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Prävention: Verletzungen vorbeugen wie die Profis

Mit einfachen Regeln Verletzungen effektiv vorbeugen – vom Amateur bis zum Spitzensportler.

Berlin - "Eine gezielte Präventionsarbeit senkt die Verletzungsrate im Sport", sagt Dr. Alberto Schek, Oberarzt für Sportorthopädie im Vivantes Klinikum Am Urban. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen betreut er die Spieler der Hertha BSC Fußball-Akademie. Dazu gehört nicht nur die Behandlung von Verletzungen, sondern auch ein Präventionsprogramm, um diesen vorzubeugen. Dr. Schek erklärt, wie sich die Hertha-Spieler schützen und wie auch Hobbysportler ihr Verletzungspotential senken können.

Alle Spieler der Hertha BSC Fußball-Akademie werden jährlich auf Ihre Sporttauglichkeit untersucht. Ziel ist es, Auffälligkeiten, die eine Verletzung begünstigen könnten, zu erkennen und zu behandeln. Hierbei werden unter anderem Blutproben entnommen, verschiedene Belastungstests durchgeführt und der Bewegungsapparat untersucht. Die Gesundheit des Herzens wird mittels EKG und Ultraschall überprüft. Dieser ausführliche Check-up erfolgt in Kooperation mit der Klinik für Innere Medizin – Kardiologie, Allgemeine Innere Medizin und konservative Intensivmedizin unter Departmentleiter Prof. Dr. Hüseyin Ince und der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie unter Chefarzt Prof. Dr. Mohssen Hakimi des Vivantes Klinikum Am Urban.

Zusätzlich werden alle Akademie-Spieler von den Athletiktrainern und vom Physiotherapie-Team von Hertha BSC funktionellen Tests unterzogen. So können Muskelverkürzungen, Muskel- und Haltungsschwächen sowie Gleichgewichtsdefizite gezielt präventiv therapiert werden. Dr. Schek empfiehlt auch Freizeitsportlern, sich regelmäßig beim Arzt vorzustellen: "Eine gezielte ärztliche Untersuchung vor Beginn einer sportlichen Betätigung ist immer ratsam. Für bereits aktive Breitensportler ist zum Beispiel ein jährlicher Gesundheitscheck beim Internisten und Orthopäden beziehungsweise Sportmediziner sinnvoll." Zudem gibt es eine Reihe von Regeln, mit denen sich Verletzungen effektiv vorbeugen lassen – vom Amateur bis zum Spitzensportler:

  • Erwärmung: Das Aufwärmen vor einer sportlichen Betätigung ist eindeutig empfehlenswert: Die Herzfrequenz und der Blutdruck steigen an und versorgen den Körper mit Energie. Die Atemfrequenz steigt ebenfalls, wodurch die Muskulatur mehr Sauerstoff bekommt und sozusagen auf das Training vorbereitet wird. Dr. Schek sagt: "Es ist wichtig, beim Erwärmen sportartspezifische Übungen auszuwählen. Ein Fußballer konzentriert sich mehr auf den Rumpf und die Beine, als zum Beispiel auf die Handgelenke."
  • Dehnung: Es ist erwiesen, dass die sogenannte dynamische Dehnung für die Verletzungsprävention und Leistungssteigerung am sinnvollsten ist. Das bedeutet, die Muskeln werden durch aktive, wiederholende Bewegungen gedehnt. Dabei darf ruhig das gesamte Bewegungsausmaß des Rumpfes oder der Extremitäten beansprucht werden. Eine statische Dehnung, bei der minutenlang in einer Dehnposition verharrt wird, kann sich hingegen negativ auf die maximale Leistungsfähigkeit beim Sport auswirken.
  • Erholung: Erholung nach dem Training spielt eine wichtige Rolle in der Verletzungsprävention. Der Körper kann einmalige Überlastungen der Muskeln und Gelenke gut verkraften, solange eine Belastungsreduktion oder -pause eingelegt wird – und zwar bis der Schmerz oder der (zu starke) Muskelkater verschwunden ist. Häufig behandelt der Sportmediziner Dr. Schek Verletzungen, die durch Selbstüberschätzung entstanden sind: "Ein typischer Denkfehler ist, man könne eine Schmerztablette nehmen und direkt wieder loslaufen. Das ist der falsche Weg."
  • Ernährung: Für die Erholung und Prävention ist eine ausgewogene Ernährung sinnvoll. Fastfood sowie größere Mengen an Zucker sind erwiesenermaßen kontraproduktiv für die Regeneration. In den letzten Jahren sind Antioxidantien, wie Vitamin C und E, Polyphenole, Carotinoide als Schutz für die Zellen hoch im Kurs. Beispiele hierfür sind: Gemüse, Obst, Tee, Kaffee, Nüsse und sogenanntes 'Superfood'. Direkt nach dem Training helfen schnell verfügbare Proteine und Kohlenhydrate, um die Glykogenspeicher aufzufüllen und den Muskeln die nötigen Bausteine zu liefern. So wird die 'Reparatur' und der Muskelaufbau erleichtert.
  • Kleidung: "In der Literatur gibt es die Tendenz, dass sich Kompressionskleidung, zum Beispiel Socken, positiv auf die Regeneration des Körpers auswirken kann", sagt Dr. Schek. Viele Sportlerinnen und Sportler berichten auch von einem besseren Wohlbefinden in Kompressionskleidung. Bei der Wahl des richtigen Schuhwerks sollten neben Fußform und Laufstil auch Laufuntergrund, Dämpfung und Witterungsbedingungen berücksichtigt werden. Dies beugt Verletzungen vor und kann eine Leistungssteigerung bewirken.

Für alle Sportbegeisterten, die ihr Training weiter verbessern wollen, gibt es schon bald weitere Tipps zum Thema Prävention: "Vivantes und Hertha BSC entwickeln aktuell gemeinsam ein optimiertes Präventionsprogramm für alle Athleten des Vereins, von U9 bis zu den Profis. Das Programm beinhaltet die wichtigsten Aufwärmübungen im Mannschaftstraining", erklärt Dr. Schek. Dazu wird es ein Präventionsvideo mit Hertha-Spielern geben, das zukünftig allen Interessierten helfen soll, ihr Verletzungspotential zu senken.

Vivantes ist für die Hertha BSC Fußball-Akademie im Einsatz: Dr. Johannes Danckert (Regionaldirektor Süd/West und Geschäftsführender Direktor Klinikum Neukölln), Prof. Dr. Mohssen Hakimi, Benjamin Weber (Leiter Hertha BSC Fußball-Akademie), Prof. Dr. Hüseyin Ince, Dr. Alberto Schek (im Uhrzeigesinn von links oben).

Akademie, 07.11.2019
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