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Kollektiv mit Courage

Mit einer tollen Mannschaftleistung sichterten sich die Blau-Weißen einen verdienten Punkt in Dortmund.

Dortmund/Berlin - Es war ein Spitzenspiel, das seinen Namen verdient hatte. Der Zweite beim Dritten, Freitagabend, 20.30 Uhr, Flutlich, 80.000 Zuschauer. Zwei Tore und zwei Rote Karten - gerecht verteilt auf beiden Seiten - garnierten das stimmungsgeladene Spiel, mit vielen Zweikämpfen, körperbetontem Spiel von Hertha BSC bei Borussia Dortmund. Valentin Stocker war einer der Hauptdarsteller - zwischen gefeiertem Helden und tragischer Figur. Herthas Schütze zum 1:0 sah kurz vor Schluss die Rote Karte und resümierte die Partie kurz und treffend: "Was für ein verrücktes Spiel für mich. Erst der fanatische Jubel über mein Tor und die Führung und dann kurz vor Schluss leider eine ziemlich dumme Aktion von mir - ich wollte natürlich niemanden verletzen. Sorry dafür! Zum Glück konnte die Mannschaft dann trotzdem noch den Punkt holen!"

Dabei hatte die Begegnung der beiden Tabellennachbarn eher ruhig begonnen. Nach kurzer Eingewöhnungszeit standen die Schützlinge von Trainer Pál Dárdai defensiv gut und setzten die vielversprechenderen Akzente. "Wir haben versucht, Dortmund ihre Stärken zu nehmen. Das ist die Geschwindigkeit, das Spiel zwischen den Linien. Wenn sie aufdrehen können, sind sie unheimlich schwer zu verteidigen. Das haben wir ganz gut verhindert", erläuterte Sebastian Langkamp den Plan. Nach der frühen und in den ersten 45 Minuten einzigen Chance der Borussen durch Emre Mor, sorgten die Berliner selbst für Gefahr. Die Gastgeber besaßen deutlich mehr Ballbesitz, die Gäste die Chancen: Zweimal Alexander Esswein und Stocker hätten noch vor der Pause für die Führung der Blau-Weißen sorgen können. Dárdai war zufrieden: "Kompliment an meine Mannschaft. Sie hat gerade in der ersten Halbzeit sehr gut umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Wir haben es Dortmund nicht einfach gemacht, zu agieren."

Gesehen...
Rubrik 14.10.2016
Borussia Dortmund - Hertha BSC

Hacke, kurzes Eck, 1:0

Torlos ging es in den zweiten Durchgang und nachdem erneut Mor die erste Chance vergeben hatte, schlug Stocker zu. Wunderbar mit einem Hackenpass von Vedad Ibisevic freigespielt. Frei vor Roman Bürki blieb der Schweizer eiskalt und überwand seinen Landsmann im kurzen Eck (51.). Danach drückte Schwarz-Gelb, "in der zweiten Halbzeit sind wir besser ins Spiel gekommen, das Gegentor hat uns vielleicht sogar ein bisschen geholfen, freier zu spielen", befand auch BVB-Trainer Thomas Tuchel. Die Hausherren kamen nun zu ihren Chancen, doch ein weiterer Herthaner schickte sich neben Stocker an, sich als 'Spieler des Spiels' zu bewerben: Rune Almenning Jarstein! Herthas Keeper unterstrich seine glänzende Form der letzten Wochen und lieferte sich ein kleines Privatduell mit Pierre-Emerick Aubameyang.

Gesagt...

"Er strahlt sehr viel Ruhe aus - das ist sehr wichtig für uns."

Sebastian Langkamp über seinen Keeper Rune Jarstein

Dortmunds Topangreifer tauchte ganz frei vor Jarstein auf. Herthas Schlussmann roch Aubameyangs Vorhaben förmlich und lenkte den Lupfer an den Pfosten. "Rune hat das überragend gemacht. Er wusste, dass Aubameyang hin und wieder den Lupfer probiert. Das zeichnet ihn aus - es gehört aber auch etwas Glück dazu. Das gehört dazu, wenn man in Dortmund etwas mitnehmen will", gratulierte Niklas Stark. Und sogar einen Elfmeter parierte der Norweger. Genki Haraguchis Hand war angeschossen worden, doch Aubameyang fand in Jarstein seinen Meister. "Kompliment an Rune. Nach dem gehaltenen Elfmeter hatte man das Gefühl, dass hier vielleicht mehr drin ist. Er strahlt sehr viel Ruhe aus - das ist sehr wichtig für uns", zeigte sich auch Langkamp von der Leistung seines Schlussmanns begeistert. "Vor so einer Kulisse einen Elfmeter halten - da ist der Adrenalinspiegel ganz weit oben", schmunzelte Jarstein hinterher.

Zwei Rote Karten in der Schlussphase


Dass es dann doch keine drei Punkte wurden, lag dann doch an Aubameyang, der einen scharfen Querpass zehn Minuten vor dem Ende zum nicht unverdienten Ausgleich über die Linie drückte. "Ein 1:1 in Dortmund ist ein gutes Ergebnis für uns. Natürlich sind wir ein bisschen enttäuscht, dass es nicht auch drei geworden sind", fand Herthas Nummer 22. Die Schlussphase hatte es dann ebenfalls in sich. Erst sah Dortmunds Mor die Rote Karte, wenig später Stocker. Am Ende blieb es bei der Punkteteilung und minderte den persönlichen Ärger Stockers ein wenig. Herthas Manager Michael Preetz gratulierte Dárdais Mannschaft zur Courage: "Es ist wichtig, hier den Weg nach vorne zu suchen, sonst ist es nur eine Frage der Zeit, bis es hinten klingelt." Und charmant beantwortete Preetz auch die Frage nach seiner Meinung zum 'Spieler des Spiels': "Ich fand, die Mannschaft hat es als Ganzes hervorragend gemacht!"

(war/City-Press)

Profis, 05.11.2018