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#HerthaMuseum: Neuaufbau unter Warneke

In der 22. Ausgabe unserer Reihe #HerthaMuseum würdigen wir eine Persönlichkeit, die da war, als der Verein in Not war: Heinz Warneke. Der Ex-Präsident feiert am 16. März seinen 88. Geburtstag.

Berlin – Nach dem Bundesliga-Skandal Anfang der siebziger Jahre ist die Situation bei Hertha BSC alles andere als rosig. Nicht nur das Image des Hauptstadtclubs hat unter der Spielmanipulation gelitten, auch finanziell stecken die Blau-Weißen in einer schwierigen Lage. Jemand, der in dieser turbulenten Zeit Verantwortung übernimmt, ist Heinz Warneke. Im Mai 1972 tritt der gebürtige Berliner das Amt als Vereinspräsident an. Er verpflichtet neue Spieler für den Neuaufbau der Mannschaft, verhandelt mit dem DFB über Verkäufe von gesperrten Spielern an ausländische Clubs und generiert wichtige Teile des notwendigen Kapitals.

Schwierige Zeiten an der Spree

Akteure der neuen Berliner Mannschaften werden Spieler wie Nationaltorwart Horst Wolter, Hans Weiner, Holger Brück und Gerhard Grau, die künftig mit Lorenz Horr, Erich 'Ete' Beer und Michael Sziedat eine Einheit bilden sollen. Doch es fehlt dem Team an einem Strategen in der Defensive. Auch deshalb gehen die ersten Partien der Spielzeit verloren, die Hauptstädter rutschen früh in der Saison 1972/73 in den Tabellenkeller.

Nach Rücksprache mit dem Vorstand folgt Warneke der sportlichen Notwendigkeit und holt trotz wirtschaftlich prekärer Lage neue Spieler nach Berlin. Der zuvor neun Monate verletzte Nationalspieler Ludwig Müller debütiert im Oktober für Hertha, im Winter schließt sich auch der schweizerische Mittelstürmer Kurt Müller dem Verein an. Die beiden Transfers zeigen Wirkung, die deutlich verbesserte Elf von Trainer Helmut 'Fiffi' Kronsbein kann das Ruder herumreißen und sichert in der Rückrunde den Klassenerhalt. Der leicht spürbare Anstieg der durchschnittlichen Zuschauerzahl auf etwa 24.400 sorgt finanziell allerdings für keine Verbesserung. Dies ändert sich auch nicht in der Saison 1973/1974, die Hertha BSC sportlich konsolidiert auf dem achten Tabellenplatz abschließt. Das Zuschauerinteresse mit im Schnitt 28.800 Besuchern pro Heimspiel ist immer noch nicht zufriedenstellend.

Enorme Schuldenlast

Die Schuldenlast des Hauptstadtclubs liegt inzwischen bei sechs Millionen Deutscher Mark. Warneke und seine Vorstandskollegen stehen trotz guter Arbeit unter schwierigen Bedingungen mit dem Rücken zur Wand – und treffen schließlich eine Entscheidung, die jedem Herthaner bis zum heutigen Tage das Herz zerreißt, aber finanziell die Rettung des Vereins bedeutet hat: den Verkauf der 'Plumpe', Heimat der Blau-Weißen. Im Mai 1974 wird das vereinseigene Grundstück nach der notwendigen Umwidmung in Bauland für 6,20 Millionen DM veräußert. Hertha BSC ist durch diesen notwendigen Verkauf schuldenfrei.

Zur Saison 1974/1975 gelingt Warneke mit der Verpflichtung von Dettmar Cramer als neuem Trainer ein viel beachteter Coup. Diese Partnerschaft währt allerdings nur wenige Wochen, ehe Georg Kessler den Posten übernimmt. Der 'Sir' erringt in den folgenden drei Jahren bis 1975 die Vizemeisterschaft und zieht erstmals ins DFB-Pokal-Finale ein. Damit zählt er nach wie vor zu den erfolgreichsten Übungsleitern der Blau-Weißen.

Warneke ist zu dieser Zeit schon nicht mehr Präsident von Hertha BSC, ist dem Verein aber stets verbunden und gehört zwischen 1996 und 2010 dem Aufsichtsrat an. Während seiner Amtszeit als Oberhaupt des Hauptstadtclubs hat der Herthaner mit viel Mut und finanziellem Risiko den Neuaufbau von Mannschaft und Verein gesichert – und damit die Bundesliga-Zugehörigkeit bewahrt. Mit dem Wissen um den Standortnachteil sowie die politische als auch wirtschaftliche Bedeutung eines Bundesliga-Vereins in der geteilten Stadt hat er der 'Alten Dame' eine bessere wirtschaftliche Ebene ermöglicht. Für Warneke, zwischen 1970 und 1980 Direktor der Deutschlandhalle in Berlin, hatte der Fußball überdies hinaus eine große sozialpolitische Bedeutung. Bereits zum 80-jährigen Bestehen des Hauptstadtclubs hatte er visionäre Ideen zum Thema Nachwuchsförderung, ohne die heutzutage kein Bundesligist wettbewerbsfähig ist.

Hertha BSC bedankt sich außerordentlich bei Heinz Warneke für den unermüdlichen Einsatz und die geleisteten Dienste und wünscht ihm alles erdenklich Gute zu seinem Ehrentag!

 (fs,fw/)

Museum, 29.05.2019
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