Bild: citypress

"Mein Job ist, den Konkurrenz- kampf zu beleben"

Alfredo Morales kam im Auswärtsspiel in Aalen zu seinem ersten Saisoneinsatz. Nach seinem dreiwöchigen Lehrgang bei der US-Nationalmannschaft blüht er jetzt bei Hertha BSC auf.

Berlin - Hertha-Trainer Jos Luhukay hatte mal wieder ein Ass im Ärmel, einen genialen Schachzug ausgeführt, den er zwar am Rande andeutete, aber nicht direkt offenbarte. Mehrere Optionen hätte er für die Position im zentralen Mittelfeld an der Seite von Peter Niemeyer, diktierte der Holländer den interessierten Medienvertretern in die Notizbücher. Alfredo Morales, auch dieser Name stand auf den Zetteln. Dass der 22-Jährige am Ende wirklich in der Startelf stand, überraschte dann doch. Auch der Auserwählte zeigte sich überwältigt: "Ich bin mit der Einstellung auf die Fahrt nach Aalen gegangen, dass ich die Chance habe zu spielen und hatte es natürlich auch gehofft. Als die Aufstellung bekannt gegeben wurde, war ich einfach nur happy." Es war der erste Einsatz für den Defensivmann in dieser Saison und machte Lust auf mehr. "Es ist doch das, was alle Fußballer wollen: Spielen. Ich habe jetzt Blut geleckt", lässt Morales verlauten. "Ich bin jung und möchte unbedingt spielen."

Dass manchmal eine andere Luft Wunder bewirken kann, beweist Morales, der selbstkritisch mit sich ins Gericht geht: "Ich hatte in der Hinserie eine schwere Zeit, konnte meine Leistung nicht abrufen. Aber jetzt bin ich wieder auf dem richtigen Weg." In der Wintervorbereitung führte dieser Weg ihn nicht mit den Herthanern ins Trainingslager in die Türkei, sondern in die USA, wo der gebürtige Berliner einen dreiwöchigen Lehrgang bei der US-Nationalmannschaft absolvierte. "Ich habe verdammt viel mitgenommen und vor allem haben mir die Wochen Selbstvertrauen gegeben", sagt 'Alfi', dessen Vater Peruaner ist, später zur amerikanischen Armee ging und seinem Sohn somit die Möglichkeit eröffnete, unter der Stars-and-Stripes-Flagge zu spielen.

Neue Reize in Übersee

Die Begeisterung schlägt in ihm förmlich hoch, wenn man ihn auf den Coach der US-Boys Jürgen Klinsmann anspricht. "Es ist faszinierend, dass er in allen Belangen immer etwas Gutes sieht. Er hat eine unglaublich positive Aura und ist ein richtiger Motivator", schwärmt Morales von 'Klinsi', der als Trainer 2006 die deutsche Nationalmannschaft durch das Sommermärchen bei der Heim-WM führte. Die Verantwortlichen bei Hertha BSC hatten die Idee gehabt, mit dem Trip nach Amerika neue Reize zu setzen. "Dieser Plan ist bestens aufgegangen", erklärt Morales mit einem Selbstbewusstsein, das ihm auf der Reise nach Übersee regelrecht zugeflogen sein muss, so scheint es zumindest.

Bei seinem Einsatz über die vollen 90 Minuten beim 1:0-Auswärtssieg in Aalen ersetzte der 1,83 Meter große Jungprofi den gelbgesperrten Peer Kluge und weiß seine Rolle im Team gut einzuschätzen: "Peer Kluge und Peter Niemeyer sind sehr gute Spieler und wichtig für unseren Erfolg. Mein Job ist es, von hinten Druck zu machen und den Konkurrenzkampf zu beleben. Dadurch werden die anderen im Team auch besser."

"Die Hertha-Fans sind positiv verrückt."

Im Spitzenspiel am kommenden Montag (25.02.13) gegen den 1. FC Kaiserslautern wird Morales daher wohl zunächst wieder auf der Bank Platz nehmen müssen. Dennoch ist seine Vorfreude auf die Begegnung riesig. "Es treffen die beiden Klubs aufeinander, die das größte individuelle Potenzial der Liga besitzen", sieht er die Spannung in dem Duell vorprogrammiert. "Wir wollen von Anfang an Druck machen und werden dieses Spiel gewinnen", prophezeit Morales und hofft auf die große Unterstützung der Hertha-Fans, die in seinen Augen etwas Besonderes sind. "Unsere Anhänger sind positiv verrückt. Das findet man in Deutschland so kaum ein zweites Mal."

40.000 bis 50.000 Zuschauer wären sein Wunsch. "Dann fängt es so richtig an zu knistern im Olympiastadion", wird ein Glitzern in seinen Augen erkennbar. Der Youngster hofft gegen die 'Roten Teufel' auch wieder auf Einsatzzeit: "Ich versuche mich im Training immer zu zeigen und aufzudrängen. Ich will spielen und das versuche ich zum Ausdruck zu bringen." Wer weiß, vielleicht hat Chefcoach Jos Luhukay wieder einen raffinierten Plan für Alfredo Morales in seinem Notizblock zu stehen.

Teams, 16.01.2018
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