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"Der Spaß muss im Vordergrund stehen!"

U12-Cheftrainer Michael Dober spricht im Interview über die starke Hinrunde seiner Mannschaft und seine 'Doppelbelastung' als Übungsleiter und Kleinfeldkoordinator der Hertha BSC Fußball-Akademie.

Berlin - Seit fast anderthalb Jahrzehnten ist Michael Dober nun schon für die 'Alte Dame' tätig, entsprechend viele Talente hat der 60-Jährige in all den Jahren kommen und gehen gesehen und auf ihrem Weg nach oben begleitet. So viele, dass Dober "mal kurz überlegen" muss, wer die bekanntesten Gesichter sind, die er in seiner langjährigen Trainer-Karriere ausbilden durfte. "Was namhafte Spieler angeht, die ich schon gecoacht habe, steht Maximilian Philipp (heute bei Borussia Dortmund, Anm. d. Red.) wohl an oberster Stelle", meint Dober. "Hinzu kommen zum Beispiel Christopher Lenz (1. FC Union) oder Elias Abouchabaka (SpVgg Greuther Fürth). Von den aktuellen Herthanern habe ich schon Jungs wie Jessic Ngankam (U19), Lazar Samardžić oder Márton Dárdai (beide U17) begleitet." herthabsc.de hat die fußballfreie Zeit genutzt, um mit Dober über die Hinrunde und seine Doppelfunktion als U12-Trainer und Kleinfeldkoordinator zu sprechen.

herthabsc.de: Die Hinrunde der Saison 2018/19 ist Geschichte. Mit 30 Punkten führt ihr die Tabelle der D-Junioren-Verbandsliga (Staffel 2) nach den ersten elf Saisonspielen an. Noch dazu verfügt deine Mannschaft über eine der treffsichersten Offensiven Europas.
Dober:
(lacht) Meine Jungs sind einfach sehr torhungrig, das kann man nicht anders sagen. Wir stehen jetzt schon bei 70 Liga-Toren und trotzdem bleibt hier und da sogar noch die eine andere Chance liegen – das ist aber auch ganz normal.

herthabsc.de:
Auf der anderen Seite habt ihr bislang gerade mal sechs Gegentore kassiert. Die Balance innerhalb des Teams scheint also zu stimmen.
Dober:
Im Kleinfeld und vor allem in unserer Altersklasse – wir spielen mit unserer U12 ja gegen U13-Mannschaften – sind Ergebnisse wie 6:1 oder 9:2 nichts Außergewöhnliches. So kann es also auch mal vorkommen, dass du in einem Spiel einige Gegentore schlucken musst. Uns gelingt es in dieser Saison aber bislang wirklich hervorragend, die Gegner so stark unter Druck zu setzen, dass sie selbst kaum in unsere Hälfte, kaum zu eigenen Möglichkeiten kommen. Auf der anderen Seite sind meine Spieler immer sehr gierig, was ja auch zielführend ist, denn wir alle wissen: Das Runde muss ins Eckige! (lacht) Das Allerwichtigste ist, dass der Spaß dabei im Vordergrund steht!

herthabsc.de:
Aufgrund eurer bisherigen Ausbeute könnte man annehmen, dass ihr der Konkurrenz längst enteilt wäret. Doch der Nachwuchs des FC Viktoria 1889 ist euch dicht auf den Fersen, hat bis dato 29 Zähler gesammelt und war auch das einzige Team, das euch in der ersten Saisonhälfte eine Niederlage zufügen konnte. Wird das Rückspiel gegen Viktoria auch den Kampf um den Staffelsieg entscheiden?
Dober:
Die Partie gegen Viktoria kam zu einem relativ frühen Zeitpunkt in der Saison. Unsere Jungs haben ein tolles Spiel gezeigt, sind mit 1:0 in Führung gegangen und wollten noch weitere Tore nachlegen. In der zweiten Halbzeit kam Viktoria dann aber durch einen Neunmeter zum Ausgleich, woraufhin wir alles nach vorne geworfen haben, um das Spiel noch zu gewinnen. Durch einen technischen Fehler in unserem Spielaufbau ist Viktoria dann ganz kurz vor Schluss noch zum 2:1 gekommen. Auf diese Weise kam also unsere erste und bis dato einzige Saisonniederlage zustande. So kann's eben auch manchmal gehen. Viktoria hat aber auch eine echt gute Mannschaft, das will ich gar nicht kleinreden! Es kann also sehr gut sein, dass der Gewinner aus dem Rückspiel auch als Staffelmeister hervorgehen wird.

Gesagt...

"Ich habe mich total dem Kleinfeld verschrieben – das ist genau mein Ding!"

Michael Dober

herthabsc.de: Wie ist es überhaupt möglich, eine so erfolgreiche Hinserie wie ihr sie bestritten habt, in der Rückrunde noch zu toppen?
Dober:
Das wird sicherlich schwierig, ich traue den Jungs aber dennoch zu, die Rückrunde genauso souverän runterzuspielen wie die Hinrunde. Das eine oder andere Team wird versuchen, uns ein Bein zu stellen, davon ist auszugehen. Und auch wenn die ersten beiden aus der Staffel ins Halbfinale um die Meisterschaft einziehen, ist es natürlich unser Ziel, Staffelmeister zu werden! Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Spieler dafür vom Berliner Fußball-Verband eine kleine Auszeichnung bekämen – sowas ist für die Jungs natürlich immer eine tolle Sache und ein zusätzlicher Anreiz.

herthabsc.de:
Nun bist du nicht nur Cheftrainer der U12 des Hauptstadtclubs, sondern obendrein auch noch Kleinfeldkoordinator der Hertha BSC Fußball-Akademie. Wie sieht eine durchschnittliche Woche des Michael Dober in dieser Doppelfunktion aus?
Dober:
Zunächst einmal bin ich an jedem Wochentag damit beschäftigt, mich um den Trainingsalltag meiner U12 zu kümmern: von der Vor- und Nachbereitung der Einheiten bis hin zur Auswertung. Für all das geht natürlich schon mal eine ganze Menge Zeit drauf. Hinzu kommt dann noch meine Tätigkeit als Kleinfeldkoordinator, ich habe also gewissermaßen eine Doppelbelastung, wenn man so will. (schmunzelt) Diese Funktion, die ich nun seit bald drei Jahren habe, macht mir ebenfalls sehr viel Spaß!

herthabsc.de: Welche Aufgaben kommen dir als Kleinfeldkoordinator konkret zu?
Dober: Ich kümmere mich um fünf Mannschaften: U9 bis U13. Da muss ich immer auf dem Laufenden bleiben: Wann trainiert welche Mannschaft, wie sehen die Trainingsinhalte aus, wie ist das Verhältnis zwischen den Trainern und Spielern, wie entwickeln sich die Burschen. Je älter die Jungs werden, desto mehr 'Probleme' kommen nämlich auch dazu; seien das schulische oder private. Außerdem führe ich Elterngespräche, was bei uns selbstverständlich auch einen hohen Stellenwert hat. Mit den Eltern spreche ich über ihre Ängste und Wünsche, darüber hinaus bin ich die Anlaufstelle für sie, wenn Fragen jeglicher Art auftauchen. Und, sofern ich die Zeit dazu habe, schaue ich mir so viele Trainingseinheiten und Spiele wie möglich an, um zu wissen, wo die Reise für die einzelnen Jungs hingeht. Gerade was Perspektiven und Entwicklungen der Nachwuchs-Herthaner angeht, stehe ich dann natürlich auch in engem Austausch mit dem Akademie-Leiter Benjamin Weber, dem sportlichen Leiter Frank Vogel und dem sozialpädagogischen Leiter André Henning.

herthabsc.de:
Was begeistert dich an deiner Arbeit am meisten? Was macht dir am meisten Spaß?
Dober:
Was ich als großes Plus an meinem Job empfinde, ist, dass ich von der U9 bis zur U13 alle Jungs kenne, die unsere Akademie durchlaufen. Ich kenne die Schwächen und Stärken der Jungs und weiß zu schätzen, wie sie drauf sind. Das ist ein Riesen-Vorteil, um die Spieler optimal auf ihrem Weg nach oben zu begleiten und die richtigen Schritte für jeden Einzelnen einzuleiten. Ich bin jetzt schon seit 2005 bei Hertha BSC und habe mich total dem Kleinfeld verschrieben – das ist genau mein Ding! Ich bekomme für all' den positiven Stress, den ich habe und die Zeit, die ich investiere, so viel von den Jungs zurück, dass ich nur sagen kann: Ich fühle mich mit dem, was ich mache, richtig wohl!

(af/HerthaBSC)

Akademie, 20.12.2018