Bild: Herthabsc

"Die positive Mischung zahlt sich aus!"

Herthas U19-Trainer Michael Hartmann spricht im Interview über die ungeschlagene Hinserie, die Förderung der Nachwuchstalente, die Ziele für die Rückrunde und das allgemein positive Abschneiden in der Akademie.

Berlin – Michael Hartmann und die blau-weiße U19: Das passt! Nach dem Gewinn der der deutschen A-Junioren Meisterschaft vor zwei Jahren, sorgten die Herthaner in der zurückliegenden Saison in der UEFA Youth League für Furore – und das alles unter der Regie des ehemaligen Profis und deutschen Nationalspielers. Diese Erfolgsgeschichte schreiben die Nachwuchskicker und ihr Coach auch in der aktuellen Spielzeit fort. So liegen die 'Hardy'-Schützlinge in der A-Junioren Bundesliga Nord/Nordost als einzige unbesiegte Mannschaft auf dem zweiten Tabellenplatz und halten sich somit alle Chancen für die Rückserie offen. Welche Chancen Hartmann seinem Team im Kampf um die Meisterschaft einräumt, womit er im bisherligen Saisonverlauf besonders zufrieden ist und wie er das aktuelle Abschneiden der gesamten Hertha BSC Nachwuchs-Akademie bewertet, hat er im Gespräch mit herthabsc.de verraten.

herthabsc.de: 'Hardy', 14 Spiele sind in der A-Junioren Bundesliga Nord/Nordost absolviert. Ihr belegt mit 34 Zählern den zweiten Tabellenplatz. Dir steht also eine ruhige und entspannte Weihnachtszeit bevor?
Michael Hartmann:
Ja, definitiv (schmunzelt). Für uns ist es schön, dass wir aktuell oben in der Tabelle mit dabei sind und die Möglichkeit haben, um Platz 1 und die Teilnahme an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft mitspielen zu können. Das ist auch unser Ziel, aber nichtsdestotrotz freut man sich jetzt auch erstmal auf den Urlaub, um etwas runterzufahren und Zeit mit der Familie zu verbringen. Darauf freue ich mich.  

herthabsc.de: Ihr seid das einzige Team der Liga, das bisher ungeschlagen ist. Was macht euch so stark?
Hartmann:
Wir sind eine spielstarke Mannschaft, die mittlerweile verstanden hat, nicht nur nach vorne zu spielen, sondern auch die Umschaltbewegungen in die Defensive zu verinnerlichen. Das unterstreicht, dass wir nicht allzu viele Gegentore bekommen haben. Darüber hinaus sind wir durch unsere individuelle Stärke, die wir auf den einzelnen Positionen haben, immer in der Lage, Tore zu erzielen und im Defensivbereich die Treffer zu verhindern. Diese positive Mischung zahlt sich aktuell aus!

herthabsc.de: Mit nur 14 Gegentreffern stellt ihr die beste Defensive der Staffel: Ist das euer Schlüssel zum Erfolg?
Hartmann:
Da wir in unseren Spielen von ganz vorne an verteidigen, grundsätzlich im Angriffspressing agieren und somit Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte erzwingen, ist es definitiv ein Erfolgsrezept. Denn die Jungs schalten sehr gut um und schieben in den einzelnen Mannschaftsteilen während des Pressings auch sehr gut nach. 

herthabsc.de: Während ihr in der Heimtabelle den fünften Rang belegt, grüßt ihr im Auswärtsranking mit starken 22 von 24 möglichen Zählern von ganz oben. Warum liegen euch die Gastspiele in der Fremde so sehr?
Hartmann: 
Allgemein haben wir bisher mehr Auswärts- als Heimspiele absolviert. Aber für mich ist es in dieser Altersklasse kein Vorteil ob du jetzt zu Hause oder in der Fremde spielst, da es den Fan-Faktor in diesem Bereich noch nicht gibt. Wir gehen jedes Spiel genauso an – egal ob heim- oder auswärts. Die Jungs sind vor den Partien fokussiert und gewöhnen sich allgemein in der professionellen Spielvorbereitung daran, was eventuell später im Profibereich auf sie zukommen könnte. Das fängt bei uns in der Akademie früh an, dass wir die Jungs auf solche Dinge gewöhnen – alles was mit Professionalität zu tun hat: Ernährung, Schlaf, Regeneration oder auch Prävention. Deshalb ist es auch schön, dass die Jungs das auch so umsetzen.

Gibt die Richtung vor: U19-Trainer Michael Hartmann.

herthabsc.de: Apropos Profibereich: Mit Lazar Smardzic, der euer erfolgreichster Torschütze ist, Luca Netz, Ruwen Werthmüller oder auch Torwart Florian Palmowski durften einige deiner Akteure schon im Spiel- und Trainingsbetrieb der U23 und sogar der Profis teilnehmen. Steht Hertha BSC eine goldene Zukunft bevor?
Hartmann: (schmunzelt) Natürlich wollen wir mit unseren Mannschaften im Nachwuchsbereich gut dastehen, aber unser Ziel ist es auch – vor allem in der U19 und in der U23 –, dass wir unsere Spieler nah an die Bundesliga-Mannschaft heranführen. Natürlich gucken wir da auch, dass wir unsere Top-Talente den Profi-Trainern empfehlen und schauen, ob sie die Möglichkeit haben, dort zu trainieren und zu spielen. Das ist das Ziel unserer Nachwuchsarbeit und dementsprechend werden wir das auch weiter so handhaben. 

herthabsc.de: Wie fördert ihr explizit eure Top-Talente, um sie in Zukunft zu Bundesliga-Spielern zu formen?
Hartmann: 
Es gibt eine rein individuelle Förderung mit Einzelgesprächen und Videoanalysen. Aber natürlich liegt das Hauptaugenmerk auch auf dem athletischen Bereich – da sind wir mit unserem Sportwissenschaftlicher Markus Hödl im engen Austausch, um zu gucken, wo genau sich jeder Einzelne verbessern kann. Und das versuchen wir gemeinsam mit den Jungs umzusetzen.

herthabsc.de: Wir hatten eben schon über die Verbindung zur U23 gesprochen. Magst du nochmal im Detail erläutern, wie eng der Austausch unter euch Nachwuchstrainern ist und zum Trainerstab der Profis?
Hartmann: 
Da wir alle zusammen in einem Großraumbüro sitzen, besteht ein täglicher Austausch zwischen uns allen. Wenn bestimmte Maßnahmen getroffen werden müssen – beispielsweise wenn unsere U23 zu Spielen ins Ausland reist –, sprechen wir uns da genau ab, welche Spieler aus anderen Mannschaften mitgenommen werden. In diesen Fällen besteht dann natürlich auch immer der Kontakt zur Schule. Was den Profibereich angeht: Da haben wir ja jetzt einen Wechsel gehabt und dementsprechend spielt sich da die Kommunikation gerade noch ein. Aktuell besteht der Kontakt von Jürgen Klinsmann vor allem zu ‚Zecke‘ als U23-Coach, das wird sich aber auch noch ändern, da wir ja alle in einem Haus sind und uns über den Weg laufen. Aber generell ist es so, wenn es bei den Profis nicht so gut läuft, dann macht man sich Sorgen. Deshalb versuchen wir als Nachwuchs-Akademie bestmöglich zu unterstützen und zu helfen, um aus diesen Phase so schnell wie möglich wieder heraus zu kommen. 

Gesagt...

"Wenn wir das alles schaffen, dann werden wir oben in der Tabelle bleiben und haben gute Möglichkeiten, um die Meisterschaft mitzuspielen!"

Michael Hartmann

herthabsc.de: Schauen wir auf den aktuellen Stand der Nachwuchsmannschaften fällt auf, dass alle Teams von der U14 bis zur U19 auf dem ersten oder zweiten Platz stehen, die U23 steht mit dem vierten Platz auch nicht allzu schlecht dar. Was zeichnet die erfolgreiche und gute Nachwuchsarbeit aus?
Hartmann: 
Diese Erfolge fangen ja schon viel früher und in den jüngeren Jahrgängen an. Beispielsweise mit den Sichtungen und den Kleinfeldtrainern, die viel unterwegs sind. Dort geht es ja darum, dass die besten Spieler in den Jahrgängen den Weg zu Hertha BSC finden – das ist zwar nicht immer ganz einfach, aber mit das Wichtigste für uns als Akademie. Wenn es dann ab der U13 aufs Großfeld geht, sollte sich dann schon ein guter Kern an Spielern gefunden haben, um anschließend bestmöglich ausgebildet zu werden und von jedem Trainer neuen Input zu bekommen. 

herthabsc.de: Und wenn diese Förderungsmaßnahmen fruchten, sind solche Platzierungen dann sicherlich kein Zufall?
Hartmann: 
Andere Vereine schlafen ja auch nicht. Wir haben eine enorme Konkurrenz, die vom Budget her im Nachwuchsbereich mehr ausgeben, als wir es tun. Nichtsdestotrotz haben wir hier in Berlin gemeinsam mit Brandenburg ein gutes Umfeld, in dem wir immer wieder für uns werben können. Darüber hinaus besteht bei uns im Verein eine gute Durchlässigkeit nach oben. Wir können nicht nur behaupten, sondern auch vorzeigen, dass bei uns aus der Akademie immer wieder Spieler den Weg in den Profibereich finden. Aus diesem Grund hoffen wir, dass unsere Top-Talente in den jeweiligen Jahrgängen bei uns bleiben und ihren Weg bei uns gehen. So können wir auch sagen, dass wir in der Ausbildung unserer Spieler einen guten Job machen – aktuell sind wir sehr zufrieden, und das macht uns glücklich. 

herthabsc.de: Du bist seit 2013 Jugendtrainer bei Hertha BSC: Gab es jemals so ein gutes Abschneiden zum Jahreswechsel?
Hartmann: 
Nein, das ist das beste Zwischenergebnis seitdem ich hier im Verein bin. Dementsprechend freuen wir uns über diese Ergebnisse und das aktuelle Abschneiden. 

herthabsc.de: Blicken wir zum Abschluss nochmal auf deine Mannschaft: Ihr steht punktgleich mit Tabellenführer Werder Bremen (34) auf dem zweiten Rang. Was sind eure Ziele für die im Februar startende Rückserie?
Hartmann: 
Wir wollen natürlich unsere Serie ausbauen und ungeschlagen bleiben – das ist ganz klar! Darüber hinaus wollen wir die Spieler, die in den vergangenen Wochen etwas hintendran gewesen sind, näher an den Spielbetrieb heranführen und mehr Druck auf die Spieler, die mehr gespielt haben, ausüben. Dementsprechend werden wir dadurch als Mannschaft nochmals stärker. Dazu wollen wir unsere Leistungsträger dahin bekommen, dass sie ihren nächsten Schritt gehen können. Wenn wir das alles schaffen, dann werden wir oben in der Tabelle bleiben und haben gute Möglichkeiten, um die Meisterschaft mitzuspielen – das ist schon unser Ziel und dafür werden wir alles tun. 

(sj/HerthaBSC)

U19, 20.12.2019
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