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"...dann muss uns Barcelona erstmal schlagen."

U19-Trainer Michael Hartmann vor dem UEFA Youth League-Achtelfinale beim FC Barcelona im Interview.

Barcelona - Für Herthas U19 steht am Dienstag (12.03.19, 18 Uhr, im Live-Stream auf airtango) das Achtelfinale in der UEFA Youth League an. Nachdem die Schützlinge von Trainer Michael Hartmann in der vorangegangenen Play-Off-Runde den Favoriten Paris Saint-Germain überraschend, aber nicht unverdient, aus dem Wettbewerb gekegelt haben, wartet nun mit dem FC Barcelona ein ähnlich schlagkräftiges Kaliber auf die Blau-Weißen. Vor dem Duell mit dem Titelverteidiger sprach herthabsc.de mit dem Meistertrainer.

herthabsc.de: Europapokal. FC Barcelona. Das klingt schon nach der großen Fußballbühne. Wie groß ist die Vorfreude, Hardy?
Hartmann: Nach dem Sieg gegen Paris haben wir uns - vor allem auch für die Jungs - so ein attraktives Los gewünscht. Dass wir jetzt nach Barcelona fahren durften, hat uns sehr gefreut. Vom Namen her ist das wirklich was Besonderes. Nach dem Heimspiel gegen Paris in der vergangenen Runde kommen die Jungs mal raus und erleben etwas anderes. Aserbaidschan war auch schon außergewöhnlich, aber Barcelona ist dann doch ein anderer Name als Qäbälä. (schmunzelt)

herthabsc.de: Wo ordnest du das Spiel gegen Barcelona persönlich ein? Ist es ein Höhepunkt deiner Trainerkarriere?
Hartmann: Irgendwo in einem Finale zu stehen, ist schon etwas Besonderes. Von der gesamten Spannung her ist es etwas anderes, wenn es um die Deutsche Meisterschaft oder den DFB-Pokal geht. Aber klar: Wir spielen in der Youth League gegen Barça - und dennoch es ist erstmal 'nur' das Achtelfinale.

Gesagt...

"Spiele gegen große Gegner - und Siege wie gegen Paris - schaffen eine große Öffentlichkeit. Das ist für uns alle schön: für uns als Trainer, aber auch für die Jungs und den Verein."

Michael Hartmann

herthabsc.de: Trotzdem ist es ein weiteres Alles-oder-nichts-Spiel...
Hartmann: ...ja, das stimmt. Spiele gegen große Gegner - am besten noch Siege wie gegen Paris - schaffen eine große Öffentlichkeit. Das ist für uns alle schön: für uns als Trainer, aber auch für die Jungs und den gesamten Verein.

herthabsc.de: Als Spieler hast du in der UEFA Champions League auch gegen Barcelona gespielt. Kann man das mit dem Spiel am Dienstag für dich als Trainer vergleichen?
Hartmann: Das lässt sich nicht vergleichen. Wenn du als Spieler im großen Camp Nou vor über 80.000 Zuschauern spielst, ist das speziell. Diese Spiele auf der internationalen Bühne waren für uns auch Neuland. Auch die unterschiedlichen Rollen machen einen Unterschied. Als Spieler musst du versuchen, die gewisse Nervosität auf dem Rasen in Energie umzusetzen. Als Trainer bringst du schon ein bisschen mehr an Erfahrung mit und musst versuchen, den Spielern zu helfen, damit sie sich aufs Spiel freuen.

herthabsc.de: Nach Paris ist Barcelona der nächste große Name. Wie siehst du beide Mannschaften im Vergeich?
Hartmann: Gegenüber dem Spiel gegen Paris wirkt Barcelona ein Stück weit reifer. Fußballerisch natürlich sehr gut, aber Paris schien individuell stärker. Wir spielen gegen eine richtig gute Mannschaft, gegen die wir eine Top-Leistung abrufen müssen, um zu bestehen. Wichtig ist, dass die Jungs fokusiert ins Spiel gehen - zu Beginn des Paris-Spiels hat man bei dem ein oder anderen noch ein wenig Nervosität gesehen. So wie sie in der zweiten Halbzeit gegen PSG gespielt haben, müssen sie von Beginn an auf dem Platz stehen.

herthabsc.de: Es ist die vierte Runde der UEFA Youth League. Siehst du schon eine Entwicklung innerhalb deiner Mannschaft?
Hartmann: Natürlich hat man im Spiel gegen Paris eine Steigerung im Vergleich zu Posen oder Qäbälä gesehen. Posen zum Beispiel hat gegen uns sehr gut gespielt und hätte zu mehr Chancen kommen können, wenn sie mehr aufs Tor geschossen hätten. Unterm Strich trägt auch der Name wie Paris oder Barcelona dazu bei, dass man noch fokussierter ist.

Schossen die U19 gegen PSG zum Sieg und sind auch in Barcelona mit von der Partie: Krebs (li.) und Zografakis.

herthabsc.de: Die Favoritenrolle scheint wieder recht klar verteilt, gegen Paris hat es dennoch gut geklappt. Was sagt dein Gefühl für Barcelona?
Hartmann: Es ist ein Spiel. Da ist es egal, wie stark der Gegner ist: In einem Spiel kann man jeden schlagen. Wir haben als Mannschaft schon bewiesen, dass wir das können und haben darüber hinaus Spieler im Team, die mit ihren individuellen Fähigkeiten Spiele entscheiden können. Es wird darauf ankommen, dass wir unsere Stärken als Mannschaft auf den Rasen bekommen. Dann muss uns Barcelona erstmal schlagen.

herthabsc.de: Mit Florian Baak, Florian Krebs und Nikos Zografakis sind dieselben 'Älteren' wie gegen Paris dabei. Welche Rolle spielen sie bei deinen Überlegungen?
Hartmann: Wichtig ist, dass sie sich gut ins Mannschaftsgefüge einfügen. Baak und Krebs haben schon bei der U23 gespielt. Beide nehmen dort schon eine Führungsrolle ein und natürlich erwarte ich auch, dass sie hier vorne weg marschieren. Zografakis ist sicher nicht der Lautsprecher. Er hat sich aber sehr stark in den Dienst der Mannschaft gestellt. Alle müssen ihr Leistungsmaximum abrufen.

herthabsc.de: Worauf wird es ankommen, was ist in deinen Augen der mögliche Schlüssel zum Erfolg?
Hartmann: Wir müssen auf den Tag perfekt vorbereitet sein und unsere beste Leistung abrufen. Darüber hinaus braucht man in solch einem Spiel natürlich das nötige Quäntchen Spielglück. Ich vermute, dass es ein enges, umkämpftes Spiel werden wird und hoffe, dass wir am Ende als Sieger vom Platz gehen werden. 

(war/City-Press)

U19, 11.03.2019