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#HerthaMuseum: Die Berliner Mauer und Hertha BSC

In der achten Ausgabe unserer Serie blicken wir auf den Bau der Berliner Mauer im August 1961 und eine Solidaritätsaktion der Mitglieder von Hertha BSC aus dem Westteil der Stadt zurück.

Berlin – Vor mittlerweile über 50 Jahren, genauer gesagt am 13. August 1961, begannen die Bauarbeiten zur Errichtung der Berliner Mauer: Diese sollte nicht nur die Stadt für mehr als 28 Jahre trennen und immense weltpolitische Auswirkungen haben, sondern auch die Geschichte sowie die Entwicklung von Hertha BSC in vielfältiger Form nachhaltig beeinflussen und prägen.

Die Vorgeschichte und Entstehung der Berliner Mauer

Im Februar 1945 vereinbarten die Staatschefs der späteren Siegermächte Josef W. Stalin, Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill während der Konferenz von Jalta bereits die Unterteilung von Deutschland in vier Besatzungszonen, darunter auch das in der sowjetischen Besatzungszone befindliche Berlin, welches unter einem Sonderstatus fortan in vier Sektoren aufgesplittet wurde. Nach der Berlin-Blockade durch die Sowjetunion und der Luftbrücke der drei Westallierten USA, Großbritannien sowie Frankreich im Jahre 1948 sowie der Gründung der beiden deutschen Staaten Bundesrepublik Deutschland und Deutsche Demokratische Republik im Jahre 1949, wurde die innerdeutsche Grenze ab 1952 durch die DDR mit Zäunen und Alarmvorrichtungen gesichert, lediglich die Grenze zwischen West- und Ost-Berlin blieb zu diesem Zeitpunkt noch offen.

Von 1949 bis 1961 verließen Millionen Menschen, darunter zahlreiche gut ausgebildete Arbeiter und Akademiker, die DDR in Richtung Westen - die wirtschaftliche Lage mit einhergehenden Versorgungsproblemen verschlechterte sich daraufhin im Frühjahr 1961 rasant. Aufgrund dieser Entwicklungen begannen in den Morgenstunden des 13. August 1961 bewaffnete Grenzpolizisten mit Absperrarbeiten und errichteten Barrikaden aus Betonpfählen und Stacheldraht entlang der sowjetischen Sektorengrenze mitten durch Berlin. Zwei Monate nach den berühmten Worten "...niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten" des DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht auf einer Pressekonferenz vom 15. Juni 1961, war die Grenze nunmehr innerhalb von wenigen Tagen dicht.

Im Osten der Stadt beheimatete Vereinskameraden

Am 13. August 1961 bestritt die Mannschaft von Hertha BSC ein Meisterschaftsspiel bei Wacker 04. Aber drei Spieler aus dem Ostsektor fehlten, darunter auch Klaus Taube, der Mittelstürmer der Blau-Weißen. Taube, der 1949 eine Lehrstelle im Westteil der Stadt antrat, war seit 1951 Mitglied bei Hertha BSC, unterzeichnete 1956 den begehrten Lizenzspielervertrag, spielte im Juni 1960 mit einer Hertha BSC & Tennis Borussia-Auswahl im Olympiastadion gegen den FC Santos um Pelé und wurde zudem 1957 und 1961 Berliner Meister. Noch im Juni 1961 wirkte Taube in fünf der sechs Vorrundenpartien um die Deutsche Meisterschaft mit, scheiterte mit Hertha BSC jedoch als Tabellenvierter am 1. FC Nürnberg, Werder Bremen und dem 1. FC Köln. Ab jenem Sonntag lief er fortan nicht mehr für die Herthaner auf, denn aus Pankow kommend musste er feststellen, dass die Grenzübergänge und die S-Bahn-Zugänge in den Westteil der Stadt gesperrt waren.

Wenig später wurde auch das sportliche Ausmaß der Teilung der Stadt für Hertha BSC bekannt. 95 Vereinsmitglieder wurden als abgängig vermeldet. Taube musste in der Folge seinen Vereinsaustritt erklären, um in der DDR weiterhin Fußballspielen zu können. Als ehemaligem Grenzgänger blieben ihm Spitzenvereine der DDR verschlossen, weshalb er sich zunächst Lichtenberg 47 anschloss, bevor er bei Eintracht Pankow als Spieler und danach als bis 1947 Trainer seine letzte sportliche Heimat fand, der er bis zu seinem Tode im April 2017 verbunden blieb.

Während zuvor noch zahlreiche Ost-Berliner Fans und Mitglieder der 'Alten Dame' an die 'Ostmark-Kassen' der 'Plumpe' am Gesundbrunnen strömten, war dies nun von einem Tag auf den anderen und auf unabsehbare Zeit nicht mehr möglich. Hertha BSC reagierte schnell mit einer Solidaritätsaktion. Mit dem 'Rundschreiben Nr. 1/61' verkündete der 1. Vorsitzende Hans Höhne den einstimmigen Beschluss der Mitgliederversammlung vom 18. August 1961, die monatlichen Beitragszahlungen um 0,50 DM zu erhöhen, um die Verbundenheit mit den im Ostteil der Stadt beheimateten Vereinskameraden zum Ausdruck zu bringen. Diese Beitragserhöhung und eine durchgeführte Geldsammlung sollten dazu dienen, "den infolge der jüngsten politischen Ereignisse von uns getrennten Vereinskameraden Geschenkpäckchen als Liebesgaben zu übersenden".

Die Blau-Weißen in der geteilten Stadt

Die Berufung als amtierender Berliner Vertragsliga-Meister in die neu eingeführte Bundesliga sorgte 1963 für historischen Handlungsbedarf, die Mannschaft musste für den angestrebten Klassenerhalt verstärkt werden. Durch den Mauerbau erschien es im Gegensatz zu den westdeutschen Vereinen schwerer, auswärtige Spieler in die geteilte Stadt zu locken. Zumal die finanziellen Mittel auch wegen der durch die Teilung der Stadt um rund 20 Prozent verringerten Zuschauerzahlen knapp bemessen waren. Trotz des Klassenerhalts nach der ersten Bundesliga-Saison 1963/64 blieben die Probleme, die durch die Nachteile der Mauerteilung verschärft erschienen. Handgeldzahlungen in unerlaubter Höhe, die der Verein auslobte, um Hertha BSC für potentielle Neuzugänge attraktiv zu machen, führten aufgrund "erheblicher Verstöße gegen das Lizenzspielerstatut" zum Ausschluss durch den DFB aus der auf sportlicher Ebene gehaltenen Bundesliga der Saison 1964/65 beziehungsweise zur Zwangsversetzung in die Regionalliga.

In den folgenden mehr als zwei Jahrzehnten blieben Hertha-Fans in Ost und West trotz der unüberwindbaren Mauer in Kontakt. Die Verbindung zum Verein hielten die älteren Herthaner aus dem Ostteilteil der Stadt, da sie als Rentner in den Westen reisen durften und als Überbringer der Fanpost agierten. Die Kreativität der ostdeutschen Fans der Blau-Weißen kannte keine Grenzen, in aufwendiger und liebevoller Heimarbeit wurden blau-weiße Trikots und Schals angefertigt. Der Verein verschickte Weihnachtspäckchen, organisierte heimlich Weihnachtsfeiern. Spieler wie Uwe Klimaschefski und Erich 'Ete' Beer, aber auch Funktionäre wie Wolfgang Holst nahmen an heimlichen Fan-Treffen teil und beteiligten sich an Solidaritätsaktionen. Trainer Kuno Klötzer verteilte für die UEFA Pokal-Auftritte der Saison 1978/79 in Tiflis und Prag vor Ort Eintrittskarten an die aus der DDR angereisten Anhänger von Hertha BSC.

Diese Leidenschaft zu den Blau-Weißen wurde stets unter der Gefahr der Überwachung durch die Staatssicherheit und daraus resultierender Nachteile gelebt. Viele Vereinsmitglieder, darunter auch unser Herthaner des Jahres 2012 und Mitglied des Ältestenrats, Helmut Klopfleisch, können über derartige Erlebnisse berichten, aber auch vielfältige Anekdoten zu dieser Zeit erzählen. In dieser Zeit entsteht auch eine Fan-Freundschaft mit Anhängern des 1. FC Union ('Freunde hinter Stacheldraht'), auf den Rängen hört man den Schlachtruf "Es gibt nur zwei Meister an der Spree – Union und Hertha BSC!" - diese damalige Fan-Generation trifft sich auch heute noch, um Erinnerungen an die damalige Zeit auszutauschen.

Wie sehr Hertha BSC und seine Anhängerschaft in den 28 Jahren unter der Berliner Mauer gelitten haben, zeigte der 11. November 1989. An diesem Samstag strömten zwei Tage nach der Grenzöffnung inoffiziell nahezu 60.000 Zuschauer zur Zweitligapartie gegen Wattenscheid 09 ins Berliner Olympiastadion. Obwohl der Tabellendritte beim Tabellenvierten antrat und beide Mannschaften die Chance auf die Tabellenführung hatten, erschien das leistungsgerechte Remis an diesem Tag nebensächlich. Es zählte ausschließlich das gemeinsame Erlebnis von Fans aus Ost und West, viele mit Tränen des Glücks in ihren Augen.

Hertha BSC bedankt sich an dieser Stelle insbesondere am heutigen Tage bei allen Herthanerinnen und Herthanern aus dem damaligen Ostteil unserer Stadt für die Treue zu unserem Verein während der fast drei Jahrzehnte andauernden Trennung.

Die Zukunft gehört Berlin – ganz Berlin!

(fs/Hertha BSC)

Museum, 13.08.2018
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