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Viele Wege führen zu Hertha BSC

Über 70 Spieler schafften aus der Hertha BSC Fußball-Akademie den Sprung zum Profi. Frank Vogel, Sportlicher Leiter, und Kleinfeldkoordinator Michael Dober erklären, welche Wege zum Hauptstadtclub führen.

Berlin - Fast tagtäglich erreichen Frank Vogel und Michael Dober E-Mails, Nachrichten oder Anrufe von jungen Kickern, die begierig darauf sind, ihre Künste dem Hauptstadtclub anzupreisen. Ein Mal mit der Fahne pur auf der Brust auf Tore- und Punktejagd zu gehen, Meisterschaften und Pokale mit nach Hause zu bringen - davon träumen viele angehende Fußballer. Doch die Plätze in den Mannschaften der Hertha BSC Fußball-Akademie sind begrenzt. Vogel, Sportlicher Leiter der Akademie erklärt: "Wir laden nur Spieler ein, wenn wir sie vorher schon kennen oder wenn wir eine seriöse Empfehlung bekommen haben. Für einen ersten Eindruck schauen wir uns die Spieler lieber in ihren eigenen Vereinen an." Im Kleinfeldbereich kommt es hin und wieder sogar vor, dass Eltern ihren Sprössling einfach mal bei einem Training vorbeibringen; in der Hoffnung, dass dieser dann mittrainieren darf. "Oft sehen sie dann aber auch erst, was für eine Qualität bei uns auf dem Platz steht. Das relativiert die Meinungen der Eltern häufig recht schnell", erklärt Dober, der bei den Blau-Weißen als Kleinfeldkoordinator in den Altersklassen U9 bis U13 den Hut aufhat. "Grundsätzlich macht es keinen Sinn, ohne Anmeldung oder Bestätigung, dass man dabei sein darf, zu einem Training zu kommen", ergänzt Vogel.

'Hardys Vision' als Sprungbrett in die Akademie

Bei den Jüngeren gibt es jedoch ohnehin bereits sehr gelungene Formate, um sich den Nachwuchstrainern von Hertha BSC zu präsentieren. Zwei Mal im Jahr – an Ostern und im Herbst – finden auf dem Olympiagelände die großen Sichtungstage statt. "Das ist bei den Berliner Nachwuchsspielern inzwischen bekannt und wird sehr gut angenommen", weiß Dober. Für die Allerjüngsten existiert seit einigen Jahren zudem das Projekt 'Hardys Vision', bei dem Ex-Nationalspieler und U19-Trainer Michael 'Hardy' Hartmann als Namensgeber fungiert. Eine ganze Saison lang bietet die blau-weiße Nachwuchsakademie ausgewählten Spielern die Möglichkeit, ein Mal pro Woche mit Herthas Trainern zu arbeiten. Die talentiertesten Nachwuchskicker bekommen dann die Chance, in der darauffolgenden Saison Bestandteil der U9 zu werden. "Das ist wirklich ein sehr gelungenes Projekt. Alle Jahrgänge, die wir so entdeckt haben, haben sich ausgezeichnet entwickelt", berichtet Dober stolz. "Durch die Vorsichtung finden wir Bewegungstalente – Jungs, bei denen man sieht, dass sie Lust haben, sich von sich aus zu bewegen und gegen den Ball zu treten. Die Aufgabe unser Trainer ist es dann, ihnen das Fußballspielen beizubringen und sie weiterzuentwickeln."

Gesagt...

"Wir ergänzen unsere Teams nicht in der Breite. Wichtig ist, dass ein Spieler mit seinem Potenzial der Mannschaft etwas hinzufügt."

Frank Vogel

Und das funktioniert blendend. Vogel weist zudem auf den großen Vorteil hin, dass deutlich weniger Spieler ersetzt werden müssten, die frühzeitig an ihre Leistungsgrenzen kämen als das in den Vorjahren der Fall gewesen sei. "Was unsere Jüngsten an spielerischer Qualität, Aktivität, Beidfüßigkeit und Dribbelstärke mitbringen, ist außergewöhnlich. Im bundesweiten Vergleich sind unsere Mannschaften sehr erfolgreich. Es macht viel Freude, ihnen beim Spielen zuzusehen", so der Fußballlehrer weiter. Doch das Orchester der Maßnahmen, das die Akademie betreibt, um schlagkräftige Mannschaften ins Rennen zu schicken und den Berliner Nachwuchs zu fördern, ist damit bei weitem noch nicht zu Ende. In der Altersklasse jener Kicker, die sich im Rahmen von 'Hardys Vision' präsentieren, engagiert sich auch ein langjähriger Partner des Hauptstadtclubs: die Berliner Volksbank. So werden im Zuge des 'Berliner Volksbank Cups' Saison für Saison in vier Vorrundenturnieren und schließlich dem großen 'Finale der Besten' die stärksten  Nachwuchsmannschaften gesucht. An zwei dieser Turniere nahm auch Herthas Perspektivteam aus 'Hardys Vision' teil – ganz bewusst und mit durchschlagendem Erfolg, allerdings außer Konkurrenz: "Diese Teilnahmen sind ein erster Gratmesser, denn wir treffen dort auf echte Konkurrenz von etablierten Vereinen, die sehr gute Jugendarbeit leisten. Im vergangenen Jahr ist unsere zusammengewürfelte Mannschaft bei beiden Malen Turniersieger geworden. Da sind wir also schon auf einem sehr guten Weg", berichtet Dober. Beim 'Finale der Besten' 2019 triumphierte allerdings der SC Schwarz-Weiss Spandau.

"Sehr gute, unkomplizierte" Kooperation mit Namensvetter Hertha 03

Oberste Divise bei der 'Alten Dame' ist, dass die Teams im Idealfall über Jahre hinweg zusammenspielen. Vor diesem Hintergrund erklärt Vogel: "Wir ergänzen unsere Mannschaften in der Regel nicht in der Breite. Für uns ist wichtig, dass ein Spieler mit seinem Potenzial der Mannschaft etwas hinzufügt." Nicht immer entwickeln sich Spieler gleich schnell. Auch aus diesem Grund ist Hertha BSC eine Kooperation mit Namensvetter FC Hertha 03 Zehlendorf eingegangen. "Der Austausch mit Hertha 03 ist sehr gut, sehr unkompliziert", sagt Vogel. "Als Belohnung für gute Leistungen laden wir Jungs aus Zehlendorf zu uns ein, umgekehrt laufen Spieler, die Spielpraxis brauchen, für Hertha 03 auf. Bisher ist das eine sehr gute Kooperation, die wir noch ausbauen und intensivieren wollen." Sorgen darüber, dass die eigenen Fähigkeiten verborgen bleiben, muss sich also kein Talent in Berlin und Brandenburg machen. Macht ein Spieler in seinem Verein auf sich aufmerksam, werden Herthas Scouts über kurz oder lang auf ihn aufmerksam. "Die Angst kann man ihnen nehmen. Es kommt auch vor, dass Trainer ihre Spieler empfehlen, weil sie erkennen, dass diese den nächsten Schritt gehen können", versichert Vogel. Nicht immer ist sofort der Schritt zum größten Verein vor der Haustür notwendig. Häufig reicht es bereits, in einer höheren Liga oder einem größeren Verein in der Nachbarschaft eine neue Herausforderung anzunehmen. Die vielen Augen der Herthaner sind stets wachsam – die Trainer haben ihre Ligen und Pokalwettbewerbe im Blick, die Scouts besetzen die wichtigsten Spiele, Turniere und Auswahlmaßnahmen der Verbände.

Gesagt...

"Es ist etwas Besonderes, wenn Jungs im Olympiastadion spielen, die von klein auf die Fahne auf der Brust getragen haben."

Michael Dober

Das Erfolgsrezept ist der regelmäßige Austausch, entweder auf kurzem Dienstweg im Großraumbüro oder auch bei den regelmäßig stattfindenden Sitzungen. Für die Verantwortlichen gibt es viel zu tun, doch die Belohnung für die harte Arbeit lässt sich zur Zeit nur wenige Meter von der Akademie entfernt eindrucksvoll ablesen: In letzter Zeit schaffen so viele Nachwuchsspieler wie selten zuvor den Sprung in den Profikader von Hertha BSC. "Es ist schon etwas Besonderes, wenn man Jungs im Olympiastadion spielen sieht, die von klein auf die Fahne auf der Brust getragen haben", sagt Dober stolz. Nicht zuletzt die außergewöhnliche Durchlässigkeit spricht für die Nachwuchsarbeit der Blau-Weißen. "Spieler in unserer Akademie bekommen alles, was notwendig ist, um ihre Karriere voranzutreiben. Es besteht keine Notwendigkeit, irgendwo anders hinzugehen, denn hier haben sie ihre Familie und ihre Freunde. Außerdem können sie hier parallel ihre schulische Ausbildung abschließen", ergänzt Dober. Auch bei Vogel schwingt beim Blick auf die Akademie-Absolventen Stolz mit: "Das ist schon eine tolle Bestätigung, wenn man sich die lange Liste an Spielern anschaut, die es in den Profibereich geschafft haben. Man hatte über die Jahre hinweg mit allen zu tun, hat sie gescoutet, begleitet, trainiert oder die Verträge geschlossen. Dass es inzwischen über 70 Spieler sind, die Profiluft geschnuppert haben, ist eine Dimension, die stolz macht – vor allem bei immer weiterwachsender Konkurrenz!"

(war/City-Press)

Akademie, 02.12.2019
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