Bild: citypress

Ein Mann der Taten

Herthas Offensivspieler Sami Allagui überzeugte beim 4:2-Sieg gegen den MSV Duisburg.

Berlin - Nach einem herrlichen doppelten Doppelpass zwischen Adrian Ramos und Ronny kam der Brasilianer in der 64. Spielminute der Zweitligapartie zwischen Hertha BSC und dem MSV Duisburg frei zum Abschluss. MSV-Torhüter Felix Wiedwald konnte den aus zentraler Position abgegebenen Schuss nur mit viel Mühe zur Seite, direkt vor die Füße von Sami Allagui, abwehren. Der Deutsch-Tunesier schaute, zielte und verzog den Ball völlig – aber das Glück kehrte am Sonntag (10.03.13) wieder auf die Seite von Allagui, denn der zurückeilende Duisburg-Stürmer Sören Brandy wuchtete den Ball über die eigene Torlinie zum zwischenzeitlichen 4:1 für die Herthaner. "Richtig optimal war mein Schuss nicht", musste Allagui selbst über den verunglückten Torabschluss schmunzeln. Noch amüsierter zeigte sich der 26-Jährige über die Tatsache, dass die Deutsche Fußball Liga (DFL) den Treffer seinem Torekonto gutschrieb. "Ich kann mich darüber nicht beschweren, denn als Stürmer will man so viele Treffer wie nur möglich erzielen", erklärte der nun sechsfache Saisontorschütze, nicht ohne eine recht mitleidige Botschaft an seinen Duisburger Kollegen zu richten: "Für Brandy ist es natürlich angenehmer, nicht mehr in der Statistik aufzutauchen."

Bereits das 3:1 (57.) konnte sich der Hertha-Stürmer, der eine beeindruckende Leistung abrief, auf die Fahne schreiben – vollkommen ohne gegnerische Mithilfe. Zuletzt durchlebte der in Düsseldorf geborene Offensivspieler aber eine schwierige Phase in der Hauptstadt, denn für die zwei vorhergehenden Partien fiel Allagui komplett aus dem Kader. "So etwas kommt im Fußball vor, aber ich habe die Ärmel hochgekrempelt und noch mehr Gas gegeben", unterstrich der Rechtsfuß, der seine Profikarriere beim RSC Anderlecht in Belgien startete, seine Kämpferqualitäten. Neben Ronny, der an allen vier Toren der Berliner beteiligt war, bestach der tunesische Nationalspieler als prägende Figur beim 4:2-Erfolg gegen die 'Zebras'. "Wir haben eine gute Reaktion auf das letzte Spiel gezeigt und eine starke Leistung abgeliefert", bilanzierte Allagui.

Sami Allagui in Bildern
Rubrik 11.03.2013
Sami Allagui

Offensive Interpretation

Der Cheftrainer von Hertha BSC Jos Luhukay wirkte nahezu erleichtert über die tolle Vorstellung seines Stürmers. "Ich hoffe, dass der Knoten bei ihm geplatzt ist und dieses Spiel ihm einen Schub an Selbstvertrauen mit auf den Weg gibt", so Luhukay, der Allagui auf der rechten Mittelfeldseite als Ersatz für den verletzten Marcel Ndjeng aufstellte und damit wieder einmal sein 'Goldenes Händchen' bewies. "Vor der Winterpause fehlte Sami das Quäntchen Glück im Spiel und Abschluss", sagte der Coach, der sich von den Torerfolgen die nötige Leichtigkeit für den Neuzugang, der im Sommer vom FSV Mainz 05 zu Hertha wechselte, erhoffe.

Im Laufe der Saison legte sich Luhukay auf das Spielsystem mit einer Sturmspitze fest. Ramos spielte sich auf der Position in vorderster Front fest, sodass sich Allagui mit der Rolle auf der Außenbahn anfreunden musste. In intensiven Gesprächen zwischen dem Stürmer und dem Coach ging es auch um die Interpretation dieser Aufgabe als Außenbahnspieler. "Sami hat alle Freiheiten in seinem Spiel", sagte Luhukay, der in der Folge ins Schwärmen geriet: "Eigentlich ist er kein Außenstürmer, sondern ein zentraler Akteur. Aber er hat das Gefühl, wie er sich im Strafraum postieren muss. Dieses Näschen beweist er, wenn er von außen in den Sechszehner zieht." Auch der 'gelernte Stürmer' ist inzwischen mental auf der ungewohnten Position angekommen: "Ich nehme die Aufgabe an, die immer noch eine offensive Ausrichtung hat. Ich versuche flexibel zu spielen und noch mehr Druck nach vorne zu entfachen." Der 1,84 Meter große Angreifer ist nicht nur ein hervorragender Fußballer, sondern auch charakterlich gefestigt und äußerst selbstkritisch. "Ich habe mir vorgenommen auch von der rechten Seite mehr Torgefahr auszustrahlen. Das konnte ich gegen den MSV schon gut umsetzen."

Starke Flügelzange

Die Herthaner spielten gegen Duisburg befreit auf, sodass sich das Gefühl aufdrängte, dass die Niederlage gegen Dresden einen zusätzlichen Motivations- und Leistungsschub ausgelöst hat. Variabel und variantenreich trug der Spitzenreiter der Zweiten Liga seine Angriffe auf den Kasten des MSV vor. Allagui und Nico Schulz, der über die linke Flanke für spielerische Akzente sorgte, bildeten eine durchschlagskräftige Flügelzange, die die Hintermannschaft der 'Zebras' mächtig in die Mangel nahm. "Unser Spiel über die Außen hat sehr gut geklappt", befand Schulz. "Für Duisburg waren wir schwer auszurechnen." Hinzu kam wieder einmal die konsequente und fast schon rituelle Klasse bei Standardsituationen, wie beim 1:0 (12.) durch Ramos und dem 3:1 von Allagui.

Als Ndjeng-Vertreter wusste der Spieler mit der Rückennummer elf zu überzeugen und möchte auch weiterhin seine Einsatzchancen erhalten: "Ich denke von Spiel zu Spiel und möchte wie jeder Fußballer auf dem Feld stehen." Es ist ein Zeichen von persönlicher Stärke, sich einer Reservistenrolle zunächst anzunehmen und aus dieser Stellung heraus neu anzugreifen. Sami Allagui ist kein Mann der vielen und breit getretenen Worte. Für den Stürmer auf der Außenbahnexpedition ist es weitaus wichtiger, Taten sprechen zu lassen. Seine Darbietung im Spiel gegen den MSV Duisburg war aussagekräftig genug und beweist nachdrücklich, dass er ein wichtiger Faktor im Team von Hertha BSC ist und für die restlichen neun Saisonspiele sein wird. Denn das Glück ist wieder auf seine Seite gekehrt.

Teams, 16.01.2018
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