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"Die Jungs wollen sportlich immer nachlegen!"

Nach 14 absolvierten Spieltagen zieht U23-Cheftrainer Andreas 'Zecke' Neuendorf ein erstes Zwischenfazit und blickt auf das Spitzenspiel am Samstag (09.11.19, 13:30 Uhr) bei der VSG Altglienicke.

Berlin – 29 Punkte, neun Siege, Tabellenplatz 2 und die beste Offensive der Liga: Die erste Zwischenbilanz der U23 von Hertha BSC nach 14 Spieltagen in der Regionalliga Nordost lässt sich ohne Frage als mehr als gelungen einstufen. "Die Tabelle ist für uns ein schöner Randaspekt, aber darauf liegt nicht unser Hauptaugenmerk", zeigt sich auch Cheftrainer Andreas 'Zecke' Neuendorf mit den ersten Monaten seiner Premierensaison bei den 'Bubis' zufrieden. Doch auf dieser erfolgreichen Momentaufnahme wollen sich die Herthaner nicht ausruhen, sondern blicken mit voller Motivation auf die kommende Aufgabe – und die hat es in sich. Am Samstag (09.11.19, 13:30 Uhr) gastieren die Blau-Weißen als beste Auswärtsmannschaft beim Spitzenreiter VSG Altglienicke im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Vor diesem Kräftemessen zieht Coach Neuendorf mit herthabsc.de ein erstes Fazit und spricht über das anstehende Topspiel.

herthabsc.de: Zecke, die Hinrunde in deiner ersten Spielzeit als U23-Coach ist fast geschafft. Wie fällt dein Zwischenfazit nach den ersten 14 Partien aus?
Neuendorf:
 Die Platzierung ist für uns eher sekundär. Für viele Leute ist dieser aktuelle Tabellenplatz spannender, als für uns selbst. Für die Jungs ist es natürlich ein schöner Nebeneffekt, so bekommen sie zurzeit etwas mehr Aufmerksamkeit – diese sollten sie aber unabhängig vom zweiten Rang erhalten, sondern aufgrund ihrer Leistung auf dem Platz. Wir spielen in der Regionalliga und unsere Jungs sind ambitioniert, sie wollen alle in die Bundesliga. Bei den hochtalentierten Spielern, die wir haben, ist es für ihre weitere Entwicklung beinahe ein Muss, dass sie in der Regionalliga so performen und abliefern. Und darauf beruht unser Ausbildungsziel: jeden einzelnen weiterzubringen und so viele U19-Spieler an den Herrenbereich heranzuführen. Mit Luca Netz hat sogar auch schon ein Akteur aus der U17 bei uns mit trainiert. Von daher ist die aktuelle Tabelle schön anzuschauen, aber darauf liegt nicht unser Hauptaugenmerk.

herthabsc.de: Die Spitzengruppe in der Regionalliga Nordost ist sehr eng beieinander. Erwartest du bis zum Saisonende einen Kampf um die Meisterschaft?
Neuendorf: 
Ich denke schon, dass diese enge Konstellation bis zum Ende der Saison Bestand halten kann. Dass sich der BAK (Berliner Athletik Klub 07, Anm. d. Red.), der hier bei uns eine sehr gute Leistung abgerufen hat, bisher etwas schwertut, überrascht mich etwas. Die anderen Mannschaften, die da oben mit dabei sind, waren in dieser Tabellenregion zu erwarten. Dennoch darf man auch Viktoria 89, die derzeit auf dem achten Platz stehen, nicht vergessen. Es wird bis zum Schluss ein spannender Kampf um die Spitzenplätze, da die Liga allgemein sehr ausgeglichen ist - siehe unsere verdiente Niederlage gegen Lichtenberg aus dem Tabellenmittelfeld.

Die U23 von Hertha BSC hatte in dieser Saison schon einiges zu bejubeln.

herthabsc.de: Besonders in der Offensive läuft es bei euch: Mit 46 Toren stellt ihr den besten Angriff der Liga. Untermauert das eure offensiv ausgerichtete Spielweise?
Neuendorf: 
Es geht darum, welche Spieler dir zur Verfügung stehen und welche Spieler aus Vereinssicht die Toptalente sind – die wollen wir logischerweise dann auch auf dem Platz haben. Wir haben oft Spiele, in denen wir mit fünf Stürmern spielen. Ich denke nicht, dass allzu viele Vereine mit fünf Angreifern auflaufen. Wir können uns das aber erlauben. Vor dem Hintergrund, dass unser erstes Ziel war, die Klasse zu halten und den Toptalenten so viel Spielzeit wie möglich zu geben, schielen wir nicht auf die Tabelle. Und dass sich nach dem ersten Saisondrittel herauskristallisiert, dass unsere vier, fünf Offensivspieler so viele Tore erzielen, ist ein Verdienst der Jungs, denn kaum ein Tor wurde ihnen geschenkt, die haben sie sich alle gut erarbeitet. Wenn man sieht, wie die Treffer in der Breite verteilt sind, sind alle, die vorne mitwirken, an den Toren beteiligt. Egal ob es ein Muhammed Kiprit, ein Jessic Ngankam oder ein Maximilian Pronichev ist, das machen sie sehr ordentlich. Aber auch in der Defensive haben wir sehr gute Jungs, die alle ein enormes Entwicklungspotenzial besitzen.

herthabsc.de: In welchen Bereichen siehst du dagegen noch Verbesserungspotenzial?
Neuendorf: 
Uns fehlt oft die Balance in der Mannschaft zwischen Offensive und Defensive. Wie soll die aber auch gegeben sein, wenn wir fünf Stürmer und dann meistens auch noch zwei offensive Mittelfeldspieler auf dem Platz haben? Da bleiben dir ja nur noch drei gelernte Defensivspieler plus Torwart. So lange die Jungs ihre Tore vorne machen, verzeihe ich es der Truppe auch, wenn wir hinten mal ein bisschen offener stehen. Dennoch werden wir uns in Zukunft genau mit diesen defensiven Umschaltbewegungen beschäftigen. Darüber hinaus arbeiten wir – wie eingangs erwähnt – an der Entwicklung jedes einzelnen Spielers. Am Wochenende müssen sie als Mannschaft funktionieren, unter der Woche arbeiten sie aber als Ich-AG an ihrer individuellen Qualität. Deshalb geht es darum, wie wir jeden Einzelnen bestmöglich weiter entwickeln können.

Gesagt...

"Wenn wir 4:0 führen, möchten wir trotzdem das fünfte Tor erzielen – und nicht das Spiel verwalten."

Andreas 'Zecke' Neuendorf über die Art und Weise Spiele zu bestreiten

 

herthabsc.de: Im Thema Fairness macht euch niemand etwas vor. Ihr seid die fairste Mannschaft der Staffel. Zufall oder Absicht?
Neuendorf: 
Als Akademie sammeln wir jährlich die Fair Play-Pokale – egal ob in den Regionalligen oder in den Junioren-Bundesligen. Bei unseren Partien ist es ja auch nicht der Fall, dass sich ein Spieler von uns nach einem Foulspiel drei Minuten auf dem Rasen rumwälzt oder Zeit schindet. Jeder von den Jungs möchte immer noch einen nachlegen: Wenn wir beispielsweise 4:0 führen, möchten wir trotzdem das fünfte Tor erzielen – und nicht das Spiel verwalten. Wir wollen auch nicht, dass ein Gegner personell dezimiert ist. Schließlich wollen wir uns mit dem gegnerischen Team im sportlichen Wettkampf messen – und das geht am besten im Elf-gegen-elf. Darüber hinaus ist auch unsere Ansprache gegenüber Schiedsrichtern sehr gut. Allgemein agieren unsere Jungs sehr professionell auf dem Platz, es ist aber nicht so, dass wir vor jeder Partie explizit darauf hinweisen. Das haben die Spieler durch ihre Ausbildung in der Akademie von Anfang an gelernt. Außerdem haben wir mit Tony Fuchs, Rico Morack und Bilal Cubukcu drei Ausbildungshelfer, die der Mannschaft sehr gut zu Gesicht stehen und im Trainingsbetrieb die jungen Spieler sowie auch das Trainerteam unterstützen und richtig mit anpacken. 

herthabsc.de: Schauen wir auf den weiteren Saisonverlauf: Wie sehen eure Ambitionen und Ziele aus?
Neuendorf: 
Für uns geht es nicht um eine bestimmte Platzierung, und wir sagen auch nicht, dass wir Erster werden wollen, um die Aufstiegsspiele zu bestreiten. Uns geht es darum, dass wir uns gegen die Spitzenteams, die oben in der Tabelle stehen, positiv behaupten. Darüber hinaus arbeiten wir natürlich daraufhin, dass sich über die Saison hinaus sich so viele Spieler wie möglich für den Profikader empfehlen. Das ist unser Saisonziel, und dafür sind wir da – um den jeweiligen Akteuren, ihre Spielzeit zu gewähren. 

herthabsc.de: Zum Abschluss blicken wir auf die anstehende Aufgabe. Am Samstag (09.11.19, 13:30 Uhr) gastiert ihr beim Spitzenreiter VSG Altglienicke. Was erwartest du für eine Partie und wie lautet eure Marschroute für das Spiel?
Neuendorf: 
Die VSG Altglienicke und ihr Trainer Karsten Heine spielen eine überragende Saison. Karsten war über viele Jahre Trainer bei Hertha BSC und unter anderem auch mein Coach. Ich schätze ihn sehr und freue mich auf das Wiedersehen – das ist das erste Mal, dass ich ihm als Trainer gegenüberstehen darf. Ich weiß, dass Mannschaften unter ihm immer sehr gut eingestellt sind. Es kommt nicht von ungefähr, dass sie zurzeit auf dem ersten Platz stehen. Nichtsdestotrotz treffen am Samstag zwei Mannschaften auf Augenhöhe aufeinander. Wir wollen viele Torraumszenen für uns kreieren, unsere Stürmer in aussichtsreiche Abschlusssituationen bringen, und bestmöglich haben wir nach den 90 Minuten ein Tor mehr als Altglienicke erzielt. 

(sj/HerthaBSC)

Akademie, 07.11.2019
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