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#HerthaMuseum: Karl Tewes – der erste Fußball-Kaiser

Anlässlich seines 133. Geburtstages erinnert das #HerthaMuseum in seiner 32. Ausgabe an einen Herthaner, der als erster Spieler als 'Kaiser' des Fußballs galt: Karl Tewes, einer der populärsten Mittelläufer seiner Zeit.

Berlin – Das Mitgliederverzeichnis von Hertha BSC weist für den am 10.08.1886 in Berlin geborenen und damals somit bereits 38-jährigen Karl Tewes den 20.08.1924 als Aufnahmedatum bei Hertha BSC aus. In den folgenden knapp drei Jahren avanciert der vom FC Viktoria 1889 zu den Gesundbrunnern gewechselte sechsmalige Nationalspieler zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Mannschaft, die die erfolgreichste Zeit in der Vereinsgeschichte der Blau-Weißen begründet.

Der Beginn einer Ära

Bereits in seiner ersten Saison gewinnt Tewes mit seiner Mannschaft in zwei Spielen gegen Alemannia 1890 die Meisterschaft des VBB (Verband Brandenburgischer Ballspielvereine) und zieht mit Hertha BSC erstmalig in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft ein. Nach Siegen gegen den VfB Königsberg und TuRu Düsseldorf erreicht der Hauptstadtclub das Halbfinale um die 18. Deutsche Meisterschaft gegen den FSV Frankfurt, in dem sich die Berliner den Hessen erst nach Verlängerung mit 0:1 geschlagen geben müssen. Die Anziehungskraft der Persönlichkeit von Tewes, der den Titel 'Kaiser Karl' von seinem Mannschaftskameraden Emil Domscheid aufgrund seiner hervorragenden Führungsqualitäten erhalten hat, ist anschließend auch ausschlaggebend dafür, dass Johannes 'Hanne' Sobek und Hans 'Hanne' Ruch zur Spielzeit 1925/26 zu den Gesundbrunnern wechseln.

Endlich im Endspiel

Mit diesen beiden Neuzugängen und klangvollen Namen wie Max Fischer, Willi Kirsei und Willi 'Bubi' Völker gelingt Tewes mit Hertha BSC dann auch zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte der Einzug in ein Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Nachdem der VfB Königsberg, der FSV Frankfurt und der Hamburger SV deutlich besiegt werden können, unterliegt die 'Alte Dame' im Waldstadion in Frankfurt am Main mit 1:4 gegen die Spielvereinigung Fürth. Nach der Partie äußert sich Tewes gegenüber seinem Mannschaftskollegen Max Fischer im Hotelzimmer niedergeschlagen: "Nun ist die weitere Teilnahme an ferneren Kämpfen um die Meisterschaft für uns Alte für immer dahin." Jedoch täuscht sich der 'Kaiser', denn in der Saison 1926/27 nimmt der Routinier im Alter von fast 41 Jahren erneut an einer Meisterschaftsendrunde teil. Tewes bestreitet die beiden erfolgreichen Spiele im Viertel- und Halbfinale gegen Holstein Kiel und gegen den Vorjahresmeister aus Fürth. Am 13.06.1927 steht der Mittelläufer vor 50.000 Zuschauern im Berliner Poststadion dann letztmalig für Hertha BSC und in einem Meisterschaftsendspiel auf dem Platz, verpasst nach einem 0:2 gegen den 1. FC Nürnberg mit seiner Mannschaft aber zum zweiten Mal den großen Triumph.

Gesagt...

"Ich bin dankbar dafür, was er mir persönlich, seinem Verein Hertha BSC im Besonderen und dem Berliner Fußball im Allgemeinen gegeben hat."

Hanne Sobek über Karl Tewes

Auch nach der aktiven Karriere engagiert für Hertha BSC

Danach macht Tewes einem Jüngeren seinen Platz frei. Der Routinier zeigt seine innere Größe und führt seinen Nachfolger Ernst Müller mit Rat und Tat in dessen neue Aufgabe ein. Am 05.02.1928 verletzt sich Hans Grenzel kurz vor Anpfiff der Oberliga-Partie bei Wacker 04, sodass Tewes ab der 20. Spielminute noch einmal zu einem Einsatz im Hertha-Dress kommt. Nach diesem endgültig letzten Auftritt als Aktiver für die 'Alte Dame' fungiert der in der Weddinger Müllerstraße beheimatete 'Kaiser' fortan als Spielausschussobmann für die 1. Mannschaft und repräsentiert den Berliner Traditionsverein auch in den folgenden Jahrzehnten.

Eine sportliche und menschliche Persönlichkeit

Man muss über eine herausragende Persönlichkeit verfügen, um nach fußballerischen Anfängen bei Askania Berlin mit 18 Jahren einen Weg wie Karl Tewes zu gehen. Einen Weg, bei dem sich der gebürtige Berliner zunächst wieder vollends auf den Beruf fokussiert und zum Innungsmeister des Schmiedehandwerks wird, der ihn aber neun Jahre später nach einer Rückkehr zum Fußball über die SV Norden-Nordwest 1898 und Viktoria 89 im September 1920 im Alter von 34 Jahren als zu diesem Zeitpunkt ältester Debütant aller Zeiten auch noch in die deutsche Fußball-Nationalmannschaft führt. Die menschlichen und sportlichen Verdienste dieser immer aufrecht auftretenden Persönlichkeit, die nur einmal wankt, als sein einziger Sohn plötzlich aus dem Leben gerissen wird, werden allseits anerkannt und gewürdigt.

Im September 1968 findet das sportlich und beruflich erfüllte Leben von Tewes nach 82 Jahren ein Ende. Die Trauerfeier findet im Krematorium in der Weddinger Gerichtstraße statt. Nach der Würdigung von Tewes durch die Vertreter von Hertha BSC und des Berliner Fußballverbandes erklingt unter den Tränen der zahlreichen Trauergäste die Melodie 'Blau-weiße Hertha, ich hab' dich spielen gesehen'. In einem Nachruf in den Club-Nachrichten vom November 1968 schreibt 'Hanne' Sobek über den Abschied von Tewes: "Es waren Tränen des Stolzes, mit diesem Mann 40 Jahre einen gemeinsamen Weg gehen zu dürfen. Es waren Tränen der Dankbarkeit, dafür, was er mir persönlich, seinem Verein Hertha BSC im Besonderen und dem Berliner Fußball im Allgemeinen gegeben hat. Es waren Tränen der Trauer, dass dieser Mensch, der stets ein Gebender war, nicht mehr ist. Ich glaube mich mit allen alten Rasensportlern einig zu wissen, dass nicht nur ein ehemaliger großer Spieler und guter Mensch, sondern ein 'Kaiser' von uns gegangen ist." Diesen Worten des größten Herthaners aller Zeiten ist nichts mehr hinzuzufügen.

(fs/HerthaBSC)

Museum, 19.08.2019
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