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#HerthaMuseum: Georg Kessler - der Gentleman-Trainer

Die 34. Ausgabe würdigt anlässlich seines 87. Geburtstages den ehemaligen Trainer, der die 'Alte Dame' zwischen 1974 und 1977 nach schwierigen Zeiten zu unerwarteten Erfolgen führt.

Berlin - Zur Saison 1974/75 verpflichtet Präsident Heinz Warneke Dettmar Cramer als Nachfolger für den im März 1974 zu Hannover 96 abgewanderten Helmut 'Fiffi' Kronsbein. Spuren hinterlässt der renommierte Trainer an der Spree allerdings keine: Nach dem offiziellen Trainingsstart und vor dem Trainingslager in Herzogenaurach bittet Cramer aus persönlichen Gründen um die Auflösung seines Dreijahresvertrages. Die Verantwortlichen von Hertha BSC müssen nun schnellstens einen adäquaten Ersatz finden.

Nach einem Hinweis eines Journalisten rückt der bis dahin vornehmlich Experten bekannte Georg Kessler ins Blickfeld - und erhält nach kurzen Verhandlungen einen Vertrag. Der damals 41-jährige Saarländer trainiert zwischen 1966 und 1970 in 28 Länderspielen die niederländischen Nationalmannschaft und gewinnt 1972 mit dem RSC Anderlecht das belgische Double. Kessler gelingt es in kürzester Zeit, Mannschaft und Anhänger der Blau-Weißen für sich zu begeistern. Der an der Deutschen Sporthochschule in Köln ausgebildete Fußballlehrer besticht nicht nur aufgrund seiner fachlichen Kompetenz, sondern auch durch seine Erscheinung und zuvorkommende Höflichkeit, die ihm in Berlin alsbald den Beinamen 'Sir' einbringt.

Der Traum von der Meisterschaft

Sportlich ist der Auftakt 1974/75 durchwachsen: Dank eines Elfmeters in der 90. Minute durch Kapitän Ludwig Müller sichern sich die Blau-Weißen ein 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf. Nach einer 1:2-Niederlage beim amtierenden Deutschen Meister Bayern München befördert der Trainer, der ein geschultes Auge für Nachwuchstalente hat, den jungen Wolfgang Sidka zum Stammspieler. Mit dem Jungspund glückt der erste Saisonsieg mit einem 4:1 gegen die Offenbacher Kickers. Auch in den folgenden fünf Partien bleiben die Blau-Weißen unbesiegt, erst am neunten Spieltag kassieren die Berliner in Braunschweig die zweite Niederlage.

Nach zwei weiteren Siegen und einem Remis steht am 13. Spieltag das mit Spannung erwartete Lokalderby beim Aufsteiger Tennis Borussia an. Die Herthaner besiegen die 'Veilchen' vor 75.000 Zuschauern im ausverkauften Berliner Olympiastadion mit 3:0. Der sportliche Höhenflug hält an, zur Winterpause rangiert Hertha BSC auf Tabellenrang 2 - lediglich das Torverhältnis spricht für 'Herbstmeister' Borussia Mönchengladbach.

Inspirierte zur Kunst und schrieb begehrte Autogramme: 'Sir' Georg Kessler.

Erster Bundesliga-Sieg gegen die Bayern

Nach einem torlosen Remis in Düsseldorf zum Rückrundenauftakt kommt es im Februar zum Duell mit dem FC Bayern München, bei dem Dettmar Cramer mittlerweile den Trainerposten übernommen hat. Im ausverkauften Berliner Olympiastadion feiert Hertha BSC einen überragenden 4:1-Sieg - den ersten Bundesliga-Heimsieg gegen die Elf aus dem Süden. Auch im weiteren Saisonverlauf bleiben die Blau-Weißen zu Hause unbesiegt, die insgesamt 15 Siege bei lediglich zwei Remis reichen jedoch nicht für den ganz großen Coup: Aufgrund der neun Auswärtsniederlagen bleibt für die Berliner am Ende mit umgerechnet acht Punkten Rückstand auf die 'Fohlen' vom Bökelberg 'nur' die Vize-Meisterschaft - bis zum heutigen Tage die beste Saisonplatzierung in der blau-weißen Bundesliga-Historie. Nach der Spielzeit verkündet der 34-jährige 'Luggi' Müller sein Karriereende. Ohne den verlässlichen Mannschaftskapitän erreicht Georg Kessler mit seiner Mannschaft in den beiden folgenden Bundesliga-Spielzeiten die Tabellenränge 11 und 10.

Gute Zeiten im DFB-Pokal

Dafür trumpft der Hauptstadtclub in diesen beiden Spielzeiten im DFB-Pokal groß auf. Während in der Saison 1974/75 der Wettbewerb für die Berliner bereits in der 1. Runde bei Eintracht Braunschweig ein Ende findet, erreicht der 'Sir' mit seiner Mannschaft erstmals nach 1964 wieder ein Halbfinale. Auf dem Betzenberg muss man sich dem 1. FC Kaiserslautern jedoch mit 2:4 geschlagen geben. In der Saison 1976/77 gehen die Berliner dann noch einen Schritt weiter - Hertha BSC zieht erstmals in ein Endspiel um den DFB-Pokal ein. In Hannover trennen sich die Berliner nach 120 dramatischen Minuten mit 1:1 vom 1. FC Köln. In dem einzigen Wiederholungsspiel in der Geschichte dieses Wettbewerbes, bleibt 'Sir' Georg Kessler in seinem letzten Spiel als Trainer von Hertha BSC die Krönung seiner Tätigkeit verwehrt. Zwei Tage später verlieren die Berliner an gleicher Stelle mit 0:1 und verpassen nur äußerst knapp den größten Triumph der Vereinsgeschichte seit den Meistertiteln 1930 und 1931. 

Eine Erfolgsbilanz

Georg Kessler erringt mit Hertha BSC in 102 Bundesliga-Spielen während seiner dreijährigen Amtszeit insgesamt 43 Siege und 24 Remis bei lediglich 35 Niederlagen (175:158 Tore), was nach der Drei-Punkte-Regel einem hervorragenden Durchschnitt von 1,50 Punkten entspricht. Mit der Vizemeisterschaft (1975), dem Pokal-Halbfinale (1976) und Finale (1977) ist Georg Kessler einer der erfolgreichsten Trainer in der blau-weißen Vereinsgeschichte. Hertha BSC gratuliert seinem ehemaligen Erfolgstrainer 'Sir' Georg Kessler ganz herzlich zu seinem 87. Geburtstag und wünscht ihm alles Gute, viel Glück und Gesundheit für die Zukunft!

(fs/HerthaBSC)

Museum, 23.09.2019
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