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#HerthaMuseum: Thomas Remark und die D-Mark

Die 50. Jubiläumsausgabe unserer Reihe richtet den Scheinwerfer auf Thomas Remark. Der ehemalige Torjäger feierte am 5. Oktober 2020 seinen 61. Geburtstag.

Berlin - Auch in den siebziger Jahren waren die Vereine darum bemüht, aufstrebende Talente zu sichten und zu verpflichten. So wird Hertha BSC vor der Saison 1978/79 in der saarländischen Amateurliga auf einen schnellen und durchsetzungsstarken 18-jährigen Stürmer aufmerksam. Ein ganz unbeschriebenes Blatt war der junge Angreifer allerdings nicht, schließlich hat er bereits diverse U-Mannschaften des Deutschen Fußball-Bundes durchlaufen. In einem eigens angesetzten internen Testspiel in Berlin, in dem sich die Verantwortlichen der 'Alten Dame' ein Bild von der Offensivkraft machen wollen, überzeugt der gebürtige Völklinger. Trotz des Interesses einiger hochrangiger Bundesliga-Konkurrenten gelingt es Hertha BSC, Thomas Remark vom saarländischen Vizemeister SV Röchling Völklingen an die Spree zu locken. Ein Grund dafür: Durch seinen Wohnsitz im Westteil Berlins kann der Neuzugang nicht zur Bundeswehr eingezogen werden.

Nach der Premiere folgt das Auf und Ab

Bis zu seinem Bundesliga-Debüt muss sich der Jungspund allerdings ein wenig gedulden. Erst am 14. Spieltag wechselt ihn Trainer Kuno Klötzer im Spiel gegen den VfL Bochum für Karl-Heinz Granitza ein, der 1976 ebenfalls aus Völklingen zu den Blau-Weißen gewechselt war. Weitere zehn Ligaeinsätze sollten für den Neuzugang in seiner ersten Saison folgen. Im DFB-Pokal gelingen dem Youngster, der trotz seiner Größe von 1,74m erstaunlich kopfballstark war, in vier Duellen zwei Treffer. Doch auch der Stürmer, der zu Beginn der Verlängerung eingewechselt wird, kann die unglückliche 0:1-Finalniederlage in Hannover gegen Fortuna Düsseldorf nicht verhindern. Auch im UEFA-Pokal sammelt Remark wertvolle Erfahrungen und bestreitet das Achtelfinal-Rückspiel gegen EFB Esbjerg (4:0) und das Viertelfinal-Hinspiel bei Dukla Prag (1:1) jeweils über 90 Minuten. 

Nach dem Abgang zahlreicher Leistungsträger, darunter Torwart Norbert Nigbur und Kapitän Erich 'Ete' Beer, steht Hertha BSC vor einer komplizierten Spielzeit 1979/80. Trainer Klötzer muss nach dem zehnten Spieltag trotz des Sieges gegen Eintracht Frankfurt, den Remark mit dem Tor des Tages sichert, nach nur zwei Siegen und dem Absturz auf den vorletzten Rang gehen. Zur Winterpause übernimmt Trainer-Ikone Helmut Kronsbein den Job zusammen mit Hans Eder, langjähriger Spieler, Interims- bzw. Co-Trainer der Berliner. Doch auch das Duo kann den ersten sportlichen Abstieg aus der Bundesliga wegen der um zwei Tore schlechteren Differenz nicht verhindern. Remark, der in 26 Partien vier Mal trifft, steigt mit seinen Kollegen in die Zweitklassigkeit ab.

Das Ziel in der Saison 1980/81 heißt Wiederaufstieg. Uwe Klimaschefski, selbst von 1963 bis 1965 in der Bundesliga für die Herthaner aktiv, übernimmt das Traineramt. Remark bekommt im Angriff Unterstützung von Werner Killmaier vom ESV Ingolstadt. Gemeinsam bilden sie das kongeniale Sturmduo 'Killmark', das maßgeblichen Anteil an der Rekordanzahl von 123 geschossenen Toren hat. Remark zielt insgesamt 22 Mal ins Schwarze. Doch am Ende reicht Platz 3 in der 2. Bundesliga Nord nicht, um in die Bundesliga zurückzukehren. Auch im DFB-Pokal fühlt sich das 0:1 beim Erstligisten Eintracht Frankfurt im Halbfinale nach großartigem Kampf als Enttäuschung an. Ein Jahr später dürfen die Blau-Weißen dann doch über den Aufstieg jubeln. Coach Georg Gawliczek, der nach einem schlechten Saisonstart installiert wurde, führt seine Schützlinge als Tabellenzweiter der eingleisigen 2. Bundesliga zurück ins deutsche Fußball-Oberhaus. Remark ist mit 28 Toren, darunter ein Viererpack beim 8:0 gegen die SG Wattenscheid, treffsicherster Akteur und erzielt exakt ein Drittel aller Saisontreffer des Vereins. Die Leuchtdioden der Anzeigentafel im Berliner Olympiastadion belohnen seine Leistungen regelmäßig mit dem Satz: "So verdient sich Thomas Remark treu und fleißig seine D-Mark."

Treuebekenntnis trotz Enttäuschung und ein Wiedersehen in Berlin?

Nach der Bundesliga-Rückkehr wird den Verantwortlichen, Spielern und Fans schnell klar, dass es einzig und allein um den Klassenerhalt gehen kann. Remark, der neben Torhüter Gregor Quasten und Verteidiger Werner Schneider alle 34 Saisonspiele bestreitet, ist mit seinen neun Toren erneut erfolgreichster Berliner, kann den direkten Abstieg seiner Farben jedoch nicht verhindern. Trotz der Enttäuschung hält er dem Club die Treue und stellt seinen Torriecher unter Beweis. In zwölf Partien, einige verpasste er verletzungsbedingt, steuerte der Saarländer immerhin fünf Tore bei. Als Klaus Schlappner, Trainer des Bundesliga-Neulings Waldhof Mannheim im November 1983 sein Interesse an dem Torjäger bekundet, stimmen Hertha BSC und Remark einem Transfer schweren Herzens zu. Der Verein kann die Ablösesumme für seinen torgefährlichsten Spieler gut gebrauchen.

Auch heute noch schwärmt Thomas Remark von seiner Zeit an der Spree. Sportlich, aber auch persönlich konnte der Saarländer als junger Mann in der Großstadt wertvolle Erfahrungen für seinen späteren Werdegang sammeln. Gut 23 Jahre nach seinem letzten Auftritt kehrte der A-Lizenz-Inhaber für drei Jahre in die Hauptstadt zurück und trainierte zwischen 1994 und 1997 Türkiyemspor und Tasmania Berlin. Aktuell erscheint eine Rückkehr des bei älteren Fans noch immer sehr beliebten Ex-Stürmers möglich. Der 61-Jährige, der mit seiner Frau in der Nähe von Koblenz wohnt und selbständig in der Finanzdienstleistungsbranche tätig ist, liebäugelt mit einer beruflichen Herausforderung in Berlin. Dann wären auch wieder regelmäßige Treffen mit seinen alten Weggefährten wie Pierre Dickert, Heikko Glöde und Dieter Timme möglich.

(fs/HerthaBSC)

Museum, 10.10.2020