzeit war das Tor wieder wie zugenagelt. Genau so, wie es in den letzten Monaten speziell zu Hause der Fall war, und wir die Treffer einfach nicht machen. In der zweiten Hälfte haben wir nochmal alles in die Waagschale geworfen, die 1:0-Führung erzwungen und hätten im Endeffekt sogar noch höher gewinnen können. Dabei ist es grundsätzlich wichtig, dass wir überhaupt die drei Punkte geholt haben - darüber sind wir sehr glücklich.

herthabsc.de: Du hast das 1:0 direkt durch eine Ecke vorbereitet - wie schätzt du diese Situation ein?
Baumjohann: Ich habe den Ball scharf vor das Tor geschlagen - dieser geht irgendwie an allen Spielern vorbei, auch der Torwart kommt nicht heran. Aus dem Getümmel heraus schießt Brooks den Ball aus kurzer Distanz ein. Es ist verwunderlich, dass die Führung aus einem Standard resultiert, weil wir viele Chancen aus dem Spiel heraus hatten. Im Endeffekt ist es aber egal, wer das Tor gemacht hat oder wie es zustande gekommen ist. Die Hauptsache ist, dass wir gewonnen haben.

herthabsc.de: Die Saison ist fast vorüber, damit neigt sich auch dein erstes Jahr bei Hertha BSC dem Ende entgegen. Wie gefällt es dir in Berlin? Konntest du dir schon etwas von der Stadt ansehen?
Baumjohann: Viele denken ja, dass man mehr Zeit hätte, etwas von der Stadt zu sehen, wenn man verletzt ist. Das ist aber gar nicht der Fall. Ich glaube, ich habe in der Rehazeit mehr Zeit mit Behandlungen und im Kraftraum verbracht, als im normalen Trainingsbetrieb. Da blieb mir leider nicht viel Zeit. Einiges habe ich aber schon gesehen, aber da gibt es noch viel mehr, denn Berlin ist ja eine große Stadt. Da gibt es immer Möglichkeiten, etwas Neues kennenzulernen. Wir fühlen uns hier pudelwohl, meine Kinder gehen hier in den Kindergarten. Das einzige, was nicht gut lief, war meine Verletzung, doch die ist jetzt auch überstanden.

herthabsc.de: Im Sommer steht die Weltmeisterschaft in Brasilien, der Heimat deiner Frau, an. Wie verfolgt ihr die Spiele? Seid ihr vor Ort?
Baumjohann: Normalerweise sind wir alle sechs Monate in Brasilien, aber diesen Sommer verzichten wir darauf, weil dort dann sicherlich doch viel zu viel los sein wird. Deshalb bleiben wir in Europa. Wohin es gehen wird, wissen wir aber noch nicht. Ich werde die Zeit aber ganz sicher nutzen, um weiter an mir zu arbeiten, um mein Niveau zu halten oder auch noch zu verbessern. Die WM-Spiele werden wir uns daher sicherlich gemeinsam vorm Fernseher anschauen. Sicherlich habe ich auch Sympathien für Brasilien. Mit Dante habe ich auch einen sehr guten Freund, der hoffentlich mit nach zur Weltmeisterschaft fährt. Daher hätte ich auch nichts gegen ein Finale Deutschland gegen Brasilien.

herthabsc.de: Zwei Spiele stehen noch aus. Wie sieht die Zielsetzung für den Saisonendspurt aus?
Baumjohann: Wir gehen natürlich in jedes Spiel, um zu gewinnen. Wichtig ist, dass wir die Saison mit positiven Ergebnissen beenden, da man den letzten Eindruck mi in die Sommerpause nimmt.

Teams, 16.01.2018
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