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HERTHAMUSEUM: Der erste Thailänder in der Bundesliga

Vor 41 Jahren sorgt Hertha BSC mit der Verpflichtung von Vithaya Laohakul für Aufsehen. Die 52. Folge unserer Serie #HerthaMuseum widmet sich seiner zeit bei den Blau-Weißen.

Berlin – Während Hertha BSC den Bundesliga-Klassenerhalt in der Saison 1978/79 erst am vorletzten Spieltag sichert, sorgt der Verein in den Cupwettbewerben für Furore: Im DFB-Pokal erreichen die Blau-Weißen das Finale, im UEFA-Pokal die Vorschlussrunde. Der erhoffte Titelgewinn bleibt jedoch verwehrt. Die Stimmung bei den Berlinern ist aber auch aus anderen Gründen gedrückt. Geringe Zuschauereinnahmen bringen den Club an den Rand der finanziellen Belastbarkeit. Die Folge: Zahlreiche Leistungsträger wie Torhüter Norbert Nigbur und die beiden Vereinsikonen Erich 'Ete' Beer und Hans 'Hanne' Weiner verlassen die Spreekicker. Umso mehr ist Kreativität bei der Kaderzusammenstellung für die bevorstehende Saison gefragt.

Der Tipp eines Freundes

Fritz Schollmeyer, ehemaliger Trainer des Lokalrivalen Tennis Borussia, legt seinem Freund Wolfgang Holst die Verpflichtung eines 1,77 m großen und 68 kg schweren thailändischen Nationalspielers nahe. Es handelt sich um den 25-jährigen Vithaya Laohakul - in der Saison 1978/79 in seiner Heimat bereits zum zweiten Mal als Fußballer des Jahres ausgezeichnet. Hertha BSC rangiert derweil nach nur einem Sieg aus den ersten acht Partien auf dem vorletzten Rang. Anfang Oktober 1979 kommt Laohakul tatsächlich nach Berlin. Fortan spielt 'Vitia', wie er bereits nach kurzer Zeit genannt wird, bei den Amateuren. Helmut 'Fiffi' Kronsbein, die blau-weiße Trainer-Legende, die immer noch eng mit dem Verein verbunden ist, erkennt das Potenzial des Neuzugangs. Bundesliga-Coach Kuno Klützer empfiehlt er den Thailänder mit den Worten: "Er ist großartig am Ball und besitzt kämpferische Fähigkeiten." Obwohl der Neuzugang zunächst große Schwierigkeiten hat, sich an den eisigen Winter in Berlin zu gewöhnen, lebt er sich schnell im neuen Umfeld ein. Zudem lernt der Neu-Herthaner fleißig die deutsche Sprache und zieht bald mit seiner Lebensgefährtin in eine Wohnung in Neu-Westend. 

Historische Einwechslung

Sportlich öffnet sich der Weg in den professionellen Fußball für Laohakul, nachdem Wolfgang Holst im November 1979 das Präsidentenamt von Ottomar Domrich übernimmt. Danach geht alles ganz schnell: Anfang Dezember unterzeichnet der Thailänder seinen Lizenzspielervertrag. Im darauffolgenden Duell mit Fortuna Düsseldorf wechselt ihn Hans Eder, seit Ende Oktober Übungsleiter der Blau-Weißen, kurz vor Beginn der Schlussphase ein und macht ihn so zum ersten thailändischen Spieler in der Bundesliga-Geschichte. Bereits eine Woche später steht der Asiate beim Auswärtsspiel gegen den VfB Stuttgart in der Startelf. Auch im DFB-Pokal debütiert Laohakul.  

Herthas talentierter Thailänder: Vithaya Laohakul

Zur Rückrunde übernimmt das Trainergespann Eder und Kronsbein, um den drohenden Abstieg doch noch abzuwenden. Der große Erfolgsdruck macht es Doppelspitze fast unmöglich, das thailändische Talent in dieser schweren Situation in die Mannschaft zu integrieren. Laohakul kommt lediglich am 22. Spieltag in Mönchengladbach zu einem Kurzeinsatz. Am Saisonende steigen die Berliner trotz einer guten zweiten Saisonhälfte aufgrund der um zwei Treffer schlechteren Tordifferenz erstmals sportlich aus dem deutschen Oberhaus ab. 'Vitia' verbucht in der Saison 1979/80 neben vier Auftritten in der Liga und im Pokal noch fünf Einsätze in der DFB-Nachwuchsrunde (ein Treffer) sowie 14 in Freundschaftsspielen (fünf Tore). Er gilt als Hoffnungsträger beim anvisierten sofortigen Wiederaufstieg. 

Hoffnungsträger mit Verletzungspech

Zu Beginn der Saison 1980/81 plant Trainer Uwe Klimaschefski Laohakul als wichtigen Bestandteil fest ein. Nach einer ordentlichen Vorbereitung samt dem 600. Treffer der Berliner in einem internationalen Freundschaftsspiel werfen den Thailänder jedoch Verletzungen zurück. Deshalb kommt er insgesamt nur zu 21 Einsätzen in Liga und Pokal. Fünf Mal steht er in der Anfangsformation, in 16 Spielen kommt er von der Bank. Seinen persönlichen Höhepunkt erlebt er im November 1980, als ihm beim 8:0 gegen Wattenscheid in der Schlussminute der Treffer zum Endstand gelingt - es ist der zweithöchste Sieg von Hertha BSC seit Einführung der Fußball-Bundesligen. Trotz der Rekordzahl von 123 Toren verpasst die 'Alte Dame' als Dritter wegen eines fehlenden Punktes den Aufstieg.

Laohakuls Optimismus bricht dieser Rückschlag nicht, vor der nächsten Runde in der 2. Bundesliga Nord kündigt er den ersten Platz an. Während es für die Mannschaft gut läuft, bleibt dem Thailänder das Verletzungspech treu. Bis Weihnachten absolviert er zwar noch elf Partien, danach setzt ihn aber eine Operation am Knie lange außer Gefecht. Erst im April feiert der Herthaner gegen Osnabrück sein Comeback – sein letzter Einsatz im blau-weißen Trikot. Die Rückkehr des Vereins in die Bundesliga erlebt er größtenteils von der Bank oder der Tribüne.

Der Abschied    

Nach der Saison 1981/82 trennen sich die Wege von 'Thai Bum', wie ihn die Berliner Boulevardpresse taufte, und den Blau-Weißen. Der Nationalspieler wechselt zum 1. FC Saarbrücken in die Oberliga Südwest und trifft in 53 Saisonspielen sieben Mal. Mit seinem neuen Verein steigt er 1983 in die 2. Bundesliga auf, bevor es ihn wieder in sein Heimatland zieht. Aktuell ist der 66-Jährige als Technischer Direktor bzw. Direktor der Fußball-Akademie des thailändischen Erstligisten Chonburi Football Club tätig und genießt im gesamten Königreich aufgrund seiner Erfolge als Spieler und Trainer nach wie vor einen hervorragenden Ruf.

(fs/privat)

Museum, 18.12.2020