Bild: citypress

"Wir spielen in denselben Farben"

Sofian Chahed spricht im Interview über seine Zeit bei Hertha BSC, die Gründe über den Wechsel zum 1. FFC Turbine Potsdam und die neue Aufgabe im Frauenfußball. 

Berlin – Ein Jahrzehnt spielte Sofian Chahed für Hertha BSC: 1999 stieß er in die blau-weiße Fußball-Akademie, über die U17, U19 und U23 gelang dem Rechtsverteidiger im Jahre 2003 schlussendlich der Sprung zu den Profis. Für den Hauptstadtclub stand der gebürtige Berliner in 113 Pflichtspielen (vier Tore, neun Vorlagen) auf dem Platz. 2009 wechselte der fünffache Nationalspieler Tunesiens zu Hannover 96, 2014 beendete der Rechtsfuß beim FSV Frankfurt schließlich seine Karriere als Profifußballer. Auch nach der aktiven Laufbahn verschlug es den Familienvater wieder zurück zur 'Alten Dame'. Angefangen als Co-Trainer der U16, übernahm Chahed erst die U14 und später die U15, in der zurückliegenden Spielzeit betreute er dann die blau-weiße U16. Nun folgt der Schritt des 37-Jährigen zum 1. FFC Turbine Potsdam in den Frauenfußballherthabsc.de sprach mit dem Ur-Herthaner über seine Beweggründe und die Ziele mit seinem neuen Arbeitgeber sowie die Verbundenheit zum Hauptstadtclub.

herthabsc.de: Sofian, als Spieler und Nachwuchstrainer blickst du auf eine langjährige Vergangenheit bei Hertha BSC zurück. Nun geht es für dich nach Potsdam. Wie kam es zu diesem Schritt? 
Chahed: Der Kontakt kam über Herthas U19-Trainer Michael Hartmann, da er einen guten Austausch zu den Verantwortlichen von Turbine Potsdam pflegt, und den Vizepräsidenten Uwe Reher zustande. Nachdem klar war, dass Matthias Rudolph über die Saison hinaus nicht mehr als Trainer zur Verfügung stehen wird, haben wir uns das erste Mal gemeinsam zusammengesetzt. Ich habe selbst mit der U15 von Hertha BSC schon gegen die Damen von Turbine Potsdam gespielt. Insofern wusste ich, worauf ich mich dort einlasse und hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Die Verantwortlichen von Hertha BSC waren in meine Überlegungen die gesamte Zeit involviert. 

herthabsc.de: Du warst in der Hertha BSC Fußball-Akademie vier Jahre lang für unterschiedliche Nachwuchsmannschaften verantwortlich: Wird dir der tägliche Umgang und die gemeinsame Arbeit an der Entwicklung der jungen Talente fehlen?
Chahed: Nein, denn zukünftig haben die jungen Talente einfach nur längere Haare (lacht) – das ist der Hauptunterschied. Talente gibt es im Mädchenfußball genauso und die werde ich durch meine gelernte Arbeit und Erfahrungen bei Hertha BSC versuchen, bestmöglich weiterzuentwickeln. Mein Know-how möchte an jede einzelne Spielerin aber auch an den gesamten Club weitergeben. Natürlich wird mir der Verein Hertha BSC fehlen – aber ich bin immer noch Berliner und wir sind weiterhin verbunden. Zumal es auch durch die neue Kooperation den einen oder anderen Berührungspunkt geben wird. Daher freue ich mich jetzt schon auf jede weitere Begegnung mit den Herthanern und Herthanerinnen.

Gesagt...

"Zukünftig haben die jungen Talente einfach nur längere Haare – das ist der Hauptunterschied."

Sofian Chahed

herthabsc.de: Ab sofort heißt es für dich: Frauen- statt Männer- und Jugendfußball. Bedeutet das für dich als Trainer eine Umstellung in deiner täglichen Arbeit?
Chahed: Jein, maximal in meiner Ansprache, weil ich die eine oder andere Sache ausführlicher und intensiver vermitteln muss und es mehr Nachfragen geben wird. Ansonsten ergeben sich für mich gar keine Unterschiede in der Arbeit. Von der Taktik und Spielausrichtung sind die einzelnen Elemente und Inhalte genau dieselben wie im Männerfußball. Im athletischen Bereich müssen wir schauen, wie weit wir gehen können. Da wollen wir aber auch an die Grenzen gehen, um das Optimum herauszuholen. Darüber hinaus habe ich mich selbstverständlich schon ausführlich mit dem Frauenfußball beschäftigt. Ab dem ersten Gespräch habe ich mir viele Spiele angeschaut und war auch schon live im Stadion. So konnte ich mir schon einen großen Überblick verschaffen. 

herthabsc.de: Der 1. FFC Turbine Potsdam gehört zu den erfolgreichsten Vereinen im deutschen und europäischen Frauenfußball. Wie groß ist deine Vorfreude auf diese Aufgabe und welche gemeinsamen Ziele verfolgst du mit deinem neuen Club?
Chahed: Ich verspüre eine große Vorfreude auf die Arbeit bei Turbine Potsdam. Die Gespräche verliefen sehr positiv und ich hatte durchweg ein gutes Bauchgefühl – das hat mir natürlich bei meiner Entscheidung sehr geholfen. Ich weiß, dass Potsdam ein ganz großer Name ist im Frauenfußball. Da bin ich gespannt, was uns alle erwartet. Aber ich gehe mit einem großen Engagement an die Sache heran. Die konkreten Ziele werden wir gemeinsam mit der Mannschaft erörtern. Denn ich als Trainer finde es sehr wichtig, dass die Ziele vom Team selbst kommen müssen und nicht vom Vorstand oder vom Coach vorgeschrieben werden. 

herthabsc.de: Dein ehemaliger Verein und dein neuer Arbeitgeber sind eine dreijährige Kooperation eingegangen. Ganz ohne Hertha BSC wirst du also auch in Zukunft nicht auskommen müssen.
Chahed: Ja, das ist richtig! Wobei meine Verpflichtung als Trainer von Turbine Potsdam nicht im Zusammenhang mit der Kooperation steht. Ich bin fortan voll und ganz dem 1. FFC unterstellt und auf dieser Aufgabe liegt mein ganzer Fokus. Aber natürlich freue ich mich sehr über diese Kooperation. Wir spielen ja auch in denselben Farben – also passt das schon mal sehr gut. 

(sj/City-Press)

Akademie, 30.06.2020
Social