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#HerthaMuseum: Erster Heimsieg gegen Bayern

In der zehnten Geschichte unserer Serie von Rückblicken in die Vereinshistorie legen wir den Fokus auf Herthas ersten Bundesliga-Heimsieg gegen den FC Bayern München am 01. Februar 1975.

Berlin – In der Saison 1968/1969 treffen Hertha BSC und Bayern München erstmalig in der Fußball-Bundesliga aufeinander. Die Münchener behalten in beiden Aufeinandertreffen die Oberhand. Der erste Erfolg um Bundesliga-Punkte gelingt den Blau-Weißen am 11. Spieltag der Saison 1969/1970, im dritten Anlauf beim bis dahin zu Hause verlustpunktfreien Tabellenführer. Jürgen Weber und Arno Steffenhagen erzielen die beiden Treffer zum 2:1, kurz vor dem Siegtreffer pariert Hertha-Torwart Gernot Fraydl einen von Gerd Müller geschossenen Foulelfmeter.

In den nächsten zehn Bundesliga-Partien gehen die Bayern sieben Mal als Sieger hervor, dreimal trotzen die Berliner dem Gegner ein Remis ab. Diese drei dramatischen und hochklassigen Partien erleben jeweils über 70.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion. Das Duell dieser beiden Mannschaften entwickelt sich besonders im geteilten Berlin zu einem Klassiker.

Umgekehrte Vorzeichen: Vor dem Duell im Februar 1975

Nach der Hinrunde der Saison 1974/1975 steht der Titelträger der vergangenen drei Spielzeiten mit seinen fünf frischgebackenen Weltmeistern Sepp Maier, 'Katsche' Schwarzenbeck, Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß und Gerd Müller lediglich auf dem 14. Tabellenplatz. Zum Rückrundenauftakt unterliegen die Bayern den aufstrebenden Offenbacher Kickers, Franz Beckenbauer unterläuft im Münchener Olympiastadion zudem ein Eigentor.

Die Formkurve von Hertha BSC zeigt hingegen nach oben, die Berliner stehen vor Beginn der Rückrunde punktgleich mit Borussia Mönchengladbach überraschend auf dem zweiten Tabellenplatz und erringen am 18. Spieltag nach einem torlosen Remis bei Fortuna Düsseldorf einen wichtigen Auswärtspunkt. 

Die Bayern werden seit Mitte Januar 1975 pikanterweise von Trainer Dettmar Cramer (aufgrund seiner Körpergröße auch 'Napoleon' genannt) betreut, der eigentlich zu Beginn der Saison das Traineramt bei Hertha BSC übernommen hat. Nach Uneinigkeiten zwischen der Vereinsführung und dem Trainer löst Dettmar Cramer den Vertrag jedoch bereits nach der ersten Trainingseinheit am 09. Juli 1974 auf. Er begleitet die Mannschaft anschließend noch ins Trainingslager, bevor Hertha BSC kurz darauf 'Sir' Georg Kessler als neuen Trainer verkündet.

Jubelnde Herthaner und ein düpierter 'Kaiser'.

Der Spieltag: Nebel über Berlin

Am ersten Februar-Samstag 1975 machen sich bei diesigem Wetter rund 80.000 Zuschauer auf den Weg in das Berliner Olympiastadion, um endlich den ersten Bundesliga-Heimsieg von Hertha BSC gegen die Münchener zu erleben.

Nach einer Freistoßflanke von Erich 'Ete' Beer und dem anschließenden Kopfball von Erwin Hermandung in den Münchener Strafraum ist es Franz Beckenbauer mit seinem zweiten Eigentor innerhalb von acht Tagen, der die Herthaner bereits in der neunten Spielminute in Führung bringt. Die Berliner scheinen danach von der frühen Führung selbst überrascht, der nach wie vor vorhandene und fast hemmend wirkende Respekt vor den Münchenern bereitet in der zwölften Spielminute den Weg zum nahezu postwendenden Ausgleich durch Karl-Heinz Rummenigge. Wenig später ist es erneut Franz Beckenbauer, der nach einer Flanke von Erwin Hermandung fast sein zweites Eigentor an diesem Tag erzielt – den mit einem artistischen Seitfallrückzieher auf das Tor gezirkelten Ball kann Torwart Sepp Maier aber gerade noch vor der Linie ins Toraus befördern. Mit dem 1:1 geht es in die Halbzeitpause.

Kurz nach Wiederanpfiff fängt Beer einen von Gerd Müller für Sepp Maier gedachten Rückpass im Münchener Strafraum ab, umkurvt den Nationaltorhüter und schiebt in der 47. Spielminute zur verdienten 2:1-Führung ein. Danach spielt Hertha BSC entfesselt, die Bayern resignieren im immer dichter werdenden Berliner Nebel zusehends. Folgerichtig fallen die Tore zum 3:1 durch Wolfgang Sidka in der 61. Spielminute und zum 4:1, erneut durch Ete Beer, mit einem fulminaten Fernschuss aus 19 Metern (85.). In der 88. Spielminute verpasst 'Funkturm' Kliemann sogar noch das 5:1, als er mit einem Foulelfmeter an Maier scheitert.

Vom Titelkandidaten zum Vizemeister 

Für Hertha BSC bedeutet dieser sechste Heimsieg in Folge den dritten Tabellenrang. Am Ende der Saison 1974/1975 holt der im heimischen Olympiastadion ungeschlagene Berliner Titelkandidat hinter Gladbach die Vizemeisterschaft - bis zum heutigen Tage die beste Platzierung in der Fußball-Bundesliga.

Der letze Heimsieg

Den letzten Triumph gegen den FC Bayern München feiert Hertha BSC mit einem 2:1 durch zwei Treffer von Andrey Voronin im ausverkauften Olympiastadion am 14. Februar 2009 – die Blau-Weißen setzen sich durch diesen Sieg sogar an die Tabellenspitze der Bundesliga.

In den vergangenen zwei Spielzeiten trennen sich beide Kontrahenten jeweils mit einem Remis in Berlin. Lediglich ein Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit der Nachspielzeit verhindert beim 1:1 am 18. Februar 2017 einen blau-weißen Heimsieg. Knapp acht Monate später erringen die Berliner am ersten Sonntag im Oktober 2017 nach einem 0:2-Rückstand noch einen verdienten Punkt. Freuen wir uns nun also auf eine neue Ausgabe des Klassikers, vielleicht endlich wieder mit einem Hertha-Sieg!

(fs/HerthaBSC)

Museum, 18.10.2018
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