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#HerthaMuseum: Hertha BSC erfindet den "Budenzauber"

Die 18. Ausgabe unserer Serie blickt zurück auf das Jahr 1971. Vor 48 Jahren steigt erstmalig in der deutschen Fußballgeschichte ein Hallenturnier mit Profimannschaften in der Berliner Deutschlandhalle.

Berlin – Die Bundesliga befindet sich in der Saison 1970/1971 bereits seit dem ersten Dezember-Wochenende in der Winterpause. Vielerorts lassen die Platzverhältnisse kein vernünftiges Trainingsprogramm zu. Beheizte Trainingsplätze oder Trainingslager in wärmeren Gefilden gehören noch nicht zum Alltag für Vereine aus der höchsten deutschen Spielklasse. Es liegt also nahe, eine Alternative zu finden, um die lange Pause zu verkürzen. Die Lösung: ein Hallenturnier! 

Die Premiere

Als erster Bundesligist veranstaltet Hertha BSC unter der Leitung von Heinz Warneke, seit 1970 amtierender Direktor der geschichtsträchtigen Berliner Deutschlandhalle und später Vereinspräsident der Blau-Weißen, ein solches. Mit am Ball zwischen dem 13. und 17. Januar sind die Bundesligisten Eintracht Braunschweig, Werder Bremen sowie der amtierende Deutsche Meister Borussia Mönchengladbach. Neben den Herthanern runden die Berliner Regionalligisten Regionalligisten Tennis Borussia und Wacker 04 das illustre Teilnehmerfeld ab. 

Am ersten Tag bietet das Turnier, bei dem alle Teams in Hin- und Rückspiel gegeneinander antreten, allerdings noch nicht das ganz große Spektakel. Denn auf dem 50x25 Meter großen Holzparkett fallen am ersten Spieltag mit den lediglich 2x3 Meter großen Handballtoren lediglich fünf Tore. Um die Attraktivität für die Zuschauer zu erhöhen, werden die Tore zum Beginn des zweiten Turniertages kurzerhand ausgetauscht. Ab sofort messen sie wie im Jugendbereich 2x5 Meter. Diese Veränderung zeigt sofort Wirkung: Die aus fünf Feldspielern bestehenden Mannschaften kommen häufiger zum Torabschluss und erzielen mehr Treffer. Auch die Torhüter, bei der Elf von Trainerlegende Helmut "Fiffi" Kronsbein sind das Volkmar Groß und Michael Kellner, können sich vermehrt durch spektakuläre Paraden auszeichnen.

Sportlich und wirtschaftlich ein voller Erfolg

Für die Herthaner ist dieses "1. Nationale Hallenturnier", wie es auf der Titelseite des offiziellen Programmheftes prangt, durchweg ein Erfolg. Die Blau-Weißen gewinnen den "sixtant cup" nach fünf Siegen und drei Remis mit 13:7 Punkten und einem Torverhältnis von 16:11. Franz Brungs und Hans-Jürgen Sperlich sind mit jeweils vier Treffern die erfolgreichsten Torschützen. Mit einem Zähler Abstand folgen Bremen und Braunschweig. Die Mönchengladbacher werden vor den beiden mit jeweils sechs Punkten abgeschlagenen Mannschaften von Wacker 04 und Tennis Borussia Vierter. An den fünf Turniertagen strömen insgesamt 34.500 begeisterte Zuschauer in die Deutschlandhalle am Eichkamp und übertreffen damit alle Erwartungen. Der erste Versuch eines großen Hallenturniers in der Winterpause ist mehr als gelungen!

Eine dauerhafte Erfolgsgeschichte

Die einzigartige Berliner Stimmung spricht sich schnell herum. Im folgenden Jahr nimmt neben dem erneuten Meister aus Mönchengladbach sowie Vizemeister Bayern München auch Austria Salzburg teil. Die Teilnehmerlisten der folgenden Jahre führen weitere namhafte Bundesligisten: In der Halle am Ball sind Vereine wie Eintracht Frankfurt, der Hamburger SV oder der 1. FC Köln. Aus dem Ausland reisen attraktive Mannschaften wie Fenerbahçe Istanbul, Peñarol Montevideo, Hadjuk Split oder die Grasshoppers Zürich an die Spree.

Den gastgebenden Herthanern scheint dieser Wettbewerb zu liegen. Zwischen 1971 und 1979 gewinnen sie das Turnier sechs Mal, in den 80ern und 90ern erringen die Hauptstädter den Sieg noch zwei weitere Male. Im Januar 1997 wird die seit Ende der 1980er-Jahre im Rahmen von verschiedenen DFB-Wettbewerben angelegte Veranstaltung als dreitägiges Turnier zum 26. und letzten Mal in der Berliner Deutschlandhalle ausgetragen und beendet damit eine wunderbare Ära.

(fs/dpa)

Museum, 14.01.2019