#HerthaMuseum: Bundesliga-Auftakt gegen Nürnberg 1963 & 2018

In der neunten Geschichte unserer Serie von Rückblicken in die Vereinshistorie legen wir den Fokus auf Herthas erstes Bundesliga-Spiel am 24. August 1963 gegen den 1. FC Nürnberg.

Berlin – Mit der Partie gegen den 1. FC Nürnberg beginnt für Hertha BSC an diesem Samstag (25.08.18, 15:30 Uhr) die Bundesliga-Saison 2018/19. Für den Hauptstadtclub ist es inzwischen die 36. Spielzeit in der deutschen Beletage. Was viele nicht wissen dürften: Es ist ein Duell mit großer Tradition! Denn vor 54 Jahren und 364 Tagen kreuzten sich die Wege beider Vereine ebenfalls im Olympiastadion - damals war es die Paarung, die einst die allererste Spielzeit im neuen Oberhaus eröffnete.

Wie alles begann

Wir blicken zurück: Am 28. Juli 1962 wird auf dem 14. Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ein Beschluss getroffen, der Fußball-Deutschland grundlegend verändert und für die Zukunft prägt. Im Goldsaal der Westfalenhalle in Dortmund geben die Anwesenden nach mehrstündiger Debatte dem Antrag des Vorstandes 'Bundesliga mit Lizenzspielern zum 1. August 1963' mit der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit von 103:26 Stimmen statt. Der DFB-Beirat legt kurz darauf die regionale Aufteilung der 16 Vereine für die neu geschaffene Fußball-Bundesliga fest. Der Süden und der Westen erhalten jeweils fünf Startplätze, der Norden darf drei, der Südwesten zwei Vereine entsenden. Das seit August 1961 von der Mauer eingeschlossene Berlin (West) wird mit einem Startplatz bedacht. Am 31. Dezember 1962 endet die Bewerbungsfrist für die insgesamt 74 Oberliga-Vereine der jeweilgen Landesverbände.

Letztendlich gehen beim DFB 46 Bewerbungen ein. Der DFB-Beirat hat zuvor die Grundlagen beschlossen, die für die Vergabe der 16 Lizenzen gelten. Die Hauptgewichtung liegt auf sportlichen Kriterien, aber auch wirtschaftliche und technische Voraussetzungen finden Berücksichtigung. Hierzu wählt der DFB einen komplizierten Bewertungsschlüssel, der die sogenannte 'Zwölfjahreswertung' beinhaltet und das sportliche Abschneiden in der Oberliga (Vertragsliga in Berlin) seit 1951/52 mit unterschiedlicher Gewichtung der jeweiligen Spielzeiten, aber auch die Teilnahmen an Pokal-Endspielen sowie Endrunden um die Deutsche Meisterschaft umfasst. Zusätzlich ist der Nachweis eines Jahresumsatzes in Höhe von mindestens 400.000 DM zu erbringen, ein Stadion mit Flutlichtanlage und einer Zuschauerkapazität von mindestens 35.000 Zuschauern ist ebenfalls gefordert.

Am 11. Januar 1963 gibt der DFB die ersten neun Teilnehmer bekannt. Es sind die Vereine Werder Bremen, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, FC Schalke 04, Hamburger SV, 1. FC Nürnberg, 1. FC Köln, 1. FC Saarbrücken – sowie Hertha BSC, als amtierender Meister der Vertragsliga-Saison 1962/1963 und somit Berliner Vertreter. Vier Monate später gehen Anfang Mai 1963 die verbleibenden sieben Startberechtigungen an Eintracht Braunschweig, den 1. FC Kaiserslautern, den Karlsruher SC, den Meidericher SV, den TSV 1860 München, Preußen Münster und den VfB Stuttgart.

Die Hertha-Mannschaft der Gründungssaison 1963/64

Josef 'Jupp' Schneider, bisher Sportlehrer des Berliner Fußball-Verbandes (VBB) übernimmt zum Bundesliga-Start die Mannschaft von Johannes 'Hanne' Sobek. Das Team um Kapitän Helmut Faeder, das nach einem Sieg, einem Remis und vier Niederlagen lediglich den dritten und somit vorletzten Platz in der Vorrundengruppe I um die Deutsche Meisterschaft 1962/63 belegt, muss für das 'Abenteuer Bundesliga' unbedingt verstärkt werden. Vier Spieler aus dem Westen stoßen zu den Blau-Weißen. Uwe Klimaschefski (von Bayer Leverkusen), Otto Rehhagel (von Rot-Weiß Essen), Harald Beyer (von Preußen Münster) sowie der gebürtige Berliner Carl-Heinz Rühl (von Viktoria Köln) kommen nach Berlin.

Der Verein, der zudem seit dem Mauerbau 1961 sinkende Zuschauerzahlen und -einnahmen hinzunehmen hat, muss für diese vier neuen Spieler rund 250.000 DM aufbringen. Inwiefern die Verpflichtungen das Team wirklich verstärken, ist zu diesem Zeitpunkt schwierig einzuschätzen. Die Testspiele gegen die eigene Reserve und Tennis Borussia gewinnen die Herthaner deutlich, es folgen jedoch Niederlagen bei Standard Lüttich und gegen die PSV Eindhoven im heimischen Olympiastadion. Die Spieler wirken müde, doch der neue Trainer besteht weiterhin auf das fünfmalige Training in der Woche als Mindestanforderung für den bald beginnenden Bundesliga-Alltag. Und so titelt die 'Illustrierte Berliner Zeitung' dann auch: "Hertha BSC in der Bundesliga - Titelanwärter oder Abstiegskandidat?"

Der Start in die neue Bundesliga

Nach einer intensiven Vorbereitung ist es am 24. August 1963 endlich soweit. Der Spielplan beschert Hertha BSC an einem Samstag um 17 Uhr ein Heimspiel zur Bundesliga-Premiere. Gegner Nürnberg, bis dahin achtmaliger Deutsche Meister, ist direkt ein richtiges Kaliber. Offiziell finden sich 50.074 Zuschauer im größten Stadion der Bundesrepublik ein, um die Berliner mit den Spielern Wolfgang Tillich, Otto Rehhagel, Hans-Günter Schimmöller, Paul Schlesinger, Hans Eder, Hans-Joachim Altendorff, Uwe Klimaschfski, Helmut Faeder, Carl-Heinz Rühl, Harald Beyer und Lutz Steinert gegen den 'Club' aus Nürnberg mit dem mittlerweile 38-jährigen Weltmeister Max Morlock zu unterstützen.

Nach einer nervösen Anfangsphase beider Mannschaften haben Offensivreihen Chancen, Klimaschefski vergibt die beste Chance der Heimelf, die Gäste bugsieren das Spielgerät drei Mal ans Aluminium. Kurz vor der Pause bringt Morlock die 'Clubberer' mit einem Schuss aus spitzem Winkel mit 1:0 in Führung. In der zweiten Halbzeit klärt 'FCN'-Torwart Roland Wabra einen Berliner Eckball zu kurz, der Ball springt Morlock unglücklich an die Hand und Schiedsrichter Rolf Seekamp entscheidet auf Elfmeter. Schimmöller tritt an und verwandelt zum 1:1. Er ist somit der Torschütze des ersten Bundesliga-Tores für Hertha BSC. Nach ungenutzten Chancen auf beiden Seiten bleibt es letztendlich beim gerechten Remis in dieser geschichtsträchtigen Partie.

Quo vadis Hertha BSC & 1.FC Nürnberg ?

Nun also, 54 Jahren und 364 Tagen nach diesem Premierenspiel, treffen beide Mannschaften wieder aufeinander. Die Vorzeichen sind vor dem erneuten Wiedersehen im Olympiastadion andere. Der 'Club' reist nach dem achten Abstieg in der Vereinsgeschichte 2014 nun als Aufsteiger in die Hauptstadt, während die Schützlinge von Pál Dárdai sich in der Bundesliga etabliert haben, sogar international gespielt haben. Auch aus diesem Grund möchten die Blau-Weißen mit einem Heimsieg starten - und hoffen dabei auf die Unterstützung der Fans! Die Zukunft gehört Berlin.

(js/HerthaBSC)

Museum, 18.10.2018
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