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"Das Team ist wichtiger als man selbst"

U16-Cheftrainer Sofian Chahed spricht im Interview über seinen Werdegang, den 'Triple'-Gewinn in der Vorsaison, Witze mit Zecke und die anstehende Spielzeit.

Berlin - Für die U15 hätte es in der Saison 2018/19 kaum besser laufen können. In drei Wettbewerben gingen die Herthaner an den Start, in allen dreien triumphierten sie. So holten die C-Junioren nicht nur die Deutsche Futsal-Meisterschaft, sondern wurden noch dazu Berliner Pokalsieger sowie Staffelmeister der C-Junioren-Regionalliga Nordost. Auch für ihren Trainer Sofian Chahed läuft es hervorragend, seitdem er vor drei Jahren in den Verein zurückkehrte und als Nachwuchscoach in der Hertha BSC Fußball-Akademie anheuerte. Zunächst fungierte der ehemalige tunesische Nationalspieler und Ex-Profi, der mehr als 100 Pflichtspiele für den Hauptstadtclub absolvierte, als Co-Trainer der U16. In der Folge wurde er erst zum U14- und eine Saison später zum U15-Cheftrainer befördert. Ab der Spielzeit 2019/20 leitet Chahed die sportlichen Geschicke der U16. Im Interview spricht er über den 'Triple'-Gewinn in der Vorsaison, den Spieler Sofian Chahed und Witze mit Zecke.

herthabsc.de: Wer hat sich besser entwickelt: Der Spieler Sofian Chahed oder der Trainer Sofian Chahed?
Chahed: (schmunzelt) Der Trainer. Als Spieler bin ich an meine Grenzen gestoßen, als Trainer habe ich definitiv immer noch viel Luft nach oben. Sicherlich habe ich mich schon entwickelt, vom Co-Trainer der U16 zum Cheftrainer der U14 und später der U15. In dieser Zeit habe ich vieles gelernt. Zum Beispiel, dass das ganze Team um einen herum wichtiger ist als man selbst. Vor allem in der zurückliegenden Saison hatte ich in Gestalt von Rejhan Hasanovic einen sehr guten Co-Trainer, den ich viel eingebunden habe. Meine persönliche Entwicklung wird aber noch weitergehen. Man lernt nie aus – im Leben genauso wenig wie als Coach. Es gibt immer neue Trainingsmethoden und du musst immer auf dem neuesten Stand sein, um für dich selbst herauszufinden, was für die eigene Arbeit Sinn macht und was nicht.

herthabsc.de: Gibt es Trainer, die dir als Vorbild dienen?
Chahed: Nein. Als Spieler hatte ich aber auch keine Vorbilder, ich habe schon immer mein eigenes Ding gemacht. Natürlich gibt es aber bestimmte Spielstile, die ich mag: zum Beispiel den Fußball, den Markus Anfang bei Holstein Kiel und beim 1. FC Köln spielen gelassen hat.

herthabsc.de: Mit der U15 hast du in der zurückliegenden Saison 2018/19 das 'Triple' geholt. Ihr seid Deutscher Futsal-Meister, Berliner Pokalsieger und Staffelsieger der Regionalliga Nordost geworden. Hast du dir zur Belohnung irgendetwas gegönnt?
Chahed: Ich habe mich nicht belohnt, weil ich glaube, dass das nicht nötig ist. Klar, nachdem wir am letzten Spieltag gegen RasenBallsport Leipzig gewonnen und die Staffelmeisterschaft klargemacht haben, habe ich ein bisschen durchgeschnauft. Dann habe ich den Fokus aber auch direkt auf die Vorbereitung der neuen Saison gelegt. Es muss immer weitergehen!

Gesagt...

"Es ist gut, dass viele unserer Trainer früher selbst für Hertha gespielt haben. Als Ehemaliger identifiziert man sich anders mit dem Verein."

Sofian Chahed

herthabsc.de: Wie schafft man es, nach einer solchen Saison der Superlative zu verhindern, dass sich bei den Spielern eine Sättigung einstellt?
Chahed: Was das angeht, ist jeder einzelne Spieler gefragt. Jeder Einzelne muss sich an die eigene Nase fassen. Für mich ist es selbstverständlich, den Spielern muss man aber klarmachen: Die Erinnerungen an diese Erfolge sind sehr schön, taugen für die Zukunft aber nichts. Das ist ab sofort Vergangenheit. Wer hier noch weiter etwas erreichen möchte und vielleicht sogar irgendwann bei Hertha BSC oder bei einem anderen Verein den Schritt in den Profibereich machen möchte, muss immer weiter an sich arbeiten. Wir haben aber auch das Gefühl, dass unseren Spielern das bewusst ist.

herthabsc.de: Du stehst nun vor deiner dritten Saison als Cheftrainer einer Nachwuchsmannschaft. Ante Covic hat den Posten von Pal Dardai übernommen und geht nun in seine erste Spielzeit als Cheftrainer der Profis. Zecke trainiert ab sofort die U23, Michael Hartmann die U19 und Oliver Schröder ist Co-Trainer der U17. Es ist schon erstaunlich, wie hoch die Dichte an Ex-Profis ist, die in der Hertha BSC Fußball-Akademie und im Profibereich Trainerposten übernehmen. Inwiefern erleichtert es deine Arbeit, dass du mit so vielen Kollegen im Austausch stehst, die einen ähnlichen Werdegang hatten wie du und mit denen du teilweise sogar zusammengespielt hast?
Chahed: Die Arbeit an sich erleichtert das nicht. Es ist aber ein angenehmeres Arbeiten. Man kennt sich von früher, tickt gleich und kann immer noch gemeinsam lachen – vor allem, wenn Zecke im Büro ist. (lacht) Jetzt ist auch noch Malik (Fathi, Co-Trainer der U23, Anm. d. Red.) dazugekommen, mit dem ich schon lange eng befreundet bin. Insofern ist das schon schön. Und ich finde es auch gut, dass so viele Trainer bei uns tätig sind, die auch schon als Spieler für den Verein gearbeitet haben. Als ehemaliger Spieler identifiziert man sich einfach anders mit dem Verein als ein externer Trainer. Außerdem ist das für unsere Nachwuchsspieler natürlich auch etwas anderes, wenn sie von jemandem trainiert werden, der es bei Hertha zu aktiven Zeiten selbst ganz nach oben geschafft hat. Dann denken sich die Spieler schon mal: "Der muss wissen, wie es geht!" Das allein reicht einem als Trainer aber auch nicht. Nicht jeder gute Spieler wird gleichzeitig ein guter Trainer. Ich war ja nicht mal ein guter Spieler. (lacht)

(af/City-Press)

Akademie, 11.08.2019
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