Bild: HerthaBSC

#HerthaMuseum: Keine Zeit für Neujahrskater

Am 20. Januar 2019 bestreitet Hertha BSC das erste Rückrundenspiel in Nürnberg. In der 17. Folge unserer Reihe #HerthaMuseum blicken wir auf die Saison 1964/65 und ihre kurze Winterpause zurück.

Berlin – Nach dem Klassenerhalt in der Premierensaison der Bundesliga bietet auch die zweite Spielzeit im deutschen Oberhaus einige interessante und denkwürdige Erinnerungen für die Anhänger von Hertha BSC. Für die Blau-Weißen, die sich zu Saisonbeginn mit dem ehemaligen Nationaltorwart Wolfgang Fahrian, Willibert Kremer, Jürgen Sundermann und Kurt Schulz verstärken, ist der erneute Klassenverbleib das erklärte Saisonziel. Der 3:2-Auftaktsieg beim 1. FC Köln, dem amtierenden Deutschen Meister, bildet den Grundstein für eine zufriedenstellende Hinrunde. Trotz der 1:3-Niederlage gegen die 'Geißböcke' zum Rückrundenstart, fünf Tage vor Weihnachten, gehen die Berliner mit drei Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge in die Winterpause.

Keine Atempause nach den Festtagen

Hertha BSC und den anderen 15 Bundesliga-Mannschaften bleibt jedoch keine Zeit, allzu lange an besinnliche Weihnachtfeiertage und eine feuchtfröhliche Silvesterparty zu denken: Denn bereits am 2. Januar 1965 nehmen die Herthaner den Spielbetrieb wieder auf. Am zweiten Tag des Jahres müssen sie im Volksparkstadion beim Hamburger SV ran. Der 1. FC Nürnberg und der VfB Stuttgart haben sogar am Silvestertag wieder um Punkte gekämpft. Doch statt mit einem Erfolgserlebnis in das neue Jahr zu gehen, verläuft der Nachmittag für den Hauptstadtclub sehr ernüchternd. Mit 1:4 kommt die Elf von Trainer Josef Schneider unter die Räder. Die Hertha-Anhänger, die 25 Deutsche Mark für die Busfahrt in die Hansestadt aufbringen, können daran nichts ändern.

Der Plan, Lothar 'Wanze' Groß als Sonderbewacher von Torstürmer Uwe Seeler zu installieren, misslingt. Bereits in der ersten Spielminute markiert der Hamburger Angreifer die Führung für seine Elf. Doch zumindest in der Anfangsphase können die Hauptstädter mithalten. Uwe Klimaschefski verlädt nach Zuspiel von Schulz Gegenspieler Harry Bähre und überwindet HSV-Torwart Horst Schnoor zum 1:1 (26.). Die Vorentscheidung zugunsten der Gastgeber fällt noch vor dem Seitenwechsel innerhalb von drei Minuten: Erst faustet Torwart Fahrian nach einer Hereingabe ins Leere und ermöglicht Seeler seinen zweiten Treffer (41.). Dann ist Klimaschefski der Unglücksrabe, als er einen Torschuss von Peter Wulf unglücklich abfälscht und Fahrian keine Chance zur Abwehr lässt (44.). Den letzten Nerv ziehen die Norddeutschen den Blau-Weißen in der zweiten Hälfte. Hans-Günter Schimmöller befördert eine Flanke von Juhani Peltonen, der vor der Partie als "Finnlands Fußballer des Jahres" geehrt wird, unhaltbar zum 1:4-Endstand ins eigene Gehäuse.

Sportlich gerettet

Diese Niederlage hat jedoch letztendlich keine Auswirkungen auf das Erreichen des Saisonziels. Am 28. Spieltag schießt Kurt Schulz elf Minuten vor Spielende das Tor des Tages zum Sieg beim abstiegsgefährdeten Karlsruher SC. Eine Woche später ist es erneut der 'Held von Karlsruhe', der die Anhänger der Blau-Weißen jubeln lässt. Im letzten Heimspiel der Saison gastiert Bundesliga-Neuling Borussia Neunkirchen im Olympiastadion und führt bis zur vorletzten Minute mit 1:0. Doch dann schlägt Schulz zu und schießt den erlösenden Ausgleich. Die 30.000 Zuschauer lassen die Spielstätte in seinen Grundfesten erbeben. Hertha BSC, mit durchschnittlich 32.000 Zuschauer der Verein mit dem drittgrößten Besucherinteresse, hat durch diesen Punktgewinn den sportlichen Klassenerhalt sicher.

Der bittere Abschied aus der Bundesliga

Die Betonung liegt auf sportlich. Denn der DFB lässt den Hauptstadtclub in die Regionalliga zwangsabsteigen. Grund dafür: Der Verein hat vor der Saison überhöhte Handgelder an Spieler gezahlt, um sie nach Berlin zu locken, was aufgrund der politischen Lage sonst schwierig gewesen wäre. Ein Vorgehen, das auch bei anderen Bundesligisten zu vermuten ist und in von vielen Seiten ohnehin nicht mehr als zeitgemäß angesehen wird.

Um den Forderungen der sportlich abgestiegenen Karlsruher & Gelsenkirchener nach einem Klassenverbleib gerecht zu werden, wird die Bundesliga zur Saison 1965/1966 übrigens von 16 auf 18 Mannschaften aufgestockt. Eine Maßnahme, die Siegfried Schmidt als Vorsitzender von Hertha BSC bereits im Dezember 1964 gefordert hat. Ein weiteres von Schmidt vorgetragenes Thema bei der Arbeitstagung in Köln: eine Reform der begrenzten Ablösesummen und Handgelder in der Bundesliga. Aus Sicht der Berliner – wie sich Monate später herausstellen sollte – zu spät.

(fs,fw/HerthaBSC)

Museum, 02.01.2019
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