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Bittere Pille

Nach dem 3:3 in Bremen überwiegt der Frust - Reife und Souveränität sind die nächsten Ziele.

Berlin - Es gibt Unentschieden, die fühlen sich wie Siege an. Es gibt Unentschieden, die fühlen sich eher wie eine Niederlage an. Das 3:3 der Herthaner im Auswärtsspiel bei Werder Bremen gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Zwei Zwei-Tore-Führungen reichten den Blau-Weißen an diesem hanseatisch-ungemütlichen Nachmittag nicht, den ersten Dreier des neuen Jahres einzutüten. In der Analyse nach der Partie waren sich die Blau-Weißen einig: "Wenn man auswärts drei Tore schießt, muss das reichen", wie es Sebastian Langkamp in Worte fasste.

Und danach hatte es in der ersten Halbzeit auch ausgesehen. Nach der Bremer Druckphase zu Beginn, in der Mitchell Weiser kurz vor der Torlinie einen frühen Rückstand verhinderte, übernahmen die Schützlinge von Trainer Pál Dárdai die Initiative. In einer zweikampfreichen Partie hielten die Berliner gegen die abstiegsbedrohten Hausherren bissig dagegen. Das 1:0 war so auch ein Spiegelbild dieses Auftritts: Per Skjelbred, der wegen seiner fünften Gelben Karte im kommenden Heimspiel gesperrt zuschauen muss, eroberte nach einem Einwurf der Bremer energisch den Ball. Darida - Herthas Mann für Führungen - überlistete gedankenschnell den zu weit vor seinem Kasten positionierten Felix Wiedwald mit einem fulminanten Distanzschuss aus fast 30 Metern.

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Rubrik 30.01.2016
Werder Bremen - Hertha BSC

Neuer Rekord für Jarstein und Co.

Dass die Standardsituationen in dieser Saison ebenfalls zu den Stärken der Herthaner zählen, bewies erneut Marvin Plattenhardt kurz vor der Pause. Bereits das zehnte Tor nach einem ruhenden Ball bedeutet die Spitzengruppe im Ligavergleich. Wie schon in Darmstadt traf Herthas Freistoßwaffe mit einem direkten Freistoß und sorgte somit für eine eigentlich beruhigender Führung in die Pause. Auch nach dem Seitenwechsel schienen die Herthaner zunächst alles im Griff zu haben, doch der SV Werder gab sich keineswegs geschlagen und suchte seine Chance. Aus einem Angriff der Berliner entwickelte sich ein Konter, der 40-Meter-Lauf von Finn Bartels wurde nicht rechtzeitig unterbunden, sodass Rune Almenning Jarstein am Ende machtlos war. "Das darf uns so nicht passieren. Da müssen wir reifer und souveräner agieren", bilanzierte Langkamp im Anschluss. Da trat auch in den Hintergrund, dass Jarstein und seine Vorderleute eine neue Rekordserie ohne Gegentor aufgestellt hatten - mit 487 Minuten exakt eine länger als in der Spielzeit 1998/99.

Größer war die Freude allerdings, als der gerade eingewechselte Johannes van den Bergh Salomon Kalou das 3:1 aufgelegt hatte. Doch auch dieses Tor brachte nicht die erhoffte Vorentscheidung. "Der Elfmeter war so ein bisschen der ausschlaggebende Moment. Aus Bremer Sicht fiel das Tor genau im richtigen Moment", stellte Salomon Kalou fest - Claudio Pizarro hatte nur wenige Minuten später erneut verkürzt. In die allgemeine Hektik der Schlussphase sorgte ein Standard für den Ausgleich durch Santiago Garcia. "Man muss Bremen Respekt für die Leistung zollen. Sie haben es uns mit ihren Fans im Rücken schwer gemacht. Am Ende müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein, auch wenn wir enttäuscht sind."

Vorfreude auf Dortmund-Heimspiel


"Wenn man 3:1 führt, muss man gewinnen. Dass es nur ein Punkt geworden ist, ist kein gutes Gefühl", meinte auch Jarstein, doch der Keeper richtete den Blick - wie auch die gesamte Mannschaft am Tag danach - auch gleich wieder voraus: "Wir werden über die Fehler sprechen und uns dann im nächsten Spiel weiter steigern." Am kommenden Wochenende geht es dann im Duell Dritter gegen Zweiter gegen Borussia Dortmund. "Wir treffen jetzt auf einen absoluten Topgegner. In dem Spiel können wir wieder überprüfen, wohin unsere Entwicklung gegangen ist", schwingt auch bei Cheftrainer Pál Dárdai schon wieder Vorfreude mit.

(war,fw/City-Press)

Teams, 16.01.2018
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