Bild: privat

#HERTHAMUSEUM: Ein Berliner Fußballfest ohne Stacheldraht

Am Samstag (02.11.19) treffen Hertha BSC und der 1. FC Union Berlin erstmals in der Bundesliga aufeinander. Die 36. Ausgabe des #HerthaMuseum blickt zu diesem historischem Anlass auf die allererste Begegnung beider Mannschaften nach dem Mauerfall zurück.
#HERTHAMUSEUM: Ein Berliner Fußballfest ohne Stacheldraht
Am Samstag treffen Hertha BSC und der 1. FC Union Berlin erstmals in der Bundesliga aufeinander. 

Berlin – 79 Tage nachdem Günter Schabowski, Sekretär für Informationswesen der DDR, die Berliner Mauer am 9. November 1989 quasi zum Einsturz gebracht hatte, treffen die beiden populärsten Berliner Fußballvereine in einem 'Wiedervereinigungsspiel' zusammen. Am 27. Januar 1990 verleihen 51.270 Zuschauerinnen und Zuschauer, davon nahezu 35.000 Bürger aus der ehemaligen DDR, der Begegnung im Berliner Olympiastadion einen würdigen Rahmen. Die Karten für dieses freundschaftliche Kräftemessen kosten aufgrund des finanziellen Engagements der Wirtschaft lediglich fünf West- bzw. Ostmark.
Deutsch-deutsches Fußballfest
Die beiden Trainer der damaligen Zweitligisten, auf Seiten der Blau-Weißen Werner Fuchs und bei den Köpenickern Karsten Heine, erhoffen sich kurz vor Rückrundenbeginn wichtige sportliche Erkenntnisse, allerdings stand eindeutig der freundschaftliche und wiedervereinende Charakter dieser Partie im Mittelpunkt. Symbolisch dient dafür das Bild, als die Mannschaftskapitäne Dirk Greiser und Otto Seier gemeinsam das Spielfeld betreten und Arm in Arm freudestrahlend in die Kameras der Fotografen blicken. "Ich erinnere mich wenig an das Sportliche, ich weiß noch, dass ich damals als 19-Jähriger zur Pause eingewechselt wurde. Vielmehr an das Drumherum. Es herrschte eine atemberaubende Stimmung, Fans von Hertha und Union lagen sich in den Armen, denn zwischen beiden Vereinen bestand eine Art Fanfreundschaft. Auch auf dem Rasen war das Verhältnis freundschaftlich, auch wenn wir das Spiel natürlich unbedingt gewinnen wollten", sagt Sven Kretschmer, heute verantwortlich für das Scouting der Blau-Weißen und damals Jungprofi. Für einen Spieler der Blau-Weißen ist diese Partie etwas ganz Besonderes: Axel Kruse trägt zum ersten Mal das Trikot der 'Alten Dame'. Der in Wolgast geborene Angreifer war im Juli 1989 bei einem Freundschaftsspiel von Hansa Rostock in Kopenhagen über Hamburg nach Berlin geflüchtet. Bis Jahresende war der Blondschopf nicht spielberechtigt.
Für den 'Neuzugang' läuft der Auftakt perfekt: In der 13. Spielminute markiert der damals 22-Jährige nach einem von Thorsten Gowitzke raffiniert getretenen und zunächst von Torhüter Henryk Lihsa parierten Freistoß per Abstauber den Führungstreffer. Allerdings schlägt Union nur zwölf Zeigerumdrehungen später zurück, als André Sirocks mit einem Fernschuss aus 20 Metern Hertha-Schlussmann Walter Junghans zum Ausgleich überwindet. Die große Chance zum 2:1 für die Hausherren verpasst unmittelbar nach Wiederanpfiff Theo Gries. Der Herthaner scheitert zunächst am linken Pfosten und setzt den Abpraller dann knapp daneben. Danach verflacht die Begegnung etwas. Doch acht Minuten vor Spielende schießt Dirk Greiser mit einem fulminanten Dropkick aus 22 Metern die Fuchs-Elf zum umjubelten Sieg.
2:1-Sieg am Ende nebensächlich
Nach dem Abpfiff sind sich beide Trainer einig, dass das Resultat eine untergeordnete Rolle spielt. "Kein Zuschauer musste sein Kommen bereuen", sagt Karsten Heine, während Wolfgang Fuchs konstatiert. "Wille, Einsatz und Laufbereitschaft waren auf beiden Seiten hervorragend." Das letzte Wort gehört Otto Seier, Kapitän des 1. FC Union. "Ich möchte erstmal unserem Gegner herzlichen Glückwunsch aussprechen. Sie haben ebenfalls wie wir zu einem hervorragenden Fußballspiel beigetragen. Wir sind in der Vorbereitung und zum Ende hat es vielleicht doch kräftemäßig nicht gereicht, aber rundherum eine hervorragende, optimale Sache."
Dieses Freundschaftsspiel bildet (sportlich-)historisch betrachtet, den Abschluss einer Trennung, die auf beiden Seiten emotional geprägt war. Dafür sprechen bekannte Fan-Bekenntnisse wie 'Freunde hinter Stacheldraht', 'Hertha und Union – eine Nation', 'Es gibt nur zwei Meister an der Spree – Union und Hertha BSC' sowie 'Wir halten zusammen wie der Wind und das Meer – die blau-weiße Hertha und der FC Union'.
Chance für den Berliner Fußball
In der Hauptstadt ist aus der damaligen engen Freundschaft zwischen den älteren Fan-Generationen von Hertha BSC und dem 1. FC Union bei den jüngeren Fan-Genrationen eine Nachbarschaft geworden - natürlich mit sportlicher Rivalität. Oder um es mit Sven Kretschmer zu sagen: "Von dem Derby erwarte ich mir einiges, sportlich natürlich drei Punkte! Egal wo auf der Welt: Jede Mannschaft will ein Derby gewinnen, da steht viel Prestige auf dem Spiel. Es gibt keine Hauptstadt, in der zwei große Vereine ohne Rivalität Fußball spielen. In der Bundesliga gab es dieses Duell bisher noch nicht, ich kann mir vorstellen, dass der Fokus in der Stadt schon Wochen vorher auf der Partie liegen wird. Ich hoffe, dass der Berliner Fußball dadurch noch einmal einen Schub bekommt."
(fs,fw/HerthaBSC)

Berlin – 79 Tage nachdem Günter Schabowski, Sekretär für Informationswesen der DDR, die Berliner Mauer am 9. November 1989 quasi zu Fall gebracht hatte, treffen die beiden populärsten Berliner Fußballvereine in einem 'Wiedervereinigungsspiel' zusammen. Am 27. Januar 1990 verleihen 51.270 Zuschauerinnen und Zuschauer, davon nahezu 35.000 Bürgerinnen und Bürger aus der ehemaligen DDR, der Begegnung im Berliner Olympiastadion einen würdigen Rahmen. Die Karten für dieses freundschaftliche Kräftemessen kosten aufgrund des finanziellen Engagements der Wirtschaft lediglich fünf West- bzw. Ostmark.

Deutsch-deutsches Fußballfest

Die beiden Trainer der damaligen Zweitligisten, auf Seiten der Blau-Weißen Werner Fuchs und bei den Köpenickern Karsten Heine, erhoffen sich kurz vor Rückrundenbeginn wichtige sportliche Erkenntnisse, allerdings stand eindeutig der freundschaftliche und wiedervereinende Charakter dieser Partie im Mittelpunkt. Symbolisch dient dafür das Bild, als die Mannschaftskapitäne Dirk Greiser und Otto Seier gemeinsam das Spielfeld betreten und Arm in Arm freudestrahlend in die Kameras der Fotografen blicken. "Ich erinnere mich wenig an das Sportliche, ich weiß noch, dass ich damals als 19-Jähriger zur Pause eingewechselt wurde. Vielmehr an das Drumherum. Es herrschte eine atemberaubende Stimmung, Fans von Hertha und Union lagen sich in den Armen, denn zwischen beiden Vereinen bestand eine Art Fanfreundschaft. Auch auf dem Rasen war das Verhältnis freundschaftlich, auch wenn wir das Spiel natürlich unbedingt gewinnen wollten", sagt Sven Kretschmer, heute verantwortlich für das Scouting der Blau-Weißen und damals Jungprofi. Für einen Spieler der Blau-Weißen ist diese Partie etwas ganz Besonderes: Axel Kruse trägt zum ersten Mal das Trikot der 'Alten Dame'. Der in Wolgast geborene Angreifer war im Juli 1989 bei einem Freundschaftsspiel von Hansa Rostock in Kopenhagen über Hamburg nach Berlin geflüchtet. Bis Jahresende war der Blondschopf nicht spielberechtigt.

Für den 'Neuzugang' läuft der Auftakt perfekt: In der 13. Spielminute markiert der damals 22-Jährige nach einem von Thorsten Gowitzke raffiniert getretenen und zunächst von Torhüter Henryk Lihsa parierten Freistoß per Abstauber den Führungstreffer. Allerdings schlägt Union nur zwölf Zeigerumdrehungen später zurück, als André Sirocks mit einem Fernschuss aus 20 Metern Hertha-Schlussmann Walter Junghans zum Ausgleich überwindet. Die große Chance zum 2:1 für die Hausherren verpasst unmittelbar nach Wiederanpfiff Theo Gries. Der Herthaner scheitert zunächst am linken Pfosten und setzt den Abpraller dann knapp daneben. Danach verflacht die Begegnung etwas. Doch acht Minuten vor Spielende schießt Dirk Greiser mit einem fulminanten Dropkick aus 22 Metern die Fuchs-Elf zum umjubelten Sieg.

2:1-Sieg am Ende nebensächlich

Nach dem Abpfiff sind sich beide Trainer einig, dass das Resultat eine untergeordnete Rolle spielt. "Kein Zuschauer musste sein Kommen bereuen", sagt Karsten Heine, während Werner Fuchs konstatiert. "Wille, Einsatz und Laufbereitschaft waren auf beiden Seiten hervorragend." Das letzte Wort gehört Otto Seier, Kapitän des 1. FC Union. "Ich möchte erstmal unserem Gegner herzlichen Glückwunsch aussprechen. Sie haben ebenfalls wie wir zu einem hervorragenden Fußballspiel beigetragen. Wir sind in der Vorbereitung und zum Ende hat es vielleicht doch kräftemäßig nicht gereicht, aber rundherum eine hervorragende, optimale Sache."

Dieses Freundschaftsspiel bildet (sportlich-)historisch betrachtet, den Abschluss einer Trennung, die auf beiden Seiten emotional geprägt war. Dafür sprechen bekannte Fan-Bekenntnisse wie 'Freunde hinter Stacheldraht', 'Hertha und Union – eine Nation', 'Es gibt nur zwei Meister an der Spree – Union und Hertha BSC' sowie 'Wir halten zusammen wie der Wind und das Meer – die blau-weiße Hertha und der FC Union'.

Chance für den Berliner Fußball

In der Hauptstadt ist aus der damaligen engen Freundschaft zwischen den älteren Fan-Generationen von Hertha BSC und dem 1. FC Union bei den jüngeren Fan-Genrationen eine Nachbarschaft geworden - natürlich mit sportlicher Rivalität. Oder um es mit Sven Kretschmer zu sagen: "Von dem Derby erwarte ich mir einiges, sportlich natürlich drei Punkte! Egal wo auf der Welt: Jede Mannschaft will ein Derby gewinnen, da steht viel Prestige auf dem Spiel. Es gibt keine Hauptstadt, in der zwei große Vereine ohne Rivalität Fußball spielen. In der Bundesliga gab es dieses Duell bisher noch nicht, ich kann mir vorstellen, dass der Fokus in der Stadt schon Wochen vorher auf der Partie liegen wird. Ich hoffe, dass der Berliner Fußball dadurch noch einmal einen Schub bekommt."

(fs,fw/HerthaBSC)

Hertha-Historie, 28.10.2019
Social