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Endlich am Ziel: Herthas erster Meistertitel!

Am 22. Juni 1930 feierten die Herthaner erstmals den Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Ein Rückblick auf das hart umkämpfte 5:4 der Blau-Weißen im Endspiel gegen Holstein Kiel.

Berlin - Die erste Deutsche Meisterschaft von Hertha BSC jährt sich am Montag (22.06.20) zum inzwischen 90. Mal. herthabsc.de reist in der Zeit zurück und schaut auf das spektakuläre Endspiel von 1930, in das die Blau-Weißen mit einer klaren Mission gingen: In den vier Jahren zuvor standen die Herthaner bereits immer im Finale, doch kein einziges Mal ging ihr Traum in Erfüllung. Vier Endspiele, vier Niederlagen – eine weitere mussten die Spieler um jeden Preis vermeiden. Im fünften Anlauf sollte der Traum von der ersten Deutschen Meisterschaft endlich in Erfüllung gehen. An einem heißen Juni-Tag mit Temperaturen um die 40 Grad startete also die Herausforderung, den Final-Fluch zu besiegen und gleichzeitig Geschichte zu schreiben. 40.000 Zuschauer fanden sich im Rheinstadion in Düsseldorf ein, nur 100 reisten aus Berlin an. Die Sympathien des Publikums lagen dementsprechend klar auf Seiten der Gegner. Und die legten einen Traumstart hin - ein echter Dämpfer für die Spreeathener.

Turbulente erste Halbzeit mit sechs Treffern

Nach nur acht gespielten Minuten rannten die Berliner bereits einem 0:2-Rückstand hinterher. Durch einen Abpraller nach einem Strafstoß erzielte Werner Widmayer die Führung für die Kieler (4.), kurz darauf schob Oskar Ritter freistehend zum 2:0 ein (8.). Auch das 3:0 hatten die Kieler 'Störche' auf dem Fuß, verpassten jedoch die mögliche Vorentscheidung. Es drohte die fünfte Finalpleite in Folge für die Blau-Weißen. Doch Johannes 'Hanne' Sobek hatte etwas dagegen. Der Angreifer glich mit einem Doppelschlag aus und holte seine Mannschaft zurück in die Partie (22./26.). Die Freude währte aber nicht lange, denn Johannes Ludwig brachte das Team aus dem Norden nur kurz darauf wieder in Führung (29.). Ein Hin und Her auf dem Rasen. Die Berliner gaben nicht auf, noch vor der Pause erzielte Bruno Lehmann den wichtigen 3:3-Ausgleich (36.).

Fernschuss ins Glück

Die Blau-Weißen kamen stärker aus der Halbzeitpause zurück, erarbeiteten sich zahlreiche Tormöglichkeiten und drängten auf den Führungstreffer. Für ihre Bemühungen belohnten sich die Berliner: Lehmann traf nach Vorarbeit von Sobek ein zweites Mal im Spiel (68.). Die 'Alte Dame' ging erstmals in dem Endspiel in Führung und war in der Schlussphase auf der Siegerstraße. Die Berliner ruhten sich aber nicht auf ihren Vorsprung aus und waren dem nächsten Treffer näher als die Kieler dem Ausgleich. Außerdem spielten die Kieler die letzten zehn Minuten sogar in Unterzahl, nachdem Torschütze Johannes Ludwig mit einer Roten Karte vom Platz gestellt wurde (80.). Dennoch kam es anders: Die Kieler rafften sich auf und erzielten durch Doppeltorschütze Ritter etwas überraschend den 4:4-Ausgleich (82.). Von da an war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das eine Aktion entscheiden könnte - und diese hatte Hans Ruch. Der Herthaner Angreifer holte in den Schlussminuten zum Distanzschuss und schoss den Ball ins Kieler Tor (90.)! Mit etwas Glück landete der Flachschuss im Netz, aber das Wie spielte keine Rolle. Die Blau-Weißen schafften es tatsächlich!

Die Berliner brachen nicht nur den Final-Fluch, sondern feierten erstmals in der Vereinsgeschichte den Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Die wenigen mitgereisten Fans im Stadion riefen laut "Ha-Ho-He, Hertha BSC!". Der Gegner aus dem Norden zeigte sich nach Abpfiff als fairer Verlierer und posierte sogar noch für ein gemeinsames Foto mit dem Meister. Die Presse bezeichnete das Finale von 1930 anschließend als "eines der schönsten Endspiele". Es war ein historischer Tag für die Herthaner, der nach der Rückkehr der Akteure an der Spree mit zahlreichen Menschen gefeiert wurde. Nur ein Jahr später wiederholte sich die Geschichte übrigens. Die 'Alte Dame' erreichte erneut das Finale und in nervenaufreibenden 90 Minuten sorgte wieder ein Treffer in der Schlussphase für die Entscheidung. Die Berliner gewannen spät mit 3:2 und feierten die zweite und bis heute letzte Deutscher Meisterschaft der Vereinshistorie.

Das Spiel im Stenogramm:

Termin: 
Sonntag, 22. Juni 1930
Wettbewerb: 
Endrunde 23. Deutsche Meisterschaft, Saison 1929/30, Finale

Hertha BSC: Paul Gehlhaar - Willi Völker - Rudolf Wilhelm - Otto Leuschner - Ernst Müller - Herbert Radecke - Hans Ruch - Hanne Sobek - Bruno Lehmann - Willi Kirsei - Hermann Hahn
Holstein Kiel:
 Alfred Kramer - Theodor Lagerquist - Josef Zimmermann - Waldemar Lübke - Oskar Ohm - Christian Baasch - Franz Esser - Werner Widmayer - Johannes Ludwig - Oskar Ritter - Kurt Voß

Tore: 
0:1 Widmayer (4.), 0:2 Ritter (8.), 1:2 Sobek (22.), 2:2 Sobek (26.), 2:3 Ludwig (29.), 3:3 B. Lehmann (36.), 4:3 B. Lehmann (68.), 4:4 Ritter (82.), 5:4 Ruch (87.)
Rote Karte: 
Ludwig (80., Unsportlichkeit)

Schiedsrichter: 
Willi Guyenz
Spielort: Rheinstadion, Düsseldorf
Zuschauer: 
40.000

(HerthaBSC/dpa)

Museum, 15.11.2020
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