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Perfekte Verbindungen schaffen

Co-Trainer Markus Gellhaus spricht im Interview über die Talentförderung bei Hertha BSC.

Berlin - Gemeinsam mit Rob Reekers assistiert Markus Gellhaus Cheftrainer Jos Luhukay bei den Profis – und das schon seit vielen Jahren. Jos Luhukay baute auf Gellhaus‘ Expertise schon bei seinen vorangegangenen Stationen in Paderborn, Mönchengladbach und Augsburg – und jetzt auch bei Hertha BSC. Doch Markus Gellhaus kümmert sich nicht nur um die Profis, sondern fungiert darüber hinaus auch noch als „Karriere-Coach“ für die Nachwuchsspieler der Blau-Weißen. Auch wenn er sonst eher im Hintergrund wirkt, so ist er für Herthas Management, den Cheftrainer und die jungen Spieler die wichtigste Schnittstelle.

Mit viel Erfahrung, gutem Blick und feinem Gespür garantiert Markus Gellhaus die Durchlässigkeit zwischen der Jugend und dem Ernst des Lebens. Im Interview spricht der 43-Jährige unter anderem über die Maßnahmen, den Hertha-Nachwuchs noch besser an die erste Mannschaft heranzuführen, die blau-weiße Nachwuchsarbeit im Allgemeinen, Anforderungen und Philosophien sowie die Zusammenarbeit mit Jos Luhukay und Michael Preetz.

herthabsc.de: Markus Gellhaus, die Nachwuchsarbeit bei Hertha BSC wird sehr groß geschrieben. Viele Talente haben den Weg in den Profifußball bereits geschafft. Sie sind als "Karriere-Coach" das Bindeglied zwischen Nachwuchs- und Lizenzspielerabteilung. Welche Aufgaben liegen konkret in ihrem Verantwortungsbereich?
Markus Gellhaus: Wir wollen auch im Trainerteam der Profis die Top-Talente im Auge behalten, wollen wissen, wie sie sich entwickeln und darauf Zugriff haben. Einmal pro Woche findet unter meiner Leitung ein Fördertraining mit den besten Jungs aus der U17, U19 und U23 statt. Dadurch bekommen wir nicht nur einen sportlichen Eindruck, sondern auch einen Eindruck, wie sie sich in der Gruppe menschlich und charakterlich verhalten. Ich stehe regelmäßig im Austausch mit den Nachwuchstrainern, wir sprechen viel miteinander. Alle Entscheidungen werden in Absprache mit den einzelnen Trainern getroffen.

herthabsc.de: Welche Maßnahmen werden ergriffen, um die Talente an die Profis heranzuführen?
Markus Gellhaus: Zum einen das regelmäßige Fördertraining, zum anderen aber auch die situative Einbindung in das Profitraining. Zudem schauen Jos Luhukay und ich uns die Spiele der Nachwuchsmannschaften im Leistungsbereich an und tauschen uns dann mit den jeweiligen Trainern aus.

herthabsc.de: Auf welche Inhalte wird beim Fördertraining besonders Wert gelegt?
Markus Gellhaus: Die individuelle Förderung jedes einzelnen liegt uns dabei am Herzen. Wir haben einen Pool von zehn bis zwölf Spielern, die an den zusätzlichen Trainingseinheiten teilnehmen. Die einzelnen Übungen variieren, die Inhalte bleiben in der Regel gleich. Wir starten immer mit einem Aufwärmprogramm, gehen dann über in einen technischen Teil, gefolgt von Passspielübungen und Spielformen. Die Jungs sollen an ihrer Kreativität, Handlungsschnelligkeit und ihren Abschlüssen arbeiten.

herthabsc.de: Wie ordnen Sie die gesamte Nachwuchs-Akademie von Hertha BSC in der Bundesliga ein?
Markus Gellhaus: Hertha BSC muss sich vor keinem Bundesligisten verstecken. Die Rahmenbedingungen und die Infrastruktur sind top. Auch personell sind wir hier gut aufgestellt. Das Ziel ist es, eigene Talente für die Lizenzspielermannschaft auszubilden. Dafür sind alle Voraussetzungen gegeben.

herthabsc.de: Wie sieht das Zusammenspiel mit Michael Preetz und Jos Luhukay genau aus?
Markus Gellhaus: Wir tauschen uns ständig aus. Michael Preetz liegt sehr viel am eigenen Nachwuchs. Das Zusammenspiel mit ihm und der KGaA klappt ausgesprochen gut. Jos Luhukay schaut sich auch regelmäßig das Fördertraining an. Ich halte ihn immer auf dem Laufenden, er verlässt sich auf mein Urteil. Wenn jemand das Potential hat, werden die nächsten, logischen Schritte eingeleitet.

herthabsc.de: Stichwort Durchlässigkeit: Welche Ziele verfolgt Hertha BSC mit dem Umgang mit potentiellen Nachwuchstalenten?
Markus Gellhaus: Wir wollen in unserer Akademie die Jungs für unsere Bundesligamannschaft ausbilden, das ist doch klar. Wir bieten unseren Talenten frühzeitig eine Perspektive und geben ihnen die Möglichkeit, sich als Profi bei Hertha BSC durchzusetzen. Mit unseren Methoden findet ein fließender Übergang vom Nachwuchs- in den Profibereich statt. Wir haben mit Nico Schulz, John Brooks oder auch Hany Mukhtar einige Beispiele dafür, wie es funktionieren kann. Unser Anspruch muss es auch in Zukunft sein, immer wieder Spieler an die Profis heranzuführen.

herthabsc.de: Wie sieht denn das Anforderungsprofil eines zukünftigen Bundesligaspielers bei Hertha BSC aus?
Markus Gellhaus: Das ist sehr komplex. Sicherlich müssen die sportlichen Voraussetzungen erfüllt sein, aber das ist nur ein Bruchteil. Der Spieler muss charakterlich und menschlich stabil, teamfähig und mental stark sein. Man muss sich auf den Beruf als Fußballprofi fokussieren und darf sich nicht vom Weg abbringen lassen. Das sind entscheidende Faktoren. Der Sprung in die Bundesliga ist ein großer Schritt.

herthabsc.de: Wie sieht die einheitliche Spielphilosophie bei Hertha BSC aus, die über alle Nachwuchsmannschaften bis zur Lizenzspielerabteilung durchgezogen wird?
Markus Gellhaus: Wir bilden ab der U17 in zwei Spielsystemen aus. So kann sich jeder Spieler auf seiner Position weiterentwickeln, lernen und sich mit seinen Aufgaben gruppentaktisch in den jeweiligen Mannschaftsteilen, wie auch mannschaftstaktisch und individualtaktisch vertraut machen. Der Übergang fällt leichter, weil das System bekannt ist. Der Verein legt großen Wert auf seine Tradition und den Bezug zu der Stadt Berlin.

herthabsc.de: Wie spiegelt sich das bei der Auswahl von Nachwuchstalenten wider?
Markus Gellhaus: Der Schwerpunkt unserer Auswahl liegt natürlich im Raum Berlin/Brandenburg. Allerdings müssen wir auch unseren Blick offen halten. Wir wollen ja wettbewerbsfähig bleiben und mit unserem Internat stehen uns alle Möglichkeiten zur Verfügung.

Teams, 16.01.2018
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