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"Intensiv, aber reizvoll"

Herthas Nummer 1, Thomas Kraft, spricht im Interview über die englische Woche und vieles mehr...

Berlin - Für Thomas Kraft war die Partie gegen den FC Bayern am Dienstag (25.03.14) eine Reise in die Vergangenheit. Herthas Nummer 1 traf mit seinem Team auf seinen ehemaligen Arbeitgeber FC Bayern München. Sieben Jahre spielte der 25-Jährige für den Deutschen Rekordmeister, ehe er sich im Sommer 2011 Hertha BSC anschloss. Seitdem zählt der Schlussmann zu den absoluten Leistungsträgern bei den Blau-Weißen und sorgte mit seinen Paraden für den einen oder anderen Punktgewinn.

Gegen die Münchner stand der werdende Vater öfter im Mittelpunkt als ihm lieb war. Mit 42 Ballkontakten hatte Kraft die meisten aller Herthaner und konnte die Hälfte der Torschüsse aufs Tor abwehren. An der 1:3-Niederlage konnte aber auch er nichts ändern. Im Interview spricht Thomas Kraft über die bisherige Saison, Selbstkritik und die Englische Woche.

Thomas Kraft in Aktion.

herthabsc.de: Die Partie gegen Bayern war in jeder Hinsicht etwas Besonderes. Für dich persönlich auch? Was hast Du aus deiner Zeit in München mitgenommen?
Kraft
: Für mich war die ganze Zeit bei Bayern wichtig. Ich bin dort ja als Jugendspieler hingekommen, bin dort zum Profi und schließlich auch zum Bundesliga-Spieler geworden. Ich habe dort auch in der Champions League gespielt, deshalb empfinde ich die ganze Entwicklung dort für mich als sehr wichtig, wovon ich natürlich auch heute noch profitiere.

herthabsc.de: Wie intensiv ist dein Kontakt noch mit Spielern oder Verantwortlichen beim FC Bayern?
Kraft
: Wenn man sich sieht, dann unterhält man sich. Aber darüber hinaus habe ich zu den aktuellen Spielern keinen großen Kontakt mehr. Die Spieler, zu denen ich damals den besten Kontakt hatte, spielen inzwischen nicht mehr bei Bayern. Mit dem Zeugwart habe ich schon noch guten Kontakt, wir haben vor ein paar Wochen auch miteinander geschrieben, aber eigentlich beschränkt es sich mehr auf die Momente, in denen man sich trifft.

herthabsc.de: In den letzten Spielen - Bayern ausgenommen - mangelte es auch ein wenig an der Chancenverwertung. Wie sehr ärgert man sich eigentlich als Torhüter, wenn die Mannschaft statistisch gesehen ein gutes Spiel macht, der Gegner aber jede seiner wenigen Chancen verwertet?
Kraft
: Statistiken sind halt eben nur Statistiken und haben nicht unbedingt immer etwas mit dem Spiel zu tun. Man kann 15 Torschüsse haben und kein Tor machen und drei Schüsse aufs Tor bekommen, die dann alle drin sind. Das ist dann auch eine Qualität der Bundesliga. Natürlich ist das ärgerlich, aber man muss das auch so akzeptieren. Solche Spiele kommen auf der anderen Seite auch nicht so häufig vor, aber es ist schon bitter, wenn man öfters die bessere Mannschaft ist, sich dafür aber nicht belohnt.

herthabsc.de: Dennoch belegt das Team einen Platz in der oberen Tabellenhälfte und hat schon einen relativ komfortablen Vorsprung nach unten. Wie zufrieden bist Du mit eurer bisherigen Saison?
Kraft
: Gerade wenn man die Hinrunde sieht, können wir sehr zufrieden sein. Da haben wir vielleicht auch ein bisschen überrascht. In der Rückrunde tun wir uns da ein bisschen schwerer, aber das habe ich ein Stück weit auch so erwartet, denn es ist als Aufsteiger schon schwer, so ein Level über eine ganze Saison zu halten. Das liegt auch daran, dass sich die anderen Mannschaften besser auf uns einstellen und wir die eine oder andere Verletzung kompensieren müssen.

herthabsc.de: Und wie zufrieden bist Du mit deinem bisherigen Saisonverlauf?
Kraft
: Man weiß ja, dass ich auch sehr selbstkritisch bin. Ich hatte in dieser Saison auch mal wieder unglückliche Situationen, auch noch in zwei Spielen hintereinander. Dennoch bin ich unter dem Strich bisher zufrieden, aber es geht immer noch ein bisschen besser und ich möchte auch immer besser werden.

Thomas Kraft packt sicher zu.

herthabsc.de: Seit Beginn der Saison arbeitest Du mit Torwarttrainer Richard Golz zusammen. Die Gruppe an Torhütern ist relativ groß, wie läuft die Trainingsarbeit bisher?
Kraft
: Ich denke, dass die Koordination mit vier Torhütern im Training nicht so einfach ist, das macht Richie aber sehr gut. Die Arbeit mit ihm als neuen Torwarttrainer hat sich jetzt auch eingespielt – in den ersten fünf, sechs Wochen ging es noch ums Kennenlernen, dann spielen sich die Dinge ein. Untereinander verstehen wir uns gut und versuchen, uns gegenseitig zu unterstützen.

herthabsc.de: Du siehst das Spiel ‚von hinten‘. Was macht die Stärke, dass sich die Mannschaft bisher mehr als beachtlich schlägt, in deinen Augen aus?
Kraft
: Wir sind für viele Mannschaften einfach unangenehm zu bespielen. Wir pressen offensiv und haben defensiv eine sehr gute Stabilität. Vorne sind wir gefährlich, könnten da vielleicht manchmal auch noch gefährlicher sein. Man sieht aber seit dem Start in diese Saison, dass wir uns immer weiter verbessern und Schritte nach vorne machen. Klar gibt es auch Sachen, die uns nicht so gut gefallen und an denen wollen wir arbeiten.

herthabsc.de: Welche Rolle spielt bei diesem Verbesserungsprozess der Trainer Jos Luhukay?
Kraft
: Der Trainer ist dabei natürlich ein entscheidender Faktor. Er erkennt die Dinge, an denen wir noch arbeiten müssen. Die Umsetzung liegt dann natürlich bei uns Spielern, aber die gute Arbeit des Trainers, die er hier seit über eineinhalb Jahren leistet, ist natürlich unverkennbar. Man kann die Handschrift des Trainers in jedem Fall erkennen.

herthabsc.de: Die englische Woche hat es für Hertha BSC in sich. Wie ist das für einen Profi - spielt man lieber, als die ganze Woche trainieren zu müssen? Gerade auch bei solch hochkarätigen Gegnern…
Kraft
: Natürlich spielt man lieber dreimal die Woche, als wenn man von Wochenende zu Wochenende warten und trainieren muss. Da kann man jeden fragen. Die Spiele stehen im Fokus, auf die arbeiten wir immer hin und die machen auch am meisten Spaß. Natürlich ist so eine Woche intensiv, aber sie hat auch einen enormen Reiz.

herthabsc.de: Nach Mönchengladbach und Bayern München kommt jetzt zum Abschluss Schalke 04. Welchen Einfluss hat es auf die Vorbereitung, wenn man innerhalb einer Woche auf drei Teams aus der Spitzengruppe der Bundesliga trifft?
Kraft
: Diese Vereine haben ganz andere Möglichkeiten und stehen deshalb auch ganz anders in der Tabelle dar. Gerade, wenn man in einer Woche auf so viele Hochkaräter trifft, muss man sich immer auf den nächsten Gegner fokussieren, denn sonst hat man gar keine Chance, wenn man vor einem Spiel schon den nächsten Gegner im Kopf hat. Jetzt konzentrieren wir uns auf Schalke.

Teams, 16.01.2018
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