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Weiser geworden

Hertha suchte einen flinken und variablen Rechtsaußen, Mitchell Weiser nach den Bayern Spielminuten und Konstanz. Heraus kam ein Drei-Jahres-Vertrag.

Berlin – Zu den Problemen des Fußballs zählt, dass seine Umgebung ähnlich schematisch verfährt wie in Hollywood: ein erfolgreiches Modell ist ganz von selbst die Vorlage des nächsten. Als der 17-jährige Mitchell-Elijah Weiser im Juni 2011 mit dem 1. FC Köln B-Jugend-Meister wurde, war das Etikett "Der nächste Poldi" schon aufgedruckt. Dabei wäre "Der nächste Weiser" der bessere Titel: Mitchells Vater Patrick Weiser bestritt für Köln und Wolfsburg einst 270 Bundesligaspiele.

"Mitchell ist ein junger, entwicklungsfähiger Spieler, der mit viel Tempo auf beiden Seiten unterwegs ist."

Michael Preetz

Vom Papier her ist Weiser Junior bereits heute, 21-jährig, erfolgreicher als der er. Mitchell Weiser ist dreifacher Deutscher Meister, zweifacher Pokalsieger und FIFA-Klubweltmeister 2013, um nur die bekanntesten Titel zu nennen, die er mit dem FC Bayern gewann. Zweieinhalb Jahre stand Weiser beim deutschen Branchenprimus unter Vertrag. Als gepriesenes Talent und jüngster Kölner Bundesliga-Debütant aller Zeiten gekommen, hat Weiser viel erlebt in diesen zweieinhalb Jahren. Leicht waren sie nicht.

Junge, athletische, flinke Alternative für Beerens und Pekarik

Nach einem halben Jahr ging er leihweise für sechs Monate in die Zweite Liga. Bei Kaiserslautern startete Weiser durch, wurde sofort Stammspieler. Für sein Standing beim FC Bayern war das schnell bedeutungslos: Weiser hatte sich im Sommer 2014 mit einem eigenen Personal-Trainer auf die Saison vorbereitet, zwei Tage vor dem Trainingsauftakt riss er sich bei einem privaten Kick das Syndesmoseband. Am Ende standen 13 Bundesligaspiele zu Buche. Zu wenig für einen wie Weiser, der allerdings zeigen konnte, dass er dazugelernt hat. "Ich bin hier reifer geworden“, sagte er dem Kicker. "Gerade die Phasen, wo es nicht so gut lief, haben mich stärker gemacht." Und stark ist er, der Mitchell Weiser, laufstark, schnell und athletisch.


Wer könnte das besser bezeugen als seine künftigen Berliner Kollegen? Im April ließ Weiser im Dribbling vier Herthaner Spalier stehen und legte zum spielentscheidenden Treffer punktgenau auf Bastian Schweinsteiger zurück. Ein Gemälde von einer Vorlage, das Trainer Pep Guardiola fachgerecht als "Geniestreich" benannte und nachlegte: "Wir brauchen Mitch."

Hertha eben auch. "Mitchell ist ein junger, entwicklungsfähiger Spieler, der mit viel Tempo auf beiden Seiten unterwegs ist", sagt Michael Preetz, der seinem Trainer Pál Dárdai einen Wunsch für die kommende Saison erfüllen konnte: einen flinken Spieler, vornehmlich für die rechte Seite, wo er sowohl Roy Beerens, als auch Peter Pekarik Druck machen kann. Weiser versteht das als "spannende Herausforderung" und will helfen "mit den tollen Fans im Rücken eine erfolgreiche Saison zu spielen". Hertha suchte einen variablen Rechtsaußen, Mitchell Weiser Spielminuten. Heraus kam ein Drei-Jahres-Vertrag.

(ph/citypress)

Teams, 16.01.2018
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