Bild: herthabsc

#HerthaMuseum: Zwei Herzen und ein Leben für den Verein

In der 23. Geschichte der Reihe #HerthaMuseum geht es um Renate und Heinz Kressin, für die Hertha BSC beruflich und privat seit Jahrzehnten im Mittelpunkt steht.

Berlin – Für gewöhnlich geht es in dieser Ausgabe um ehemalige Spieler, Trainer, Funktionäre oder besondere Ereignisse, Partien oder Wendepunkte. Doch diesmal geht es um das, was die Blau-Weißen ausmacht: um ihre Fans! Im Mittelpunkt stehen Renate und Heinz Kressin.

Als die beiden im Frühsommer 1976 das erste Mal gemeinsam ein Heimspiel des Hauptstadtclubs besuchen – und sich die Berliner mit 4:4 von Eintracht Frankfurt trennen – ist Renate noch nicht die Frau von Heinz. Was beide zu diesem Zeitpunkt schon verbindet ist die Leidenschaft für Hertha BSC.

Renate wird im Februar 1947 in Berlin geboren, schon als 13-Jährige findet sie den Weg zu den Spielen der Hauptstädter in die ‚Plumpe‘. Heinz, der im April 1936 im niedersächsischen Barskamp auf die Welt kommt, besucht seit 1952 die Partien der Herthaner, nachdem seine Familie kurz nach seiner Geburt an die Spree gezogen ist. Dort bejubelt er die Anfänge von Helmut Faeder bei den Blau-Weißen. Aus familiären Gründen verlässt er Berlin nach seiner Ausbildung zum Schlosser und arbeitet einige Monate in einem Bergwerk in Dortmund-Lengede, bevor es ihn von 1956 bis 1966 freiwillig zur Marine zieht.

Zwei Wege kreuzen sich

Nach seiner Rückkehr nach Berlin zieht es Heinz sofort wieder zur 'Alten Dame'. 1967 lernt er Rolf Kramell, Sicherheitschef bei Hertha BSC, kennen und ist fortan bei den Heimspielen der Berliner als Ordner tätig. Renate arbeitet nebenberuflich als Kassiererin bei den Heimspielen. Beide kennen sich von der gemeinsamen Dienststelle der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte. Doch bis zum ersten 'gemeinsamen' Hertha-Moment verstreichen noch einige Jahre. Dann geht alles schnell: Im November 1978 heiraten Heinz und Renate.

Den Blau-Weißen bleiben beide verfallen, in den Folgejahren weichen sie dem Verein nicht mehr von der Seite. Sie erleben zusammen einige Höhepunkte, aber auch so manchen Tiefpunkt: die Pokalfinals 1977 und 1979, das bittere Aus im UEFA-Pokal-Halbfinale gegen Roter Stern Belgrad 1979, den ersten sportlichen Abstieg aus der Bundesliga 1980 sowie die knapp verpasste Rückkehr in das Oberhaus 1981, den vielumjubelten Aufstieg 1983 und den bitteren Absturz bis in die Oberliga Berlin. Ob Heimspiele im Poststadion oder an der Osloer Straße, die Familie Kressin ist immer mit von der Partie und reist auch zu zahlreichen Auswärtsspielen. Sie feiern gemeinsam den Mauerfall in der ehemals geteilten Stadt, sind beim Wiedervereinigungsspiel gegen den 1. FC Union dabei und bejubeln kurz danach die Rückkehr in die höchste deutsche Spielklasse unter Trainer Werner Fuchs.

Ein Leben, eine Liebe, ein Verein: Renate und Heinz Kressin.

Kuriose Anekdoten

Ab 1991 sind die Kressins auch bei den Spielen der Amateure von Hertha BSC dabei, Renate wäscht die Spielertrikots, Heinz ist als Betreuer tätig. Als in der legendären Pokalsaison 1992/1993 die Trainingsplätze gesperrt sind, kommt Heinz auf die Idee, das 'Stade Napoleon' zu nutzen. Für drei Hertha-Trikots für die Töchter des französischen Stadtkommandanten und 20 Eintrittskarten für das Berliner Olympiastadion bekommt er den Schlüssel ausgehändigt. Das Ende der Geschichte ist bekannt: Die 'Bubis' können trainieren und ziehen sensationell ins DFB-Pokal-Finale ein.

1997 kehrt Hertha BSC zum vierten Mal in die erste Bundesliga zurück, für Renate ergibt sich die Möglichkeit, hauptberuflich die Leitung der Abrechnungsstelle für die Eintrittskarten und die Kasse zu übernehmen. Als nach einer ausverkauften Bundesliga-Partie im Olympiastadion der Geldtransporter nicht erscheint, soll das Ehepaar die Einnahmen mit nach Hause zu nehmen. Kurzerhand transportiert Heinz die gezählten und gebündelten Geldscheine in einem großen Karton, bevor er zu Wochenbeginn die Einzahlung auf das Konto von Hertha BSC bei einem Geldinstitut vornimmt.

Besonderes Verhältnis zu Alex Alves

Als im Jahre 2000 Alex Alves zu Hertha BSC wechselt, aber mit dem ihm zugeteilten Betreuer nicht zurechtkommt und ihm zudem der Führerschein entzogen wird, erhält Heinz Kressin den Auftrag, sich quasi rund um die Uhr um den herzensguten, aber introvertierten brasilianischen Ausnahmefußballer zu kümmern.

Zwischen Heinz Kressin und Alex Alves entsteht ein inniges Verhältnis - trotz und auch wegen der oftmals unkonventionellen Einstellung des Hertha-Stars zum Fußball und zum Leben. Zahlreiche Anekdoten ergeben sich aus dieser Verbindung, aus der im Laufe der Zeit eine Freundschaft entsteht. Ob Heinz den verletzten und nicht reisewilligen Brasilianer nachträglich zu einem Auswärtsspiel chauffiert, damit dieser für Rehabilitationsmaßnahmen zur Verfügung steht oder Heinz eine CD mit brasilianischer Musik aus dem fahrenden Auto entsorgt, weil Alex Alves die Leistung der Lautsprecheranlage ausreizt - für Abwechslung ist stets gesorgt.

2003 verlässt Alex Alves die Berliner, aus Dankbarkeit schenkt er Heinz Kressin die goldene Medaille, die er von der ARD-Sportschau als Torschütze des Monats September 2000 für seinen Treffer aus 52 Metern gegen den 1. FC Köln erhalten hat. Zu dem geplanten Besuch der Familie Kressin bei Alex Alves in Brasilien zu Weihnachten 2012 kommt es nicht mehr, das Ausnahmetalent erliegt wenige Wochen zuvor seiner unheilbaren Knochenmarkserkrankung.

Heinz Kressin beendet seine offizielle Tätigkeit für Hertha BSC nach dem Abstieg 2010. Renate Kressin, die 2001 zur Herthanerin des Jahres gekürt wird und Trägerin der Goldenen Ehrennadel des Vereins ist, folgt ihm 2012 in den beruflichen Ruhestand. Seit 2014 nimmt Renate Kressin bei Heimspielen der U23 ehrenamtlich Aufgaben in ihrem ehemaligen Tätigkeitsbereich wahr, Heinz Kressin begleitet seine Ehefrau dabei stets.

Ewige Herthaner

Renate und Heinz Kressin sind seit fünf Dekaden Zeitzeugen der blau-weißen Historie und haben ihr Wirken und Schaffen in den Dienst ihres Herzensvereins gestellt. Sie waren, sind und bleiben Herthaner auf Lebenszeit.

(fs,fw/privat)

Museum, 29.03.2019