Bild: HerthaBSC

#HerthaMuseum: "Janz Berlin is eene Wolke!"

Heute vor 51 Jahren kehrte Hertha BSC nach dreijähriger Abstinenz in die Fußball-Bundesliga zurück. Die 28. Ausgabe unserer Serie #HerthaMuseum berichtet ausführlich über die Bundesliga-Rückkehr im Jahre 1968.

Berlin – Nach dem Bundesliga-Zwangsabstieg 1964/1965 strebt Hertha BSC nach zwei vergeblichen Versuchen zum dritten Mal in Folge die lang erhoffte Rückkehr in das deutsche Fußball-Oberhaus an. Die Gruppe 2 der Aufstiegsrunde zur Bundesliga beschert den Blau-Weißen mit dem SV Alsenborn, Rot-Weiß Essen, Göttingen 05 und Bayern Hof namhafte Konkurrenz im Kampf um den begehrten Aufstiegsplatz.

Der dritte Anlauf

Im Georg-Melches-Stadion in Essen verbucht Hertha BSC nach einem 0:2-Rückstand nach Toren von Ivica Sangulin und Werner Ipta immerhin den ersten Punktgewinn, bevor vier Tage später Göttingen 05 durch einen späten Treffer von Dieter Krafczyk vor gut 70.000 Zuschauern im Olympiastadion besiegt wird. Einen Wermutstropfen haben die Berliner allerdings zu verkraften: Mannschaftskapitän Hans-Joachim 'Atze' Altendorff zieht sich einen komplizierten Beinbruch zu und steht der Mannschaft im weiteren Verlauf der Aufstiegsrunde nicht mehr zur Verfügung.

Am dritten Spieltag unterliegen die Berliner trotz eines Führungstreffers von Reinhardt Lindner mit 1:2 beim SV Alsenborn. Am Pfingstmontag bejubeln 65.000 Blau-Weiße den zweiten doppelten Punktgewinn ihrer Mannschaft. Nach Toren von Rudolf 'Rudi' Kröner und Werner Ipta gewinnt Hertha BSC mit 2:0 gegen Bayern Hof. Nach einem 0:0 in Göttingen hat die Mannschaft von Trainer Helmut 'Fiffi' Kronsbein nun die mit einem Punkt Vorsprung an der Tabellenspitze liegende Mannschaft von Rot-Weiß Essen zu Gast. Auch das Berliner Publikum ist sich der Brisanz dieser vorentscheidenden Begegnung bewusst, sodass knapp 86.000 Zuschauer für eine atemberaubende Atmosphäre sorgen. Nach einem 2:0-Sieg durch die Treffer von Tasso Wild und dem neuen Mannschaftskapitän Lothar 'Wanze' Groß kennt der Jubel im Berliner Olympiastadion keine Grenzen mehr.

Vier Tage später gewinnt Hertha BSC am vorletzten Spieltag dank der Tore von Werner Ipta, Rudolf 'Rudi' Kröner und Reinhardt Lindner mit 3:2 bei Bayern Hof. Aufstiegskonkurrent Rot-Weiß Essen bleibt den Berlinern jedoch mit dem gleichen Ergebnis gegen den SV Alsenborn dicht auf den Fersen. Die Herthaner können nun aus eigener Kraft mit einem Heimsieg am letzten Spieltag gegen die abgeschlagenen Alsenborner den Aufstieg vor heimischer Kulisse perfekt machen, zumal niemand damit rechnet, dass sich der einzig verbliebene Widersacher Rot-Weiss Essen bei Göttingen 05 eine Blöße geben wird. So verlautbaren die Göttinger bereits elf Tage zuvor: "Wenn wir selbst die Bundesliga nicht erreichen sollten, wünschen wir das eher Rot-Weiß Essen als Hertha BSC."

Geschafft!

Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Als es für Hertha BSC noch vier Tage bis zum letzten Aufstiegsrundenspiel dauert, bezwingen die Göttinger die Mannschaft von Rot-Weiß Essen mit 1:0, die Berliner stehen durch die unerwartete Schützenhilfe vorzeitig als Aufsteiger in die Bundesliga fest! In Windeseile verbreitet sich die Nachricht in Berlin! Aus vielen Eckkneipen hallt das "Ha-Ho-He, Hertha BSC!", Schaffner erzählen es Fahrgästen, in zahlreichen Kinos der Stadt wird den Zuschauern nach Vorstellungsende die freudige Botschaft übermittelt. Einige Hertha-Spieler besuchen ihren verletzten Mannschaftskapitän 'Atze' Altendorff, während Trainer Kronsbein zu Gast im 'Bierdeckel', dem Lokal von Wolfgang Holst, ist. Dieser spricht seinerseits vom schönsten Tag seines Lebens. Die Mannschaft begibt sich wegen der stadtweiten Aufstiegs-Euphorie zur Vorbereitung auf die letzte Partie gegen den SV Alsenborn kurzerhand in das VBB-Verbandsheim am Kleinen Wannsee. Trainer Helmut 'Fiffi' Kronsbein erreicht dort ein Telegramm von Verleger Axel Springer mit den Dankensworten:

"zu den erfreulichen Nachrichten der letzten Zeit in unserer stadt gehört die vom aufstieg von hertha bsc in die bundesliga stop herzliche glückwünsche dazu, ihnen lieber herr kronsbein, ihrer mannschaft und all ihren helfern stop es ist in der tat ein sportliches ereignis, das hier stattfindet: in den tagen einer neuen bedrohung unserer stadt geht optimismus und zuversicht vom sport aus stop die berliner werden ihnen das nicht vergessen, und für hertha bsc wird dies ein ansporn besonderer art sein stop was unser haus und seine zeitungen zur stärkung der sportlichen leistungsfähigkeit ihres vereins beitragen können, wird geschehen stop sie dürfen unseres freundschaftlichen beistands sicher sein stop"

Empfang im Rathaus Schöneberg

In dem nun unbedeutenden letzten Spiel der Aufstiegsrunde trennt sich Hertha BSC nach dem Führungstreffer von Dieter Krafczyk vor 80.000 ausgelassen feiernden Zuschauern im Berliner Olympiastadion mit 1:1 vom SV Alsenborn. Einen Tag später lädt der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Schütz, die Herthaner ins Rathaus Schöneberg ein. Zu Zehntausenden säumen die West-Berliner die Straßen und huldigen ihrer Mannschaft. Das sowohl während des von Johanes 'Hanne' Sobek, Trainer 'Fiffi' Kronsbein und Kapitän Altendorff angeführten Autokorsos als auch auf dem John-F.-Kennedy-Platz vor dem Rathaus Schöneberg immer wieder lautstark ertönende "Ha-Ho-He, Hertha BSC!" zeugt von der überschwenglichen Freude in Berlin über die nun endlich wahrgewordene Rückkehr in die Fußball-Bundesliga.

(fs/HerthaBSC)

Museum, 19.06.2019
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